Es geht längst nicht mehr nur um die Medikamentenabgabe

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Apothekenmarkt Das Erfreuliche vorweg: Die Kunden sind mit den Dienstleistungen der Apotheken in der Schweiz zufrieden. Aber diese sind trotzdem unter Druck – unter anderem durch den Online-Versandhandel. Dies ergab eine Studie des Forschungsinstituts GFS Bern in diesem Frühling. Der europäische Vergleich zeigt: An der Apothekendichte kann es nicht liegen, dass die hiesigen Apotheken zu kämpfen haben. In den meisten Ländern – auch in den umliegenden – gibt es mehr Apotheken auf 100000 Einwohner als in der Schweiz.

Die Vergleichbarkeit der Medikamentenabgabe ist jedoch beschränkt. Und dies nicht nur zwischen den Ländern in Europa, sondern auch innerhalb der Schweiz. Reicht die Palette in Europa von strikter Regulierung bis zu freiem Markt, sind es in der Schweiz die unterschiedlichen Regelungen in Bezug auf die Selbstdispensation. Will heissen: Es gibt Kantone, in denen Ärzte Medikamente abgeben dürfen, Kantone, in denen es verboten ist – und Kantone, in denen Mischformen vorkommen.

Vernetzung schafft auch Konflikte mit Konkurrenten

Trotz komplexer regulatorischer Verhältnisse: Die Herausforderungen für die Apotheken sieht GFS Bern nicht in erster Linie im politischen Grabenkrieg. Im Gegenteil: Der Apotheker der Zukunft werde noch stärker zum Dienstleister, Therapeuten und Diagnostiker. Eine ­wesentliche Rolle werde dabei die zunehmende Vernetzung spielen. Wohl­wissend, dass die Apotheker dabei den Hausarzt als traditionellen «Gate­keeper» beziehungsweise erste Anlaufstelle im Gesundheitswesen zunehmend konkurrenzieren. Nichtsdestotrotz oder gerade deshalb: Neuartige Kooperationsformen mit verschiedenen Akteuren seien wichtig. Dies umso mehr, als der Druck auf die Apotheken weiter zunehmen dürfte.

Apotheken sehen sich zunehmend als erste Anlaufstelle

Darauf will Pharmasuisse noch verstärkt mit dem Anlaufstellen-Charakter der Apotheken reagieren. Denn das Netz ist mit über 5000 Apothekern in fast 1800 Apotheken im Land breit gespannt. Das Verweisen auf die eigenen Stärken ist dabei das eine. Das andere: Dass Spitäler und Ärzte die grossen Kostenverursacher und -treiber im hiesigen Gesundheitswesen sind, ist für den Apothekerverband unbestritten. Die Tatsache zudem, dass die Schweizer Ärzte einen Viertel aller Medikamente verkaufen, ist den Apothekern ebenfalls ein Dorn im Auge. Nicht von ungefähr führen die Apotheker erstens ins Feld, dass mit dem Tarifvertrag zwischen Apotheken und Krankenversicherern ein Milliardenbetrag pro Jahr eingespart wird. Und zweitens, dass weitere Preissenkungen nur mit Personalabbau aufgefangen werden könnten. Mit entsprechenden Folgen für die Versorgungssituation. Dies führt zurück zur Apothekendichte. Sie ist gemäss Pharmasuisse zwar bescheiden, aber sie zeichnet sich dafür durch Qualität aus. Nicht nur bei der Medikamentenabgabe selber, sondern auch bei beratenden und präventiven Tätigkeiten in der medizinischen Grundversorgung. (bbr)