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ERSCHLIESSUNG: Verein will Kulturgut in Bergregion erhalten

Es geht um die Existenz zahlreicher Kleinluftseilbahnen. Stark betroffen ist auch Nidwalden. Ein neuer Verein soll nun die Interessen der Betreiber vertreten.
Landwirt Toni Arnold sitzt mit seiner Familie in seiner Kleinluftseilbahn oberhalb von Wolfenschiessen. (Bild Nadia Schärli)

Landwirt Toni Arnold sitzt mit seiner Familie in seiner Kleinluftseilbahn oberhalb von Wolfenschiessen. (Bild Nadia Schärli)

Wanderer, Gleitschirmflieger oder Biker schätzen sie für Freizeitaktivitäten, für viele Bauern sind sie ein zentrales Verkehrsmittel: Rund 200 Kleinluftseilbahnen führen in der Schweiz auf abgelegene Alpen und zu tollen Aussichtspunkten. Betrieben werden sie oft von Landwirten, die damit ihren Hof erschliessen. Acht Personen dürfen gemäss Seilbahnverordnung in den Kleinluftseilbahnen befördert werden. Die Betreiber müssen regelmässig Sicherheitsnachweise erbringen, die Kantone erteilen die Betriebsbewilligung.

«Unnötige Nachweise»

Die Zentralschweiz ist eine Kleinluftseilbahn-Hochburg. Im Kanton Uri zum Beispiel zählt man rund 50, in Nidwalden mehr als 20. Weit verbreitet sind die Touristenattraktionen auch in den Kantonen Wallis und Bern.

Viele Betreiber plagen jedoch Zukunftsängste. Reto Canale, bis vor vier Jahren Direktor des Interkantonalen Konkordats für Seilbahnen und Skilifte (IKSS), weiss, wo das Problem liegt. «Mit Hinweis auf das neue Seilbahngesetz, das 2007 in Kraft trat, müssen heute teilweise unnötige Sicherheitsnachweise in Form von detaillierten Zustandsberichten erbracht werden. Das ist sehr teuer und für viele Kleinseilbahnbetreiber daher finanziell nicht zu stemmen», sagt der Vater der Cabrio-Bahn auf das Stanserhorn. Laut Canale droht deshalb in den nächsten Jahren der Hälfte der Kleinluftseilbahnen das Aus. Er befürchtet, dass viele Bauern die Bahn dann trotz Verlust der Betriebsbewilligung schwarz weiterführen würden. «Wenn die jährlichen Kontrollen entfallen, aber gleichwohl noch Personen befördert werden, wird es wirklich gefährlich», warnt Canale. Er plädiert deshalb für einen pragmatischen Umgang mit Kleinluftseilbahnen. «Ein einmotoriger Piper-Sportflieger ist kein Airbus. Ein Bauernbähnli erfordert nicht den gleichen Aufwand wie eine grosse, komplexe Seilbahn», sagt Canale.

Wirtschaftlichkeit und Sicherheit

Im Kanton Nidwalden reagieren die Seilbahnbetreiber auf die ungemütliche Lage: Heute gründen sie in Oberdorf den Seilbahnverband Nidwalden. Eine der treibenden Kräfte ist Niklaus Reinhard. Der FDP-Landrat aus Hergiswil wirkt auch im Vorstand der Genossenschaft Dallenwil-Wiesenberg-Bahn mit.

Die jährlichen Kontrollen führt das IKSS durch. Ist alles im grünen Bereich, dürfen die Besitzer ihre Anlagen weiterhin in Betrieb halten. Bei Mängeln können die Kantone Auflagen machen.

Der Seilbahnverband Nidwalden versteht sich nicht als Gegenspieler des IKSS. Man strebe eine konstruktive Zusammenarbeit an, sagt Reinhard. Er findet aber, die Kontrollstelle könnte die Vorschriften weniger «exzessiv» auslegen und vermehrt den Spielraum zu Gunsten der Betreiber von Kleinluftseilbahnen nutzen. Dies dürfe aber nicht auf Kosten der Sicherheit gehen. «Wir plädieren für einen sicheren, wirtschaftlichen und pragmatischen Betrieb der Kleinluftseilbahnen», sagt Reinhard.

Der neue Verein will einerseits die Interessen der Luftseilbahnen gegenüber den Behörden vertreten. Andererseits sollen sich die Betreiber untereinander vernetzen. «Sie können etwa bei der Wartung, bei der Ausbildung oder der Auswertung von Daten voneinander profitieren», erklärt Reinhard. Der Verein wolle einen Beitrag dazu leisten, die Kleinluftseilbahnen als Touristenattraktionen und Teil des Kulturgutes in den Bergregionen zu erhalten. Der neue Verband steht auch den grossen Seilbahnen offen, die für ihren Betrieb eine Konzession durch den Bund benötigen. Bei seiner Gründung dürfte er rund 30 Mitglieder zählen.

Die Hoffnung von Toni Arnold

Eines davon ist Toni Arnold. Er betreibt ob Wolfenschiessen die Kleinluftseilbahn, die von der Diegisbalm zu seinem Hof auf die Oberalp führt. «Mit dem Verband können die Interessen der Kleinluftseilbahnbetreiber gegenüber den Behörden besser vertreten werden», sagt der 38-jährige Landwirt. Arnold hofft, dass dadurch auch die Auflagen für seine Bahn auf ein vernünftiges Mass eingeschränkt werden. Gegen Kontrollen wehrt er sich nicht. «Die Sicherheit ist das Wichtigste. Ich kann und werde sie garantieren», sagt Arnold. Aber unverhältnismässige Investitionen im fünfstelligen Bereich könne er nicht stemmen.

«Höhere Investitionskosten»

Toni Arnold hat einen Namensvetter, der als Geschäftsführer des Verbandes Urner Seilbahnen amtet. Auch er hält fest, dass die Sicherheitsstandards mit dem Inkrafttreten des neuen Seilbahngesetzes gestiegen seien. «Dies führt bei Ersatz oder Erneuerung von sicherheitsrelevanten Anlageteilen unvermeidlich zu höheren Investitionskosten», so Arnold. Die Rolle des IKSS beurteilt er positiv. Es gebe nur einen beschränkten Spielraum. Im Kanton Uri nütze er diesen zu Gunsten der Betreiber von Kleinluftseilbahnen aus.

Und das IKSS? Urs Braschler amtet noch bis zum 11. Mai als Präsident der Kontrollstelle. Bis Ende 2015 hatte er als Leiter des Nidwaldner Amtes für Wald und Energie auch die Aufsicht über die kantonalen Kleinluftseilbahnen inne. Zu Reinhards Einwand, die IKSS lege die Vorschriften exzessiv aus und nutze den Spielraum zu Gunsten der Betreiber nicht, entgegnet er: «Ich lade ihn herzlich ein, mir konkrete Beispiele von übertriebenen Auflagen durch die IKSS zu nennen.» Die IKSS habe auch im Kanton Nidwalden immer nach pragmatischen Lösungen gesucht und sie bis jetzt mit den Betreibern auch gefunden.

Die technischen Normen seien heute nicht mehr gleich wie vor 30 Jahren, gibt Braschler zu bedenken. Und: «Wenn bei einer Kleinluftseilbahn während Jahren nur das Nötigste für den Unterhalt gemacht wurde, zeigt das Material mit der Zeit Ermüdungserscheinungen.» Dann sei es die Aufgabe der IKSS, auf diese Mängel hinzuweisen. «Wir müssen als Kontrollbehörde hinter einer Betriebsbewilligung stehen können. Der sichere Personentransport muss garantiert sein», sagt Braschler. Die Gründung des Seilbahnverbandes Nidwalden begrüsst Braschler. Er wünscht ihm viel Erfolg und freut sich, wenn er seine Anliegen mit Engagement vertritt.

Kari Kälin

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