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PR-Plan des Luftwaffenchefs: Erste Kampfjetpilotin der Schweiz soll der Luftwaffe Flügel verleihen

Die Schweizer Luftwaffe ist mächtig stolz auf ihre erste F/A-18-Pilotin. Sie sieht die Waadtländerin Fanny Chollet auch als politische Waffe – und hofft auf viele Nachahmerinnen.
Samuel Schumacher
Wusste schon im Gymi, dass sie Kampfjetpilotin werden will: Fanny «Shotty» Chollet. Bild: Laurent Gillieron/Keystone (Payerne, 19. Februar 2019)

Wusste schon im Gymi, dass sie Kampfjetpilotin werden will: Fanny «Shotty» Chollet. Bild: Laurent Gillieron/Keystone (Payerne, 19. Februar 2019)

Vor dem Hangar des Militärflugplatzes Payerne debattierte die versammelte Fachpresse. Angegraute Herren mit aufgenähten Fliegerabzeichen enervieren sich über Ueli Maurers jämmerlichen Kampf für den Gripen und kommentieren Guy Parmelins überfälligen Abgang aus dem Verteidigungsministerium. Sie sprechen über «zu teure Franzosen» und «zu schlechte Schweden» und über all die anderen Probleme, die die Luftwaffe «jetzt dringend» anpacken muss. Doch drinnen im Hangar, da wollte man für einmal nichts wissen von den düsteren Wolken, die durch den helvetischen Luftraum ziehen. Drinnen im Hangar sollte ein neues, fröhlicheres Kapitel der Schweizer Luftwaffe aufgeschlagen werden: das Kapitel Fanny Chollet.

Die 28-jährige Waadtländerin ist die erste Schweizer Kampfjetpilotin. Seit Anfang Jahr sitzt sie regelmässig im Cockpit der F/A-18-Flieger. Gestern, sechs Wochen nach ihrem Jobantritt, trommelt die Luftwaffe die Journalisten zusammen, um ­ihnen die neue Attraktion des Kampfgeschwaders vorzustellen.

In den Ferien fiel der Entscheid

Fanny Chollet sitzt an einem Tisch hinter hastig aufgestellten Mikrofonen, die langen Haare zusammengebunden, die Augen dezent geschminkt. Neben ihr sitzt Luftwaffenkommandant Bernhard Müller, keine Haare mehr, ungeschminkt, breites Lächeln im Gesicht. «Wir haben das Jahr der Frau», sagt Müller. Eine Verteidigungsministerin, sieben Militärhelikopter-Pilotinnen und seit dem 1. Januar endlich eine Kampfjetpilotin. Am WEF seien alle gemeinsam im Einsatz gewesen: Amherd als Passagierin im Super Puma, im Cockpit nur Frauen, im F/A-18-Begleitflieger Fanny Chollet. Müller ist sichtlich stolz und erteilt Chollet das Wort.

«Shotty», wie sie ihre Pilotenkollegen nennen, liest aus ihrem Werdegang vor: Berufspilotenlizenz, Offiziersschule bei den Fliegertruppen, Aviatik-Bachelor, Ausbildungen auf der PC-7 und der PC-21, am 8. März letztes Jahr dann der erste Soloflug im Kampfjet, jetzt als Pilotin bei der Fliegerstaffel 18 in Payerne. Technisch und etwas trocken wirkt das Ganze. Der jungen Frau ist die mediale Aufmerksamkeit nicht ganz geheuer. Lieber hätte sie die Pressekonferenz gemeinsam mit den beiden männlichen Kollegen abgehalten, die Anfang Jahr ebenfalls neu als F/A-18-Piloten zur Truppe gestossen sind, sagt Chollet. Aber eben. Kurzes Lächeln, dann beantwortet sie Fragen. Chollet ist Pilotin mit Leib und Seele.

«Ob Frau oder Mann spielt keine Rolle»

Sie wohnt nur einen Steinwurf vom Flugplatz in Payerne entfernt, organisiert in ihrer Freizeit Treffen mit Oldtimer-Flugzeugen und war schon als Gymi-Schülerin fasziniert von Astronomie und von Amelia Earhart, der amerikanischen Pilotin, die 1928 als erste Frau über den Atlantik flog. Dass sie Luftwaffenpilotin werden will, weiss die zierliche Frau seit sie als 16-Jährige mit ihrer Mutter in den Frankreich-Ferien über ihre Zukunft sprach und just in diesem Moment ein Mirage-Kampfjet über ihrem Ferienhaus durchdonnerte. «Das mache ich auch einmal», hat sie ihrer Mutter gesagt und sich drei Jahre später für die Selektion angemeldet.

Der Weg bis hierhin in den Hangar in Payerne war hart, aber nicht härter als der Weg, den junge Männer mit dem gleichen Berufstraum gehen müssen, betont Chollet.

«Ich wurde als Frau immer gleich und immer fair behandelt.»

Dass Männer besser für den Job taugen, glaubt sie nicht. «Ob Frau oder Mann spielt keine Rolle im Cockpit. Jeder Pilot hat gewisse Stärken und gewisse Schwächen. Entscheidend ist der Einsatz, nicht das Geschlecht.»

Gutes Klima in der Truppe

Jungen Frauen, die sie nach Tipps fragen, rät sie das Gleiche wie jungen Männern:

«Nehmt den Challenge an, macht den fliegerischen Vorkurs bei der Ausbildungsplattform SPHAIR und versucht es einfach.»

Luftwaffen-Chef Bernhard Müller ergreift zum Schluss nochmals das Wort, bezeichnet Fanny Chollet als «Leuchtturm», erzählt vom guten Klima, das die junge Frau in die Truppe bringe und von der Hoffnung, dass sich bald haufenweise Nachahmerinnen bei der Luftwaffe melden werden: «Wir warten sehnlichst auf die nächste Frau», sagt Müller in die Mikrofone.

Dann führt Fanny die Presse hinaus aufs Flugfeld, positioniert sich vor den bereitgestellten Kampfflieger und blinzelt in die Abendsonne. Die Fotografen knipsen und «Shotty» ist anzusehen, dass sie am liebsten einfach nur abheben und wegfliegen würde: Weg von diesem Medientrubel hinauf in den Schweizer Luftraum, den sie mit ihren Kollegen seit dem ersten Januar nicht nur mehr zu Bürozeiten, sondern täglich von 6 bis 22 Uhr überwacht.

Trumpf in der Beschaffungsdebatte

In naher Zukunft wird die Schweiz noch einmal über die Beschaffung neuer Kampfjets abstimmen. Ab 2025 soll die F/A-18-Flotte schrittweise erneuert werden. Anders als bei der letzten Abstimmung will der Bundesrat, dass die Stimmbevölkerung diesmal nur über die Beschaffung an sich, nicht aber über den zu beschaffenden Kampfjettyp befinden darf. Nach der verlorenen Gripen-Abstimmung 2014 steht der Wunsch der Luftwaffe nach neuen Kampfjets unter einem schlechten Stern. Das weiss auch Luftwaffenkommandant Bernhard Müller. «Wir wollen bei der nächsten Abstimmung vor allem auch junge Männer und junge Frauen ansprechen. Ich bin mir aber natürlich bewusst, dass ich diese Zielgruppe nur schlecht für unser An­liegen gewinnen kann», sagte der 62-Jährige gestern. Sobald der politische Prozess ins Rollen kommt, will Luftwaffenchef Müller deshalb auf die Dienste von Fanny Chollet setzen. Die 28-jährige Kampfjetpilotin ist seine ­Geheimwaffe für die anstehenden Kampfjetdebatten. «Sie soll jetzt zuerst einmal fliegen, fliegen, fliegen. Danach aber werden wir sie ganz sicher für ­bestimmte Kampagnen einsetzen, wo sie ihre Funktion als Leuchtturm der Luftwaffe ­wahrnehmen muss», sagt Müller. Die männlichen Kampfjet­piloten hingegen will er mit politischem Wahlkampf vorerst verschonen. (sas)

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