Diskriminierung

ETH-Studie besagt: Schweizer diskriminieren Deutsche im Alltag nicht

Soziologen der ETH Zürich realisierten 2010 eine Studie über die Diskriminierung von Ausländern in der Schweiz: Sprache und Nationalität seien nicht ausschlaggebend für die Schweizer Hilfsbereitschaft im öffentlichen Raum Zürich.

Drucken
Teilen
An der ETH wurde 2010 eine soziologische Studie zur Ausländerdiskriminierung durchgeführt.

An der ETH wurde 2010 eine soziologische Studie zur Ausländerdiskriminierung durchgeführt.

Keystone / Az Archiv

Andreas Diekmann ist ein deutscher Soziologe und Professor an der ETH in Zürich. Er und zwei weitere Schweizer Soziologen haben in einer nicht-veröffentlichten Studie von 2010 herausfinden wollen, ob Ausländer und im Besonderen Deutsche Bürger im Schweizer Alltag diskriminiert werden.

Um Anzeichen der Missachtung zu testen, haben sie in Zürich Feldexperimente durchgeführt, wie der Professor in einem Interview mit dem «Tagesanzeiger» berichtet.

Sprache und Nationalität bestimmt nicht die Hilfsbereitschaft

Beispielsweise wurden Zürcher Passanten gebeten, zwei Franken für ein Trambillet zu spenden. So hat man im einen Fall Schweizerdeutsch und im anderen Fall Hochdeutsch nach dem «Almosen» gefragt. Allerdings war das Ergebnis ernüchternd, sagt der Professor: In beiden Fällen seien mehr als 40 Prozent der Bitte nachgegangen.

In einem anderen Feldversuch wurden vermeintlich verlorene Briefe unter Scheibenwischern von parkierten Autos gelegt. Der frankierte Brief war an den erfundenen Mann «Pascal Meyer» adressiert. So testete man die Rücklaufquote der Briefe, indem «Meyer» einmal in Berlin, einmal in St. Gallen und auch in Genf auf den verlorenen Brief wartete. Auch in diesem Fall stellten die Forscher fest, dass nicht weniger Briefe nach Deutschland als an die Schweizer Orte gesendet wurden.

ETH-Soziologe Andreas Diekmann: «Dass eine Partei ihr Süppchen mit der Überfremdungsangst kocht, lässt sich leider in vielen europäischen Staaten beobachten.»

ETH-Soziologe Andreas Diekmann: «Dass eine Partei ihr Süppchen mit der Überfremdungsangst kocht, lässt sich leider in vielen europäischen Staaten beobachten.»

ZVG / ETH Zürich

Eine Diskriminierung wurde nicht festgestellt. Allerdings kommt die Idee in einem Leserkommentar auf, dass sich die alltägliche Diskriminierung nicht in klaren Handlungen, sondern eher implizit zeigt: «Fremdenfeindlichkeit macht sich als kleine Nadelstiche bemerkbar, die ein Gefühl hinterliessen, nicht willkommen zu sein.»

Der Professor betont, dass die Herabsetzung vom Kontext abhänge. Die erwähnten Untersuchungen zeigen nur den Umgang im öffentlichen Raum.

Diekmann gibt auch zu, dass die multikulturelle Stadt Zürich nicht repräsentativ für die Schweiz ist: «An anderen Orten und in anderen Kantonen könnte das Ergebnis anders ausfallen.»

Trotzdem ist er überzeugt, dass Fremdenfeindlichkeit existiert. Nur sei die Schweiz dabei nicht allein: «Fremdenfeindlichkeit gibt es genauso in anderen Ländern. Denken Sie zum Beispiel an rechtsextreme Übergriffe gegen Ausländer in Deutschland.»

Tendenzen im Bewerbungsmarkt

Die Forschungsgruppe stellte andere Tendenzen im Arbeitsmarkt fest. Sie schickte 150 identische Blindbewerbungen an Schweizerische Firmen, nur gaben sie einmal «Mark Muggli» und einmal «Dukan Jovanovic» als die fiktiven Bewerber an. Das Ergebnis war eine niedrige Anzahl positiver Rückmeldungen für den Bewerber mit dem ausländischen Namen.