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«Es hat sich schon alles gewaltig verändert»

Helikopterlandeplatz
Dominic Wirth, Davos

Wenn alles noch so wäre wie früher, dann hätten sich gestern die Wege von Hans Stiffler, einem Bauern aus Davos, und Donald Trump, dem mächtigsten Mann der Welt, auf einer Wiese am Ortseingang der Alpenstadt gekreuzt. Bis im letzten Jahr landeten auf Stifflers Grundstück die Helikopter, mit denen die Wichtigen und Mächtigen dieser Welt in die Bündner Alpen kommen. Doch in diesem Winter ist das nicht mehr so, das WEF ist der Wiese von Bauer Stiffler entwachsen.

Weil der Heliport mehr Platz braucht, liegt er jetzt auf einem anderen Stück Land, gleich unten beim Davosersee. «Dort ist es einfacher, gerade mit all den Sicherheitsmassnahmen, die über die Jahre dazugekommen sind», sagt Stiffler, ein Mann mit Kinnbart und dichtem grauem Haar, und ein wenig Wehmut schwingt mit in seiner Stimme.

Persönlicher Dankesbrief von Clinton

Seit Jahrhunderten schon bewirtschaften die Stifflers die Wiesen um ihren Hof. Der Betrieb ist von einer Generation an die nächste gegangen, heute führt ihn Stifflers Tochter mit ihrem Partner. Das Wohnhaus mit seiner weissen Fassade und den grünen Fensterläden, erzählt der Bauer, wurde vor etwa 500 Jahren gebaut. An der Fassade steht «Zur Stilli» geschrieben, doch während des WEF hat das lange Zeit kein bisschen gepasst, im Gegenteil: Vor dem Hof sind die Heli­kopter gekommen und gegangen. Und über die Jahre haben sie Hans Stiffler ­viele schöne Anekdoten beschert.

Drinnen im Bauernhaus riecht es nach Arvenholz. Stiffler steht in seinem Büro und zieht einen Ordner aus dem Regal. Dann beginnt eine Zeitreise zu vergangenen Momenten, von denen Stiffler noch heute mit leuchtenden Augen erzählt. Etwa jener Tag im Januar 2000, als Bill Clinton nach Davos kam. «Bill in der Stilli» hat Stiffler die A4-Seite überschrieben, hinter Klarsichtfolie kleben Fotos von Bill Clinton, der aus seinem Helikopter steigt, kurz die Hand hebt. Ein paar Wochen nach dem Besuch des US-Präsidenten ist Post aus dem Weissen Haus auf dem Davoser Bauernhof eingetroffen. Die dankenden Zeilen, unterzeichnet von Clinton persönlich, bewahrt Stiffler wie einen Schatz auf.

Der Bauer hat mit seiner Frau über die Jahre zahllose prominente Gäste auf seiner Wiese landen sehen. Tony Blair war da, Angela Merkel, Nicolas Sarkozy oder David Cameron. Stiffler hat sich über den «netten» Gerhard Schröder gefreut und Bundesräte, die manchmal in seinem Haus eine Sitzung abhielten. Einmal sind Lula da Silva, der Ex-Präsident Brasiliens, und der ehemalige israelische Staatschef Schimon Peres für ein Gespräch in Stifflers Flur zusammengestanden. «Früähner isch es no glatt gsi», sagt Stiffler irgendwann. Damals, als sich noch Neugierige dazustellen konnten, wenn die hohen Tiere aus aller Welt landeten. Doch dann kam der Zaun, später die Videoüberwachung. Und irgendwann sahen es die Sicherheitsleute lieber, wenn selbst Bauer Stiffler in seinem Haus blieb, wenn ein Helikopter ankam.

Entwicklung des WEF ist Grund zur Sorge

Das WEF ist immer grösser geworden, aber das heisst nicht, dass Hans Stiffler die Veranstaltung nicht mehr in seiner Heimatstadt will. «Es gibt doch keine bessere Reklame für uns Davoser», sagt er. Doch wenn Stiffler so redet, hört man auch ein gewisses Unbehagen darüber hinaus, was aus dem WEF geworden ist. Das fängt an bei den Sicherheitsmassnahmen, aber es geht auch um die horrend hohen Zimmerpreise oder die Temporärbauten, die in diesen Tagen wie Pilze aus dem Boden schiessen. «Es hat sich schon alles gewaltig verändert», sagt Stiffler.

Dass US-Präsident Donald Trump nun eine Nacht in Davos verbringt, findet Stiffler gut. «Der bringt doch Leben in die Bude», sagt er. Und auch wenn Trump gestern nicht auf seiner Wiese gelandet ist: Ganz in der Nähe war der Präsident zumindest über Nacht trotzdem. Denn sein Hotel, das «Intercontinental» alias «goldenes Ei», liegt nur ­einen Steinwurf hinter Stifflers Anwesen auf einer Anhöhe.

Dominic Wirth, Davos

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