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«Es ist möglich, dass er nicht mehr frei entscheiden konnte»

Balz Bruder

Suizidthese Die Geschichte entbehrt nicht einer gewissen tragischen Ironie: Ende März wurde bekannt, dass Rolf Erb seine Freiheitsstrafe von sieben Jahren trotz Suizidgefahr anzutreten habe. Das Bundesgericht stellte fest, dass am bestehenden Gutachten über die Hafterstehungsfähigkeit von Erb nicht zu deuteln sei. Im Gegenteil: Es gebe keinen Grund, eine interdisziplinäre Expertise in der Sache zu bestellen. Just dies hatte der Verurteilte mit seiner Beschwerde ans höchste Gericht verlangt.

Damit stand endgültig fest: Erb würde seine Freiheitsstrafe ohne Aufschub antreten müssen. Das Bundesgericht fand in seinem Urteil denn auch deutliche Worte. Dass die Selbstgefährlichkeit eines Verurteilten gleichsam zum letzten Verteidigungsmittel werde, sei nicht hinzunehmen, befand das Gericht. Dies umso weniger, als der Suizidgefahr im Strafvollzug in geeigneter Art und Weise begegnet werden könne. Und nun? Der mögliche Suizid, noch in Freiheit begangen, erscheint wie die traurige Bestätigung für die Ansicht des Gerichts.

Der drohende Antritt der Freiheitsstrafe war nicht das einzige belastende Moment für den Verurteilten. Am 9. Februar 2017 hatte das Thurgauer Konkursamt entschieden, dass Erb am 1.AABB22Mai aus dem Schloss Eugensberg ausziehen muss. Das war für Erb, der sich vor Gericht als «selbstmordgefährdet» bezeichnet hatte, ein weiterer schwerer Schlag.

«Letzter Schritt, sich der Verantwortung zu entziehen»

Erb-Buchautor Thomas Buomberger hält die Suizidthese denn auch für begründet. Dies auch vor dem Hintergrund, dass sich Erb der Verantwortung für das unternehmerische Versagen stets entzogen habe. Die Schuld habe er stets bei anderen gesucht und nicht bei sich selber. «Für ihn war der Suizid, wenn es denn Suizid gewesen ist, der letzte Schritt, sich der Verantwortung zu entziehen», sagt Buomberger. Und zeigt sich entsprechend wenig erstaunt über den Tod auf Eugensberg.

Der bekannte Gerichtspsychiater Josef Sachs zieht für den Fall des Suizids – ohne über Detailkenntnisse zu verfügen – grundsätzlich zwei mögliche Varianten in Betracht. Erstens könnte es sich um einen sogenannten Bilanzsuizid handeln. «Das bedeutet, dass Rolf Erb in Abwägung aller Aspekte zum Schluss gekommen ist, dass er so nicht mehr leben möchte», sagt Sachs. Die hinter diesem Entschluss stehenden Motive wären dann «normalpsychologischer Natur», wie der Psychiater sagt. Das heisst «Angst vor der ungewissen Zukunft, Scham und mangelnde Bereitschaft, die Verantwortung zu übernehmen».

Zweitens könnte es laut Sachs aber auch sein, dass Rolf Erb unter der Belastung derart gelitten hat, «dass er nicht mehr frei entscheiden konnte». Er könnte etwa eine Depression entwickelt haben, die seine Fähigkeiten zu selbstverantwortlichem Handeln erheblich beeinträchtigte, führt Sachs aus. Und für diesen Fall einer psychiatrischen Unterstützung bedurft hätte.

Balz Bruder

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