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Es fehlt an jungen Bergführern

Die Bergführer haben einen guten Sommer hinter sich, doch schon bald dürfte es zu wenige von ihnen geben. Eine Tradition ist in Gefahr. Um sie zu retten, läuft ein Kampf um den Nachwuchs.
Dominic Wirth
Immer weniger Bergführer kommen nach. (Bild: Manuel Lopez/Keystone (Verbier, 24. Juni 2016))

Immer weniger Bergführer kommen nach. (Bild: Manuel Lopez/Keystone (Verbier, 24. Juni 2016))

Er wollte lange kein Ende nehmen, dieser Sommer, und das haben auch die Schweizer Bergführer gemerkt. Sie waren gefragte Männer, weil die Bedingungen so gut waren wie lange nicht mehr. Es sei in der Hochsaison zuweilen sonst schon schwierig, einen Bergführer zu finden, sagt Marco Mehli, der Präsident des Schweizer Bergführerverbands (SBV). «In diesem Jahr war das wegen des guten Wetters erst recht so», sagt der Bündner. Und in Zukunft dürfte es nicht besser werden. Denn der Schweiz gehen die Bergführer aus; Jahr für Jahr sinkt ihre Zahl.

Derzeit gibt es im ganzen Land laut dem SBV noch 1249 Bergführer. Er kann zwar keine Zahlen aus der Vergangenheit liefern, doch die Zahl der nachrückenden Bergführer spricht eine deutliche Sprache. In den letzten zehn Jahren erhielten 259 ihr Diplom. In der Dekade davor waren es noch 335 gewesen. Jedes Jahr müssten laut dem SBV 40 bis 50 Männer und Frauen nachrücken, um den Bestand zu halten. Doch diese Zahl ist derzeit nicht mehr als ein Wunschtraum. In der ­Regel erhalten jährlich 20 bis 30 Bergführer ihren Fachausweis.

Wie konnte das passieren?

Das Ergebnis ist ein Nachwuchsproblem. 48 Jahre sind die Schweizer Bergführer im Durchschnitt alt. «Die Entwicklung macht uns Sorgen», sagt SBV-Präsident Mehli. Ähnlich klingt es beim Schweizer Tourismus-Verband (STV). Der Bergführermangel sei eine «grosse Herausforderung» für den Bergtourismus, für den Bergtouren ein «Grundpfeiler» seien, sagt Robert Zenhäusern vom STV.

Das Alpenland ist zwar stolz auf seine vielen Gipfel. Doch an jenen, die Touristen und Einheimische auf sie führen, fehlt es zusehends. Wie konnte das passieren? Die Antwort ist vielschichtig. Da ist die Ausbildung zum Bergführer, die mit gut 29000 Franken teuer ist, drei Jahre ­dauert und hohe Anforderungen stellt. So hohe, dass nur erfahrene Alpinisten überhaupt in Frage kommen. Und auch von denen halten längst nicht alle durch: Etwas mehr als die Hälfte der Kandidaten brechen vorzeitig ab. Frauen gibt es unter den Schweizer Bergführern nach wie vor nur wenige: Derzeit sind es 32.

Dazu kommt, dass der Beruf des Bergführers auch nach bestandener Prüfung «kein einfacher» ist, so formuliert es Marco Mehli. Die Tage sind lang und hart, die körperlichen Anforderungen hoch und die Verantwortung erst recht. «Wenn man jeden Tag in den Bergen ist, nützt das den Körper ab», sagt Mehli, der betont, dass es für ihn keinen schöneren Beruf gebe. «Man ist täglich draussen in der Natur, schliesst Freundschaften fürs Leben», sagt er. Das Einkommen ist zwar gut – die Tagespauschale beträgt mindestens 645 Franken –, doch es ist eben auch unregelmässig. In der Hochsaison sind die Bergführer pausenlos unterwegs. Danach, wenn der Herbst kommt, fehlt es ihnen oft an Arbeit. Mit einem geordneten Familienleben ist das schwer vereinbar. «Vielleicht haben die Jungen heute weniger Lust auf einen solchen Job, weil er ihnen zu hart ist. Sie vergessen, dass am Berg Erinnerungen warten, die ein ganzes Leben bleiben», sagt Mehli.

Eine einfache Lösung für das Nachwuchsproblem gibt es nicht. An der Ausbildung will der SBV nichts verändern. «Man kann schon sagen, sie sei zu streng, aber an unseren Standards werden wir nicht rütteln. Es geht hier schliesslich um die Sicherheit», sagt Mehli. Er hofft, dass Geld vom Bund den Negativtrend bricht. Künftig übernimmt der Bund 50 Prozent der reinen Ausbildungskosten, gut 9500 Franken. Die angehenden Bergführer profitieren wie andere Absolventen einer eid­genössischen Prüfung von einer Neuerung, die auf Anfang Jahr in Kraft getreten ist.

Kurse, die sich bereits an 12-Jährige richten

Geld allein wird die Personal­sorgen vom Bündnerland bis ins Wallis indes nicht lösen. Der SBV hat deshalb seine Nachwuchs­förderung intensiviert, etwa mit Kursen, Informationstagen oder Auftritten und Jugend + Sport-Lagern. «Wir müssen den Jungen die Freude am Bergführerberuf vermitteln», sagt Mehli.

Dasselbe Ziel hat auch ein Projekt in Zermatt. «Wir muss- ten etwas unternehmen», sagt Benedikt Perren, Geschäftsführer der Bergsportschule Zermatters. Über eine in diesem Jahr gegründete Stiftung, die Young Guides Foundation, haben die Zermatter Geld für Kurse gesammelt, die sich bereits an 12-Jährige richten. Sie sollen das Fundament werden für neue Bergführergenerationen. Im Engadin bietet die Bergführerschule Pontresina seit ein paar Jahren jungen Bergführern Ganzjahresstellen an. Das Ziel ist immer dasselbe: die Zukunft sichern. «Es ist wichtig, dass wir der Bergführertradition Sorge tragen», sagt Perren.

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