Es brennt im Zug: Die SBB proben den Feueralarm im neuen Ceneri-Tunnel – «rekordverdächtig sicher»

Der neue Ceneri-Basistunnel gehört seit Anfang Woche der SBB. Gleich in der ersten Nacht wurde auf einer Probefahrt ein Brand in einem unbegleiteten S-Bahn-Zug simuliert.

Gerhard Lob aus Bellinzona
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Es ist längst dunkel, als der Tilo-S-Bahn-Sonderzug auf Gleis 3 im Bahnhof Bellinzona bereit seht. Dutzende von SBB-Mitarbeitern wuseln herum. Auch für die Medienvertreter ist es ein emotionaler Moment. Denn erstmals kann der neue, gut 15 Kilometer lange Ceneri-Basistunnel befahren werden, noch vor der offiziellen Eröffnung an diesem Freitag.

Der Ceneri-Basistunnel in Betrieb. (Symbolbild)

Der Ceneri-Basistunnel in Betrieb. (Symbolbild)

Bild: Alessandro Crinari / Ti-PRESS (Bellinzona, 02. September 2020)

«Dieser Tunnel ist rekordverdächtig sicher», meint Daniel Salzmann, Projektleiter SBB für die Nord-Süd-Achse, bei der Einführung. Das heisst: Es wurden und werden alle Vorkehrungen getroffen, um sogenannte Ereignisfälle zu bewältigen. Brände und Pannen. Im Gotthard-Basistunnel ist das bisher gut gelungen: Zu einem Brand kam es nie. Nur drei Mal musste ein havarierter Personenzug aus dem Tunnel geschleppt werden.

So sicher soll es auch im Ceneri künftig sein. Und deshalb werden noch etliche Tests und Probefahrten durchgeführt, um alle möglichen Szenarien durchzuspielen, bevor dieses unterirdische Bauwerk am 13. Dezember in Betrieb genommen wird. Dabei weist der Ceneri-Basistunnel eine Besonderheit auf. Keiner der Neat-Tunnels wird bisher von unbegleiteten S-Bahn-Zügen befahren. Im Tessin wird dies hingegen in Zukunft der Regelfall sein, denn der Tunnel ist das Rückgrat des künftigen S-Bahn-Netzes.

Eine Notfallübung für die Medienvertreter

Die Fahrt mit den Medienvertretern ist denn auch keine normale Fahrt mit der S-Bahn, sondern eine Notfallübung. Tatsächlich wird wenige Kilometer nach Einfahrt in den Tunnel künstlich mit einer Rauchpetarde ein Brandalarm ausgelöst. Der Rauch breitet sich aus, ein Alarmzeichen ertönt. Und bald schon folgt eine Stimme aus dem Lautsprecher, welche die Passagiere bittet, Ruhe zu bewahren und den Anweisungen zu folgen. Die Evakuation wird geprobt. Normalerweise würde nun die Sprinkleranlage einsetzen, doch zum Schutze der Medienvertreter vor diesem Kunstregen wurde sie ausgeschaltet.

«Im Brandfall wird immer versucht, den Zug aus dem Tunnel heraus zu fahren – denn nichts ist schlimmer als ein Brand im Tunnel», erklärt Tom Gut, der Leiter von Life Cycle Management, «doch wenn es nicht möglich ist, dann kann der Zugführer den Zug auch im Tunnel anhalten.» Tatsächlich stoppt die S-Bahn wenige Kilometer vor dem Südportal. Die Passagiere steigen aus und begeben sich durch einen Querschlag in die Weströhre. «Selbstrettung» heisst die Devise. Dort sind sie sicher.

Der Standort an dieser Stelle ist besonders. Denn es ist bereits in Richtung Süden das Portal zu sehen, das als Weiterführung der Neat bis zur Grenze beziehungsweise Umfahrung von Lugano gedacht ist. Vorerst – und wohl für die kommenden Jahrzehnte – führt die beiden Tunnelröhren in einer leichten Biegung bei Lugano-Vezia auf die alte Stammstrecke der Gotthardbahn. Der nächtliche Sonderzug nimmt diese Strecke und wird dabei – ebenfalls als Übung – mit einem Lösch- und Rettungszug der SBB abgeschleppt.

Bellinzona-Lugano in acht Minuten

Die Rückfahrt um 0.40 Uhr ab Bahnhof Lugano nach Bellinzona geht dann wesentlich schneller. Und es kommt erstmals ein richtiges Ceneri-Tunnel-Gefühl auf. Eintauchen in Lugano – auftauchen nahe Bellinzona. Nur rund acht Minuten braucht die S-Bahn für die 15,4 Kilometer. Daran muss man sich gewöhnen. Ein letztes Szenario wird durchgespielt, eine Notbremse gezogen. Auch hier funktioniert alles. Der Tilo-Zug kommt in Giubiasco zum Halt.

Um 1.10 Uhr morgens in Bellinzona ist alles geschafft; die Probefahrt ohne Probleme absolviert. Die SBB-Mitarbeitenden wirken müde, aber erleichtert. Doch für die SBB ist es nur der Anfang des dreimonatigen Probebetriebs, in dem es auch darum geht, neben der S-Bahn auch gleichzeitig schnelle Fernverkehrs- und langsame Güterzüge durch den Ceneri-Basistunnel fahren zu lassen. 4000 bis 5000 Fahrten sind geplant. «Die Integration eines so grossen Brockens wie dieser Tunnel in den Fahrplan ist nicht einfach», sagt Daniel Salzmann. Und damit alles funktioniere, gebe es nur eine Devise: «Üben, üben, üben.»

Der Tunnel ist eröffnet: Dieter Schwank, CEO Alptransit AG, Bundesrat Ignazio Cassis, Bundesrätin Simonetta Sommaruga, Regierungsrat Norman Gobbi and Vincent Ducrot, CEO SBB.
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Der Tunnel wird um 11 Uhr offiziell eingeweiht.
Viel Politikprominenz, kurz vor der Eröffnung am 3. September.
Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga würdigt den Basistunnel. (3. September)
Selbstverständlich gehört zu so einer Eröffnungszeremonie auch musikalische Untermalung.
Bundespräsidentin Sommaruga mit den enthusiastischen Musikern.
Futuristisch wirkt der Tunnel, so mitten in der schönen Landschaft.
Vor rund 14 Jahren war der erste Spatenstich, jetzt ist der Tunnel fertig, das wird dementsprechend gefeiert.
Dank des Ceneri-Tunnels kann die Strecke Bellinzona-Lugano in nur acht Minuten überbrückt werden.
Die Streckenlänge beläuft sich auf 15,4 Kilometer.
Diverse Vorkehrungen sorgen für höchste Sicherheit.
Der Tunnel wird hierbei am 13. Dezember in Betrieb genommen.
Er wird für das lokale S-Bahn Netz von erheblicher Wichtigkeit sein.
Neben der lokalen S-Bahn werden auch Fern- und Güterzüge durch den Tunnel fahren.
Gemäss des Projektleiters SBB für die Nord-Süd Achse sei er hierbei «rekordverdächtig sicher».
Vor Inbetriebnahme werden noch diverse weitere Tests durchgeführt.
Für die Medienvertreter wurde am 2. September eine Notfallübung abgewickelt.

Der Tunnel ist eröffnet: Dieter Schwank, CEO Alptransit AG, Bundesrat Ignazio Cassis, Bundesrätin Simonetta Sommaruga, Regierungsrat Norman Gobbi and Vincent Ducrot, CEO SBB.

Foto: Gaetan Bally / Keystone (03. September 2020)
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