Kindstötung
Fall Flaach ZH: Die Eltern erheben schwere Vorwürfe an Behörden

Die Eltern der Mutter aus Flaach ZH machen den Behörden schwere Vorwürfe. In Briefen habe sie regelmässig darüber geschrieben, sich etwas anzutun. Den Behörden müsse klar gewesen sein, dass ein Gefahrenpotenzial bestehe, Suizid zu begehen, sagen sie.

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Die Mutter aus Flaach ZH, die ihre beiden Kinder anfangs Jahr tötete, hat ihren Suizid angekündigt: In den Briefen an ihre Eltern deutete die junge Frau mehrmals an, dass sie sich etwas antun möchte. So schrieb sie: «Ich wot nüme», oder wenn sie nicht in die Psychiatrische Klinik Rheinau käme, würde sie nicht mehr lange leben, wie der «SonntagsBlick» schreibt.

Den Behörden war dies bekannt – sie lasen jeden einzelnen Brief, den die Frau nach Hause an ihre Eltern schickte. Ihrer Tochter sei es schlecht gegangen, erzählten die Eltern gegenüber dem Regionalsender Tele Züri. Offensichtlich wollte sie sich zweimal in der U-Haft das Leben nehmen – einmal mit einem Plastiksack über dem Kopf, ein anderes Mal wollte sie einen Strick machen.

Alle drei bis vier Wochen konnten die Eltern ihre Tochter während der U-Haft sehen. Sie hätte weit aufgerissene Pupillen gehabt, sei müde, schläfrig und abwesend gewesen, erzählten sie gegenüber «Tele Züri». Für die Eltern war klar: Ihre Tochter wurde mit Medikamenten ruhig gestellt.

23 von 24 Stunden sei die Mutter alleine in ihrer Zelle gewesen. In der Stunde, in der sie aus der Zelle konnte, sei sie von den anderen Insassen gemobbt worden. Die psychologische Unterstützung sei schlecht gewesen. So hatte der Notfall-Psychologe nur ein- bis zweimal pro Woche Zeit für sie. Etwas mehr Zeit hatte der Pfarrer – aber alles in allem war die Betreuung für sie immer noch zu wenig. Am Kiosk arbeiten durfte sie nicht. Ihr Vater sagte gegenüber «Tele Züri», man habe ihr das verboten, da es am Kiosk auch Scheren gäbe.

Die Behörden bestreiten, dass es Hinweise auf einen Suizid gab. Hätte Handlungsbedarf bestanden, hätte man natürlich reagiert, sagt Jérôme Endrass, stellvertretender Leiter des Psychiatrisch-Psychologischen Dienstes, gegenüber dem «SonntagsBlick». «Gerade wegen der Vorgeschichte hat man sich speziell auf die junge Frau eingelassen.»

Möglicherweise könnte ein Buch mehr Informationen liefern über die Gefühlslage der jungen Frau. Wie der «SonntagsBlick» berichtet, soll sie in ihrer Zelle ein Buch geschrieben haben, in dem sie die Tötung ihrer zwei Kinder verarbeitet.

Am 1. Januar erstickte die 27-jährige Frau ihre beiden Kinder (2 und 5 Jahre alt) in ihrer Wohnung in Flaach ZH. Die Tat war trauriger Höhepunkt des Konfliktes zwischen der zuständigen Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) und der jungen Frau. Die KESB hatte verfügt, die Kinder kurzfristig in einem Heim unterzubringen, nachdem die Eltern zuvor wegen Betrugsverdacht Anfang November verhaftet worden waren.