«Es wird geschmuggelt, was das Zeug hält»

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Zoll des.Der Schweizer Zoll hat ein unerfreuliches Jahr hinter sich: Die Einnahmen der Zollverwaltung sanken von 23,6 auf 21,7 Milliarden Franken. Diese Einnahmen machen aber nach wie vor rund einen Drittel der Gesamteinnahmen des Bundes aus.

Tonnen an Essen vernichtet

Gleichzeitig hatten die Zollbeamten mehr zu tun. Nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses Anfang 2015 hat der Zoll massiv mehr Waren an der Grenze konfisziert. Frappierend: Allein am Flughafen Basel-Mulhouse haben Zollbeamte fleissigen Auslandeinkäufern 8,5 Tonnen Fleisch, Würste und Käse abgenommen. Der Zoll ist verpflichtet, sie zu vernichten. Jürg Noth, Chef des Grenzwachtkorps, kommentiert trocken: «Es wird geschmuggelt, was das Zeug hält.» Allein neue gewerbsmässige Schmuggelfälle wurden über 14 000 registriert. Heinz Engi, Direktor des Zollkreises Basel, nennt zur Illustration einen Fall der Zollstelle Basel, die den Schmuggel von über 300 Kilogramm Wasserpfeifentabak entdeckte. Dieser war in einem Steinbrunnen versteckt. Empfängerin des Tabaks wäre eine Shisha-Bar gewesen, die den Schmuggel organisiert und finanziert hatte. Die deswegen eingeleiteten Hausdurchsuchungen brachten zu Tage, dass die Drahtzieher bereits zuvor mehrmals illegal Wasserpfeifentabak eingeführt hatten. Allein die Abgaben auf den beschlagnahmten 308 Kilogramm Tabak beliefen sich auf 30 000 Franken.

27 000 Lastwagen gestoppt

Ebenfalls viel zu tun gab der Schwerverkehr: Über 27 000 Lastwagen, die wegen Sicherheitsmängeln, alkoholisierten oder zu lange steuernden Chauffeuren nicht einreisen durften, bedeuteten ein Plus von 43 Prozent. 85 Chauffeure (2014: 25) wurden an der Weiterfahrt gehindert, weil sie unter Alkohol-, Drogen- oder Medikamenteneinfluss standen. Der höchste gemessene Alkoholpegel lag bei 2,29 Promille.

Mehr Zollanmeldungen

Unter dem Strich wurden im vergangenen Jahr mit gut 35,5 Millionen etwas mehr Zollanmeldungen als im Vorjahr gezählt. Die Einnahmen der Zollverwaltung sanken dennoch deutlich stärker als der Aussenhandel, nämlich um 8 Prozent. Der Import gab um 3,9 Prozent auf 242,6 Milliarden nach, der Export sank um 2,1 Prozent auf 279,2 Milliarden Franken.

Laut Heinz Engi, Direktor des Zollkreises Basel, brachte das boomende Onlineshopping mehr Pakete ins Land, die jedoch einen relativ geringen Warenwert hatten. Gemäss Grenzwachtkorps-Chef Noth hat immerhin der wegen des starken Frankens boomende Einkaufstourismus die Zolleinnahmen spürbar steigen lassen.

Zum Sparauftrag des Bundesrates wollte sich der stellvertretende Direktor der Eidgenössischen Zollverwaltung, Hans Peter Hefti, noch nicht in die Karten schauen lassen. Der Zoll soll 20 Millionen einsparen, davon 7 Millionen beim Personal. Er wolle keine Abstriche bei der Sicherheit machen, also müssten halt Zollämter zusammengelegt werden, sagte Hefti. Die Grenze gehe ja nicht zu.