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Die erleichterte Einbürgerung ist noch zu schwierig

Die Eidgenössische Migrationskommission fordert Anpassungen bei der erleichterten Einbürgerung von Ausländern der dritten Generation. Viele könnten die Gesetzesbestimmungen nicht erfüllen.
Tobias Bär
Seit einem Jahr können sich Ausländerinnen und Ausländer der dritten Generation erleichtert einbürgern lassen. Bisher haben 309 Personen über diesen Weg die Schweizer Staatsbürgerschaft erhalten. (Bild: Keystone/CHRISTIAN BEUTLER)

Seit einem Jahr können sich Ausländerinnen und Ausländer der dritten Generation erleichtert einbürgern lassen. Bisher haben 309 Personen über diesen Weg die Schweizer Staatsbürgerschaft erhalten. (Bild: Keystone/CHRISTIAN BEUTLER)

Seit etwas mehr als einem Jahr können sich junge Ausländer der dritten Generation erleichtert einbürgern lassen. Sie bekommen den Schweizer Pass, sofern ein Grosselternteil ein Aufenthaltsrecht in der Schweiz erworben hat und ein Elternteil mindestens zehn Jahre in der Schweiz gelebt und mindestens fünf Jahre die obligatorische Schule besucht hat.

Insbesondere die letzte Anforderung scheint ein Stolperstein zu sein, wie die Eidgenössische Migrationskommission (EKM) in einem gestern veröffentlichten Bericht festhält. Dass ein Elternteil während fünf Jahren die Volksschule (Primarstufe und Sekundarstufe I) besucht haben müsse, stehe im Widerspruch zur Einwanderungsrealität der ersten Generation.

Erst nach schulpflichtigem Alter in die Schweiz

«Die Grosseltern der dritten Ausländergeneration sind oft als Saisonniers in die Schweiz gekommen, und als solche konnten sie ihre Familie nicht nachziehen», sagt EKM-Präsident Walter Leimgruber. Der Familiennachzug war erst mit einer Aufenthaltsbewilligung möglich. Viele Eltern der «Terzos» kamen dadurch erst in die Schweiz, als sie dem schulpflichtigen Alter schon entwachsen waren. Leimgruber meint deshalb: «Es braucht eine Korrektur.» Die EKM empfiehlt, das Bürgerrechtsgesetz so anzupassen, dass die Anforderungen auch mit einer Berufsbildung erfüllt werden können.

Hat ein Elternteil eines Ausländers der dritten Generation also etwa nur während eines Jahres die Schweizer Volksschule besucht, danach aber eine vierjährige Lehre absolviert, dann soll das ebenfalls genügen. Die Waadtländer SP-Nationalrätin Ada Marra, welche die erleichterte Einbürgerung mit einem Vorstoss initiiert hatte, unterstützt die Forderung. Für Leimgruber sind die gesetzlichen Hürden mit ein Grund dafür, dass die Zahl der Einbürgerungsgesuche von Jugendlichen der dritten Generation im ersten Jahr «sehr tief» geblieben ist. Das Staatssekretariat für Migration (SEM) zählte bis Mitte Februar 1066 Gesuche. Im Vorfeld der Abstimmung war die Zahl jener, welche die Kriterien für eine erleichterte Einbürgerung erfüllen, mit 25000 beziffert worden. Auffällig ist gemäss dem Bericht der EKM, dass die sechs Kantone Aargau, St. Gallen, Solothurn, Thurgau, Baselland und Bern zwei Drittel aller Gesuche auf sich vereinen. Es handle sich um Kantone mit einer restriktiven Gesetzgebung bei der ordentlichen Einbürgerung.

Für Walter Leimgruber liegt es im Interesse der Schweiz, dass sich möglichst viele «Terzos», die in der Schweiz aufgewachsen sind, einbürgern lassen: «Wir brauchen junge Menschen, die sich einbringen – und einbringen kann man sich besser mit Schweizer Bürgerrecht.»

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