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ERSCHLIESSUNG: Kleinseilbahnen droht das Aus

Sie führen auf abgelegene Alpen und sind beliebt bei Touristen. Doch die Zukunft von zahlreichen Kleinluftseilbahnen steht in der Schwebe – wegen immer strengerer Vorschriften.
Kari Kälin
Toni Arnold, Frau Sandra Bachmann und Sohn Juri vor ihrer Seilbahn oberhalb von Wolfenschiessen. (Bild Nadia Schärli)

Toni Arnold, Frau Sandra Bachmann und Sohn Juri vor ihrer Seilbahn oberhalb von Wolfenschiessen. (Bild Nadia Schärli)

Kari Kälin

Der Chärnalpbach frisst sich durch die Felsen, Tannen ragen empor, der Hang ist steil, die Natur rau. Die Fahrt in der Kleinluftseilbahn von der Diegisbalm auf die Oberalp, zum Hof von Toni Arnold, ist ein Kilometer lang, dauert fünf Minuten. Dort, ob Wolfenschiessen im Kanton Nidwalden, wohnt der 37-jährige Landwirt mit Ehefrau Sandra Bachmann und Sohn Juri. Die Familie hält 15 Mutterkühe, 20 Stück Jungvieh und führt einen Sömmerungsbetrieb für 80 bis 90 Stück Vieh. Die Anfahrt in der blauen Kabine ist spektakulär, die Arnolds, aber auch Wanderer, Biker oder Gleitschirmflieger bedienen die Bahn selber. Die Fahrt hin und zurück kostet für Erwachsene 8 Franken, die Aussicht auf den Titlis gibts gratis. Im Winter, wenn die Zufahrtsstrasse unter einer Schneedecke liegt, ist die Kleinluftseilbahn die einzige Verbindung zum Hof.

Mehrfach gesichert

Paragrafen trüben aber die Bergidylle auf 1400 Meter über Meer. Denn der Kleinluftseilbahn, die erst 1999 für viel Geld revidiert wurde, droht das Aus. Die Betriebsbewilligung steht in der Schwebe. Schuld daran sind immer umfangreichere Sicherheitsvorlagen. Allein für eine umfassende Laufwerkrevision, die Arnold bis jetzt nicht machen konnte, müsste er rund 20 000 Franken aufwerfen – und das Prozedere alle paar Jahre wiederholen. «Das kann ich finanziell nicht stemmen», sagt Arnold. Die Fahrgäste bringen jährlich nämlich nicht mehr als rund 4000 bis 6000 Franken. Und wenn Arnold nicht selber viele Wartungsarbeiten erledigen könnte, wäre die Bahn schon längst ein Verlustgeschäft. Der Landwirt wehrt sich keinesfalls gegen Sicherheitskontrollen. «Das ist eine gute Sache», sagt er. Doch die Vorschriften seien übertrieben. «Unsere Luftseilbahn ist mehrfach gesichert. Wenn sie zu schnell wird, stoppt sie automatisch. Wenn es ein Problem gibt, sind wir via Natel immer erreichbar.»

Massive Investitionen

Arnold steht mit seinem Problem nicht allein da. Im Kanton Nidwalden, aber auch in anderen Zentralschweizer Kantonen gibt es Dutzende solcher Kleinseilbahnen. Gemäss Reto Canale, bis vor drei Jahren Chef des Interkantonalen Konkordats für Seilbahnen und Skilifte (IKSS), könnte in den nächsten Jahren rund die Hälfte der 200 Kleinluftseilbahnen in der Schweiz ihren Betrieb aufgeben müssen, weil massive Investitionen verlangt sind. Kleinluftseilbahnen dürfen gemäss der Seilbahnverordnung maximal acht Personen befördern. Betrieben werden sie häufig von Bauern, die ihre Alp erschliessen. Die Bewilligung erteilt der Kanton. Nicht zuletzt sind die Bahnen auch eine Touristenattraktion.

Doch wo genau liegt das Problem? Weshalb werden Betreiber von Kleinluftseilbahnen mit immer mehr Vorschriften behelligt? Für Reto Canale, den Vater der Cabrio-Bahn aufs Stanserhorn, liegt der Hund bei den Kontrollen begraben. «Mit Hinweis auf das neue Gesetz werden von den Betreibern derart viele, teilweise unnötige Sicherheitsnachweise und Anpassungen gefordert, dass es für einen Kleinbetrieb fast nicht mehr machbar ist», sagte er neulich gegenüber dem «Tages-Anzeiger».

Sorgen um Tourismus

Im Kanton Nidwalden hat sich bereits eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich für einen längeren Betrieb der Kleinseilbahnen einsetzt. Mit von der Partie sind unter anderem Alois Odermatt, der als erster Bannwart die Seilbahn Spies–Sinsgäu verwaltet. Auch Niklaus Reinhard, Vorstandsmitglied der Genossenschaft der Dallenwil-Wiesenberg-Bahn, sitzt mit im Boot. «Es wäre schade, wenn solche Bähnli mit der Zeit von der Landkarte verschwinden würden – vor allem für den Tourismus», sagte der FDP-Landrat aus Hergiswil neulich gegenüber der «Zentralschweiz am Sonntag».

Bundesrat muss Stellung nehmen

Die prekäre Lage der Kleinseilbahnbetreiber wird nun ein Fall für den Bundesrat. Nationalrat Peter Keller (SVP, Nidwalden) und Ständerat Isidor Baumann (CVP, Uri) werden in dieser Session einen Vorstoss einreichen. Das Ziel: Die Auflagen für Betreiber von Kleinluftseilbahnen sollen auf ein vernünftiges Mass gedrosselt werden. Der SVP-Nationalrat, selber oft in Kleinluftseilbahnen unterwegs, wittert aber bereits neues bürokratisches Ungemach. Die EU-Seilbahnrichtlinie, welche die Schweiz übernommen hat, soll nämlich zu einer Verordnung hochgestemmt werden. «Diese Verordnung ist viel verpflichtender und bringt noch mehr Auflagen», sagt Keller. «Warum müssen wir EU-Richtlinien übernehmen? Wo gibt es eigentlich in Brüssel Seilbahnen?», fragt er. Wann die EU die neue Verordnung in Kraft setzen wird, ist aber noch offen. Und das Bundesamt für Verkehr gibt Entwarnung: «Wir erwarten nicht, dass die zukünftige EU-Seilbahnverordnung verschärfte Auflagen für den Betrieb bestehender Seilbahnen enthalten wird», teilt ein Sprecher auf Anfrage mit.

Toni Arnold beruhigen solche Worte nicht. Er befürchtet, dass «im Extremfall» bald keine Kleinluftseilbahnen mehr auf abgelegene Alpen und zu attraktiven Wanderwegen führen. «Wir müssen die Kleinluftseilbahnen bewahren. Sie gehören zu unserem Kulturgut. So etwas gibt es sonst nirgends auf der Welt», sagt Arnold.

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