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«Es war ein Fehler»: Glarner bittet Lehrerin um Entschuldigung – und plädiert auf Unwissen

Der Aargauer SVP-Nationalrat Andreas Glarner, der eine Stadtzürcher Lehrerin diffamiert hatte, bedauert den Vorfall. «Es war ein Fehler gewesen», sagte Glarner am Sonntag in der Tele-Züri-Sendung «Sonntalk». Er bat die Lehrerin um Entschuldigung.

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(sda/mwa) Was er getan habe, sei nicht korrekt gewesen, sagte Glarner in der TV-Sendung: «Es tut mir wirklich leid». Er hoffe, dass es der Lehrerin wieder besser gehe und sie ab Dienstag wieder unterrichten könne. Das habe er ihr auch geschrieben. Er habe aber nicht wissen können, dass es sich um die private Handynummer der Lehrerin gehandelt habe. Im Brief sei die Nummer explizit als «Schulhandy» deklariert gewesen – ein solches könne man abends nach 17 Uhr ausschalten. Von Moderator Markus Gilli darauf angesprochen, dass die Lehrerin nichts falsch gemacht hatte, sagte er: «Ich konnte nicht annehmen, dass die Zürcher tatsächlich eine solche Verordnung haben.» Worauf Esther Girsberger, Publizistin und Unternehmerin, entgegnete: Ein Nationalrat, Vertreter des Volkes, erkundige sich erst über Gesetze und Reglemente, bevor er in den Sozialen Medien etwas veröffentliche.

Nach seiner Bitte um Entschuldigung, die Glarner mit direktem Blick in die Kamera formulierte, folgte ein betontes Aber: Die Medien kochten die Affäre hoch, weil sie vom eigentlichen Problem ablenken wollten: «Wir geben während des Ramadans praktisch keine Schule mehr.» Die Kinder seien nicht konzentrationsfähig. Auch gebe es «keine Schullager, Schulreisen und Sporttage mehr». Die Grundsatzfrage, die man nicht diskutieren wolle, sei, wie viel Schulbetrieb wir dem Islam unterordnen.

Glarner erhielt nach seinem Facebook-Post selbst anonyme Anrufe und SMS. «Es gibt Leute, die mehrere Male anrufen und immer aufhängen», sagte er zum Blick. Er werde diese Personen «teilweise melden».

Glarner hatte die Handynummer der Lehrerin in einem Facebook-Post veröffentlicht, daraufhin klingelte das Telefon bei ihr Sturm. Die Lehrerin hatte Eltern in einem Brief über die langjährige Schulpraxis informiert, dass muslimische Schüler für das Bayram-Fest zum Ende des Ramadans freibekommen. Dem SVP-Politiker passte dies nicht und veröffentlichte den Brief auf seinem Facebook-Profil, inklusive Name und Telefonnummer der Lehrerin. «Vielleicht möchte jemand der Lehrerin mitteilen, was er davon hält», schrieb er dazu.

Die Aktion des Nationalrats löste einen Sturm der Entrüstung aus. Die Zürcher Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP) verurteile an Aufruf Glarners in einer Stellungsnahme als «inakzeptabel». Die Lehrerin habe korrekt gehandelt. Die Dispensation aus religiösen Gründen habe im Kanton Zürich eine lange Tradition und sei rechtlich klar geregelt. Früher waren es in erster Linie katholische und jüdische Kinder, die im reformierten Zürich an gewissen Feiertagen frei erhielten. Die Regierungsrätin sicherte der Lehrerin die Unterstützung zu. Diese kündigte rechtliche Schritte gegen den Aargauer an.

Auch der Stadtzürcher Schulvorsteher Filippo Leutenegger (FDP) zeigte sich in einer Mitteilung befremdet über das Verhalten des Politikers. Der Angriff auf die engagierte Lehrerin sei nicht nur ungerechtfertigt, sondern auch unhaltbar. Von einem Politiker müsse man erwarten können, dass er sich der Wirkung eines solchen Posts bewusst sei, schrieb Leutenegger. In diesem Fall sei eine korrekt handelnde Lehrerin an die Öffentlichkeit gezerrt und Belästigungen ausgesetzt worden.

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