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Erich Hess ist der Hansdampf in Berns Gassen

Der SVP-Politiker sitzt neu gleich in drei Parlamenten. Kein Problem für ihn, sagt er, er lege sich ein Trottinett zu.
Der Berner SVP-Politiker Erich Hess. (Bild: Peter Klaunzer/Keystone)

Der Berner SVP-Politiker Erich Hess. (Bild: Peter Klaunzer/Keystone)

Er habe sich mit sechzehn angefangen aufzuregen, sagte Erich Hess einmal in einem Interview. Er könne nicht nur die Faust im Sack machen, dachte er, sondern müsse aktiv werden. Also trat er der SVP bei, der «einzigen bürgerlichen Partei der Schweiz», und politisierte rechtsaussen gegen die Zuwanderung, gegen kriminelle Ausländer, gegen den EU-Beitritt der Schweiz. Das war vor mehr als 20 Jahren. Seine Themen sind im Kern dieselben geblieben und die Probleme offenbar nicht kleiner geworden. Daran gemessen, wie aktiv er sich heute politisch engagiert, müsste er sich um ein Vielfaches aufregen.

Doch der Schein trügt; am Telefon antwortet ein gut gelaunter Erich Hess. Am Sonntag hat ihn das Berner Stimmvolk mit 3700 Stimmen und dem mit Abstand besten Resultat seiner Partei in den Grossen Rat des Kantons Bern gewählt. Er sitzt damit neu in drei Parlamenten. Seit 2005 ist er bereits im Berner Stadtrat, seit zwei Jahren im Nationalrat. Das ist zwar legitim, doch braucht es ihn wirklich auf allen drei Staatsebenen? Er lacht laut, und das oft, wenn man ihm eine Frage stellt. «Nein, theoretisch ginge die Welt nicht unter», sagt er, aber er sei den Menschen verpflichtet, die ihn wählten. Vor zwei Jahren klang das noch anders. Als er in den Nationalrat gewählt wurde, gab er seinen Sitz im Grossen Rat ab. War ihm das Vertrauen seiner Wähler damals weniger wert? «Die Partei hat mich angefragt, sonst hätten wir den Sitz am Sonntag wohl gar nicht mehr geholt.»

Tatsächlich hat die SVP im Grossen Rat drei Sitze verloren. Hess kann sich seinen Erfolg nur mit seinem Engagement erklären. So würden dank ihm heute Netze an Berns Brücken Selbstmorde verhindern. Über den Kanton hinaus ist er mehr für seine unfreiwillig komischen Auftritte bekannt, zum Beispiel in der ZDF-Nachrichtensatire «Heute Show». Und in der links geprägten Stadt für seine Initiativen gegen das Kulturzentrum Reithalle. Beliebt hat er sich damit nicht gemacht. Er sagt: «Man mag mich in der Stadt Bern nicht überall.» Man hat ihn schon aus Restaurants vertrieben, im Stadtrat ausgebuht und ausgelacht. Er sei vor allem seinen Wählern verpflichtet: national, kantonal, kommunal. Dabei überschneiden sich die Sessionen im Grossrat und Nationalrat regelmässig. Er müsse sich halt gut organisieren.

Dass er jetzt mit seinen drei Ämtern auch als Berufspolitiker durchgehen könnte, davon will er nichts wissen. «Ich fühle mich als Milizpolitiker.» Dazu gehört auch, dass er nebenbei noch arbeitet. Er unterhält fünf Immobilienfirmen, hat Mitarbeiter, fährt Lastwagen und führt Politik, Schiessen, Motorrad- und Skifahren als Hobbys auf. Es klingt kitschig, wenn er sagt: «Freizeit ist mein Leben.» Sein Tag zähle nicht acht, sondern doppelt so viele Stunden.

Die Politik nimmt inzwischen viel Platz in seinem Leben ein. Nun pendelt er zwischen Stad–und Bundeshaus. Damit er nicht ins Schwitzen kommt, will er sich ein Elektro-Trottinett zulegen. Erich Hess will nicht rennen.

Andrea Tedeschi

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