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«Everybody’s Darling» gerät in Teufels Küche

Gregory Remez
Die ausgebildete Lehrerin und heutige Postchefin Susanne Ruoff gerät zunehmend in Erklärungsnot. (Bild: Peter Klaunzer/Keystone (Bern, 23. Juni 2017))

Die ausgebildete Lehrerin und heutige Postchefin Susanne Ruoff gerät zunehmend in Erklärungsnot. (Bild: Peter Klaunzer/Keystone (Bern, 23. Juni 2017))

Konzernchefin Die Ernennung von Susanne Ruoff zur neuen Postchefin im November 2011 war für alle nicht Eingeweihten vor allem eines: eine dicke Überraschung. Bis zuletzt hatten Beobachter damit gerechnet, dass der gelbe Riese in den eigenen Reihen fündig würde. «Wer externe Führungskräfte engagiert, hat die Nachwuchsförderung vernachlässigt», hatte der damalige VR-Präsident Peter Hasler zuvor noch gesagt – und damit die Spekulationen um einen internen Nachfolgekandidaten für den abtretenden Jürg Bucher angeheizt. Am Ende stach Ruoff über 200 Mitbewerber aus und war mit einem Schlag eine der mächtigsten Frauen der Schweizer Wirtschaft.

Dass die verheiratete Mutter zweier Kinder letztlich das Rennen machte, verdankte sie vor allem ihren Kenntnissen der digitalen Welt, in die sich die Post bis dahin nur zögerlich vorgetastet hatte. 20 Jahre lang war Ruoff bei IBM Schweiz tätig gewesen. Ab 2009 leitete sie den Schweizer Ableger der British Telecom. Dort verantwortete sie vor ihrem Abgang rund 450 Millionen Franken Umsatz mit 210 Mitarbeitenden. Zum Vergleich: Bei der Post sind es heute über 8 Milliarden Franken und 61 200 Mitarbeiter.

Mit Bundesbern ist Ruoff bis heute nicht warm geworden

Dass es von der British Telecom Schweiz an die Spitze der Post ein weiter Weg sein würde, muss damals Hasler wie Ruoff klar gewesen sein. Mit der Berufung der gebürtigen Zürcherin, die im politischen Bern nur spärlich vernetzt war und die Post bis zu diesem Zeitpunkt nur als Kundin kannte, ging der Verwaltungsrat ein hohes Risiko ein. Doch Hasler glaubte an die Aussenseiterin und versicherte stets, dass sie die besten Qualifikationen mitbringe, nannte sie gar «eine Perle».

Ursprünglich hatte Ruoff eine Lehrerausbildung absolviert und sieben Jahre unterrichtet. Nach dem Wechsel in die Wirtschaft folgten Managementausbildungen, unter anderem an der renommierten Wirtschaftshochschule Insead bei Paris, und eine Weiterbildung an der Hochschule St. Gallen zum Thema Corporate Governance – wichtige Schritte für den späteren Karrierecoup. «Ich bin kein Machtmensch», sagt Ruoff über sich selbst. Stattdessen hole sie die Leute ab, binde sie ein, höre zu. So lud sie kurz nach dem Amtsantritt bei der Post die Konzernleitung samt Partnerinnen zum Wochenende auf die Riederalp ein. Dieser integrative, unprätentiöse Führungsstil ist neu im Logistikunternehmen, das seit je von Alphatieren wie Bucher dominiert wurde. Das kommt bei den Oberen gut an, auch bei UVEK-Chefin Doris Leuthard, mit der sich Ruoff bestens versteht.

«Everybody’s Darling» hatte die «Bilanz» 2013 über ein Porträt Ruoffs getitelt – eine Anspielung auf ihren Kuschelkurs, die aber etwas verfehlt scheint. Denn mit Bundesbern ist die 60-Jährige bis heute nicht warm geworden. Parlamentarier bemängeln, dass der Postchefin das politische Gespür für die Bedeutung ihres Unternehmens in der Schweizer Bevölkerung fehle. Auf Kritik aus der Politik reagiere sie oft mit Unverständnis. «Für Ruoff sind wir Politiker ein lästiges Übel», sagt ein Parlamentsmitglied – während etwa die aktuell ebenfalls unter Druck stehende SBB-Präsidentin Monika Ribar stets das Gespräch mit Parlamentariern suche. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Während Führungsleute privater Unternehmen – wie es ­Ruoff bei der British Telecom Schweiz war – in der öffentlichen Wahrnehmung meist Randfiguren sind, gleicht die Aufgabe der Chefs von staatlichen Betrieben der eines Fussballtrainers: Man steht dauernd in der Öffentlichkeit, alle wollen mitreden und wissen es besser.

Was das genau heisst, bekam Ruoff in den letzten Jahren gleich mehrfach zu spüren. Etwa 2013, als sie den Staatsbetrieb in eine Aktiengesellschaft überführen musste; oder 2016, als sie massive Umstrukturierungsmassnahmen verkündete. Nun muss sich Ruoff erneut der Kritik der Öffentlichkeit stellen. Diesmal geht es aber nicht nur um ihr Unternehmen, sondern auch um ihren Kopf. In einem Interview mit dem «Bund» hatte sie 2014 gesagt: «Man darf einen Konzern nicht nur verwalten, ich will ihn steuern, Impulse setzen, ihn in die digitale Zukunft führen. Dies möglichst kundennah, denn wir wollen mit unseren Dienstleistungen Geld verdienen. Dabei können auch Probleme an die Oberfläche kommen.» Sie hatte wohl andere Probleme als die aktuellen im Sinn.

Gregory Remez

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