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ETH Zürich erforscht im Bedrettotal die Geothermie

Die Bevölkerung ist wegen Erdstössen bei der Geothermienutzung verunsichert. Im Tessiner Bedrettotal lanciert die ETH Zürich nun neue Experimente zur Erforschung der tiefen Geothermie.
Gerhard Lob, Ronco
Marian Hertrich, Leiter des ETH-Labors im Bedretto-Stollen. Bild: Gerhard Lob

Marian Hertrich, Leiter des ETH-Labors im Bedretto-Stollen. Bild: Gerhard Lob

Die Jahreszahl 1982 prangt auf dem Eingangsportal zum sogenannten Bedretto-Fenster. Es ist das Jahr, in dem dieser für den Bau des Furkabasistunnels angelegte Seitenstollen stillgelegt wurde. Seither wurde viel darüber spekuliert, was mit der 5,2 Kilometer langen und schmalen Röhre geschehen könnte, die hinter Gebüsch kaum mehr zu finden war. Selbst von einem Bahntunnel, welcher das Wallis mit dem Tessin verbinden könnte, war die Rede. Geschehen ist nichts. Doch nun steht schweres Gerät vor dem Tunneleingang in der Nähe des Tessiner Dorfes Ronco. Bauhütten sind aufgestellt. Grund: Die ETH Zürich installiert im Stollen ein unterirdisches Felsenlabor zur Erforschung der Geothermie. «Bedretto Underground Laboratory for Geoenergies» (Bulg) heisst dieses Projekt.

Der 46-jährige Geophysiker Marian Hertrich geht durch den engen Tunnel. Es ist matschig und feucht, doch elektrische Lampen sind bereits installiert, genauso wie eine WLAN-Internetverbindung. «Das ist ganz wichtig für die Sicherheit», sagt Hertrich, der früher für die Nagra arbeitete und nun für die ETH als wissenschaftlicher Leiter des Bedretto-Labors tätig ist. Nach 2,2 Kilometern erreicht man eine Felskaverne, die einst als Ausweichstelle für die Stollenbahn diente. Hier entsteht das Herz des Felslabors. Bei den Bohrungen geht es letztlich um die Frage: Wie kann das Gestein durchlässig gemacht werden, um ihm langfristig Wärme zu entziehen und diese nutzbar zu machen? «Unsere Bohrungen sind wie feine Nadelstiche ins Gestein», meint Hertrich. Der Ort ist ideal für die Forschung, weil die Felsüberlagerung an dieser Stelle bis zu 1500 Meter beträgt. Bei ähnlichen Experimenten im Grimselgebiet war die Überlagerung wesentlich geringer sowie gab es mehr Fremdeinwirkungen. Im Bedretto-Stollen sind die Forscher wirklich abgeschieden.

Im Labor sollen kontrollierte Experimente und Verfahren durchgeführt werden, um die induzierte Seismizität, also durch den Menschen verursachte Erdbeben, besser zu verstehen. Das Ziel ist eine industrielle und kommerzielle Nutzung von Erdwärme. Das tief liegende Wasser von mehr als 100 Grad soll genutzt werden, um Turbinen zu bewegen, welche wiederum elektrische Energie erzeugen. Die Erwartungen sind gross. «Experten rechnen bis 2030 mit rund einem Dutzend Anlagen, welche insgesamt 800 Giga- wattstunden Strom produzieren werden», heisst es beim Bundesamt für Energie (BFE). Langfristig sei denkbar, dass ein bedeuten-der Anteil des hiesigen Stromkonsums durch geothermische Kraftwerke gedeckt werden kann. Dies ist ganz im Sinne der Energiestrategie 2050, die auf den Ausbau von erneuerbaren Energien setzt.

Ergebnisse werden Stromproduktion voranbringen

Bisher ist all dies aber Zukunftsmusik. Derzeit wird in der Schweiz keine Elektrizität aus geothermischen Quellen produziert. Und in der Bevölkerung gibt es grosse Vorbehalte gegenüber Geothermieprojekten. Grund sind die Erdbeben, welche bei zwei bedeutenden Projekten ausgelöst wurden. Die Basler Regierung beerdigte 2009 das Projekt «Deep Heat Mining», nachdem es im Dezember 2006 zu einem deutlich spürbaren Erdbeben gekommen war. In St. Gallen wurde ein ähnliches Projekt gestoppt, nachdem im Juli 2013 ein Erdbeben der Stärke 3,5 aufgetreten war.

Wegen all dieser Probleme kommt den Forschungen im Bedrettotal eine wichtige Bedeutung zu. «Die Bedretto-Arbeiten werden einen wesentlichen Meilenstein bilden bei der Entwicklung von Geothermiesystemen, bei denen Erschütterungen auf ein nichtstörendes Mass minimiert werden können», hiess es bereits beim Geothermieforum 2018 in Zürich. Nathalie Andenmatten, Präsidentin von Geothermie Schweiz, fügt auf Anfrage an: «Ich bin überzeugt, dass die Untersuchungen und Ergebnisse aus dem Bedretto-Labor die Tiefengeothermie zur Stromproduktion in der Schweiz voranbringen wird. Die Ergebnisse werden auch international Massstäbe setzen.» Tatsächlich wird die untiefe Geothermie (bis einige 100 Meter Tiefe) dank Erdwärmesonden bereits genutzt. Bei der Nutzung der Geothermie aus mittleren Tiefen (bis zu 3 Kilometern) erwartet Andenmatten in den nächsten Jahren einen Boom. Diese lässt sich zum Beheizen von ganzen Quartieren oder als Prozesswärme für die Industrie nutzen. Bei der Nutzung von Geothermie aus sehr tiefen Tiefen (bis rund 5 Kilometer) steht man am Anfang.

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