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FACHKRÄFTE: Firmen sitzen auf dem Trockenen

Die hoch- spezialisierte Schweizer Wirtschaft ist auf Arbeitskräfte aus aller Welt angewiesen. Nur: Im aktuellen Jahr ist das Reservoir an Bewilligungen fast schon aufgebraucht.
Roger Braun
Teilnehmer eines Konversationskurses für Zugewanderte in Basel lernen Deutsch. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Teilnehmer eines Konversationskurses für Zugewanderte in Basel lernen Deutsch. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Roger Braun

Auch wenn sich die aktuelle Zuwanderungsdebatte vor allem um die EU dreht: Jährlich reisen Tausende von Menschen aus dem Rest der Welt in die Schweiz ein, um hier zu arbeiten. Sie stammen aus sogenannten Drittstaaten. Für sie gilt im Grunde das, was die Masseneinwanderungsinitiative von Arbeitnehmern aus der EU fordert. Ihre Zahl ist limitiert mittels Kontingenten, und sie unterstehen einem Inländervorrang. Das heisst, wer einen Inder, einen Chinesen oder einen Amerikaner anstellen will, muss belegen, dass er im Inland keine gleichwertige Arbeitskraft gefunden hat. Überdies muss es sich um einen ausserordentlich qualifizierten Arbeitnehmer handeln.

Die Masseneinwanderungsinitiative zielte vor allem auf die hohe Zuwanderung aus der EU. Und trotzdem schüttelte sie auch das Zuwanderungsregime aus den Drittstaaten durch. Als Reaktion auf das Ja zur SVP-Initiative beschloss der Bundesrat im Jahr 2014, die Zahl der Kontingente deutlich zurückzunehmen. Betrug die Zahl der Aufenthaltsbewilligungen einst 3500, sind es heute noch 2500. Die Kurzarbeitsbewilligungen sanken von 5000 auf 4000.

Letztes Jahr ging das noch knapp gut, weil die übrig gebliebenen Kontingente aus dem Jahr 2014 übernommen werden konnten. Dieses Jahr schlägt die Reduktion nun mit voller Wucht zu. Erst acht Monate des Jahres sind vergangen – und bereits ist es für Firmen praktisch nicht mehr möglich, Arbeitskräfte aus Drittstaaten zu rekrutieren. Ende August waren von 2500 Aufenthaltsbewilligungen noch 89 übrig. Bei den Kurzaufenthaltsbewilligungen waren es noch 532 von 4000.



«Alarmierende Zahlen»

Kantonsvertreter reagieren überrascht auf diese neusten Zahlen. «Dass es dieses Jahr knapp werden würde, mussten wir erwarten, aber dass die Arbeitsbewilligungen bereits heute praktisch aufgebraucht sind, ist alarmierend», sagt der Basler Regierungsrat Christoph Brutschin, der gleichzeitig die Volkswirtschaftsdirektorenkonferenz der Kantone präsidiert. Die Kantone sind in direktem Kontakt mit den Firmen, die auf Spezialisten aus dem Ausland angewiesen sind. Jeder Kanton erhält Anfang Jahr ein fixes Kontingent, über das er selbst verfügen kann. Daneben behält der Bund die Hälfte der Kontingente bei sich. Gehen bei einem Kanton die Kontingente zur Neige, kann dieser zusätzliche Arbeitsbewilligungen vom Bund beantragen. Gerade die wichtigen Wirtschaftskantone werden jeweils schon früh beim Bund vorstellig, um Spezialisten aus der Informatikbranche, der Pharmaindustrie oder der Finanzwirtschaft rekrutieren zu können. Der Kanton Basel-Stadt beispielsweise ist mit seinen kantonalen Kontingenten dieses Jahr gerade noch bis zum Februar durchgekommen. In Genf reichten sie bis März; in Zürich bis April.

Brutschin bezeichnet die knappen Kontingente als grosses Problem. «Damit sind zahlreiche Forschungs- und Entwicklungsprojekte in den Firmen gefährdet», sagt er. «Der Standort Schweiz wird so empfindlich geschwächt.» In Basel sind gerade die Pharma- und Chemiefirmen auf den reibungslosen Austausch von Forschern innerhalb des Konzerns angewiesen. Brutschin sagt: «Das sind die Arbeitsplätze von morgen – wir müssen alles dafür tun, dass diese in der Schweiz geschaffen ­werden.»

Treffen mit Sommaruga geplant

Brutschin wird mit einer Delegation der Volkswirtschaftsdirektorenkonferenz bald bei der zuständigen Bundesrätin Simonetta Sommaruga vorsprechen. Bereits letztes Jahr hatten die Kantone in gleicher Sache bei der Justizdirektorin angeklopft – ohne Erfolg. Dieses Jahr erhofft sich Brutschin mehr: «Die Notwendigkeit zu handeln, ist inzwischen offensichtlich.» Ziel der Kantone ist es, dass der Bundesrat die Höhe der Kontingente für 2017 wieder auf den früheren Stand erhöht, auf insgesamt 8500 Arbeitsbewilligungen. Doch auch dieses Jahr hat Brutschin noch nicht aufgegeben. «Wir müssen mit dem Bund abklären, ob es nicht eine Möglichkeit gibt, die Kontingentzahl bereits für das laufende Jahr zu erhöhen.»

Aus Zürich klingt es ähnlich. «Die neusten Zahlen sind ein weiterer Beweis, dass wir es mit einer unbefriedigenden Mangelsituation bei den Drittstaatenkontingenten zu tun haben», sagt die Zürcher Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh. Sie fühlt sich in der Ansicht bestätigt, dass die Höhe der Kontingente dringend wieder erhöht werden muss. «Denn damit unsere Unternehmen im internationalen Wettbewerb mithalten können, sind sie auf ausgewiesene Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen.» In der knappen Kontingentierung sieht Walker Späh einen Unsicherheitsfaktor für die Wirtschaft. «Damit steigt das Risiko, dass Projekte ins Ausland verschoben werden, zum Beispiel nach Singapur oder Berlin.»

Für die Argumentation des Bundesrats, wonach das Ergebnis der Masseneinwanderungsinitiative zu respektieren sei, haben die beiden kein Verständnis. «Das eine hat schlicht nichts mit dem anderen zu tun», sagt Brutschin. Die Initiative fordere die Steuerung der Zuwanderung mittels Kontingenten und Inländervorrang. «Das haben wir im Bereich der Drittstaaten ja bereits!» Auch gehe es hier um eine vergleichsweise kleine Zahl von Einwanderern.

Bild: Grafik Neue LZ

Bild: Grafik Neue LZ

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