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Fahrlehrer verdienen Geld mit den Daten ihrer Schüler – das hält der Präsident des Verbandes für «mindestens grenzwertig»

Fahrkursanbieter kaufen persönliche Daten von Neulenkern. Ein Anbieter begibt sich dabei auf rechtlich heikles Terrain.
Leo Eiholzer
Die obligatorischen Fahrkurse kosten über 300 Franken pro Tag. (Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone)

Die obligatorischen Fahrkurse kosten über 300 Franken pro Tag. (Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone)

Über 300 Franken pro Tag. So viel kosten die obligatorischen Fahrkurse nach der Autoprüfung, die jedes Jahr 90'000 Junglenker besuchen müssen. Die Kursanbieter kämpfen hart um den Markt. In den vergangenen Jahren hat sich eine aggressive Werbetaktik eingebürgert: Kursveranstalter zahlen den Fahrlehrern Provisionen für die persönlichen Daten von deren Schülern. Damit können sie per Brief zielgerichtete Werbung an die kleine Personengruppe schicken, die für die sogenannten 2-Phasen-Kurse überhaupt infrage kommt.

Verschiedene Fahrlehrer nennen als Summe zwischen 20 und 40 Franken, die sie pro Schüler erhalten, der den Kurs besucht. Eine Reihe der über dreissig Kursanbieter bedienen sich nach Kenntnis von CH Media dieses Mittels. Ein Fahrlehrer berichtet etwa, wie Fahrzentren ihm eine doppelt so hohe Provision geboten hätten, wenn er seine Schüler zu ihnen schicken würde.

Die Fahrlehrer, die über die Praxis offen Auskunft geben, sehen die Briefe als Erinnerung, damit Ausweise der Junglenker nicht ihre Gültigkeit verlieren. Andere sind kritisch. Willi Wismer, Präsident des Zürcher Fahrlehrerverbandes, sagt: «Das Weitergeben von Adressdaten gegen Provision, wie es in der Branche leider gemacht wird, halte ich für mindestens grenzwertig.» Das Fahrcenter, das Wismers Verband mitbetreibt, stelle Gutscheine zu Händen der Fahrlehrer aus. Es erhalte erst dann Daten, wenn der Schüler sich selber für einen Kurs anmeldet. Und nur dann bekomme der Fahrlehrer eine Provision.

«Es besteht jetzt eine schriftliche Kontrolle bezüglich der Einwilligung zur Weitergabe der Adressdaten.»

Die Kursanbieter, die etwa Namen und Adressen gegen Provision kaufen, verweisen jeweils darauf, dass sie die Fahrlehrer verpflichten, ihre Schüler um ihr Einverständnis zu fragen. Sie vertrauen aber oft auf das Wort der Fahrlehrer und verlangen keine entsprechende Bestätigung des Fahrschülers. Bis vor kurzem etwa die A-Z Verkehrsschule Ostschweiz in Gossau SG. Geschäftsführer Rolf Bader spricht am Telefon zunächst darüber, dass das Thema «verdreht» würde, schliesslich gehe es nur darum, dass die Junglenker die Kurse nicht verpassen. Der Fahrschüler werde in den Briefen ohnehin informiert, dass sein Fahrlehrer die Daten weitergegeben habe. Zudem würden keine Preise und keine Kursdaten genannt. Wenige Tage später schreibt er aber, seine Firma mache per sofort Anpassungen: «Es besteht jetzt eine schriftliche Kontrolle bezüglich der Einwilligung zur Weitergabe der Adressdaten.»

Eine Sprecherin des Eidgenössischen Datenschützers sagt auf Anfrage, die Fahrschüler müssten für die Weitergabe ihrer Daten ihre Einwilligung geben, ansonsten setzten sich die Fahrlehrer dem Risiko von Zivilklagen aus. Wer die Einwilligung mündlich einholt, hätte in so einem Fall schlechte Karten.

Rechtlich heikel: Eine Firma benutzt das System der Strassenverkehrsämter für Werbung

Auf rechtlich heikles Terrain begibt sich die 2PA AG aus Wohlen im Kanton Aargau. Laut eigenen Angaben erhält die Firma von einem Drittel der Fahrlehrer des Aargauer Fahrlehrerverbandes gegen Provision Fahrausweisnummern und Geburtsdaten. Diese Daten gibt die 2PA AG in ein System der Vereinigung der kantonalen Strassenverkehrsämter (asa) ein und erhält so Name und Adresse von potenziellen Kunden. Diese würden angeschrieben, damit sie die Kurse nicht vergessen.

Doch das Vorgehen ist problematisch: Das System ist eigentlich nur dafür gedacht, Neulenker für die Kurse zu erfassen, damit das Strassenverkehrsamt die definitiven Führerscheine ausstellen kann. Sven Britschgi, Direktor der Vereinigung der Strassenverkehrsämter, sagt: «Das System darf nur zur Registrierung für die obligatorische Weiterbildung genutzt werden. Erhält jemand von Dritten Fahrausweisnummern sowie Geburtsdaten, um damit Adressen für Werbung zu generieren, widerspricht das der Nutzungsvereinbarung.» Bei Missbrauch gingen die Sanktionen bis zum Entzug der Bewilligung für die Durchführung der Kurse. Je nach Vertragsbindung zwischen Kursveranstalter und Fahrlehrer handle es sich aber um eine «rechtliche Grauzone».

Die 2PA AG wollte zu diesem Vorwurf nicht Stellung nehmen. Der Geschäftsleiter, der zunächst Auskunft gab, sei in den Ferien.

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