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FAMILIE: Scheinehemann pocht auf Vaterschaft

Ein Schweizer anerkennt den Sohn seiner kosovarischen Scheingattin. Die Behörden fechten die Vaterschaft an – und jetzt muss der Vater zum DNA-Zwangstest antraben. Auf dem Spiel steht das Bleiberecht der Mutter und ihres Sohnes.

Die Aufforderung ist am letzten Donnerstag ins Haus geflattert: Ein 66-jähriger Schweizer aus Winterthur muss beim Institut der Rechtsmedizin der Universität Zürich zu einem DNA-Zwangstest erscheinen. Das Ziel: Die Stadt Winterthur will herausfinden, ob der Mann tatsächlich der Vater eines siebenjährigen Buben ist. Sollte er es nicht sein, droht die Aberkennung der Vaterschaft – mit potenziell einschneidenden Folgen. Das Kind könnte das Schweizer Bürgerrecht verlieren und seine kosovarische Mutter, seit 17 Jahren in der Schweiz, die Aufenthaltsbewilligung – den beiden droht die Ausschaffung.

Schon einmal wollten die Migrationsbehörden die 37-jährige Kosovarin des Landes verweisen. Der Grund: Sie hatte mit dem besagten, 29 Jahre älteren Winterthurer eine Scheinehe geführt, wie das Zürcher Verwaltungsgericht feststellte. So leitete sie etwa im August 2009, bloss zwei Monate nachdem sie die Niederlassungsbewilligung erhalten hatte, die Scheidung ein. Schwanger wurde sie erst nach dieser «Trennung»; der vom Ex-Scheingatten anerkannte Sohn wurde am 18. September 2010 geboren. Als leiblicher Vater gilt ein Kosovare.

Das Bundesgericht stoppte aber die Ausschaffung. Es argumentierte, man könne nicht das Schweizer Kind für das missbräuchliche Verhalten seiner ausländischen Mutter bestrafen.

Rund 200-mal pro Jahr entscheidet ein Gericht über die Vaterschaft. In der Regel wenden sich Männer an die Justiz, die eine Vaterschaft bestreiten, um Unterhaltszahlungen zu vermeiden. Der vorliegende, laut Experten spezielle Fall präsentiert sich anders: Ein Mann, vermutlich nicht der leibliche Vater, hat den Sohn seiner Ex-Scheingattin anerkannt – in den Augen der Behörden, um ihr durch den Schweizer Pass des Kindes zum Bleiberecht zu verhelfen.

Im Februar 2014 ordnete das Bezirksgericht Winterthur einen DNA-Test an. Der Vater, der an einer Krebserkrankung leidet, verweigerte dies und wurde dafür mit 200 Franken wegen Ungehorsams gegen eine amtliche Verfügung gebüsst. Das Bundesgericht hat jetzt im Oktober entschieden, dass ein DNA-Test zur Abklärung der biologischen Vaterschaft notfalls unter Zwang, sprich mit Hilfe der Polizei, erzwungen werden darf.

Doch darf jemand anders, der vielleicht gar nicht der biologische Vater ist, die Vaterschaft beanspruchen? «Grundsätzlich kann jeder Mann ein Kind, das keinen Vater hat, als das seine anerkennen. Das Gesetz schreibt dafür keinen Beweis wie zum Beispiel einen DNA-Test vor», sagt Caterina Nägeli, die Anwältin des 66-Jährigen. Sollte der DNA-Test zeigen, dass er nicht der leibliche Vater ist, wird er dennoch darauf bestehen, die Vaterschaft aufrechtzuerhalten – mit Verweis auf die Interessen des Kindes.

Pro Monat 100 Franken Unterhaltsbeiträge

Das Bezirksgericht Winterthur wird im konkreten Fall prüfen müssen, ob der Mann eine genug enge Beziehung zum Kind führt, sodass eine soziale Vaterschaft besteht. Die Gerichte haben dies bisher verneint. Das Zürcher Obergericht hielt zum Beispiel fest, der 66-Jährige besuche den Buben zwar, er passe ab und zu auf ihn auf und wisse, wann er Schwimmen und Velofahren gelernt habe. Er übernehme aber keine fixen Betreuungszeiten, kenne weder Lieblingsessen noch -buch des Sohnes und habe nicht gewusst, dass dieser einmal wegen Bauch- und Beinschmerzen den Notfall aufsuchen musste. Er koche nicht für den Buben, dieser übernachte auch nicht bei ihm. Und der Unterhaltsbeitrag von monatlich 100 Franken sei tief.

Nägeli kritisiert diese «negative» Darstellung. «Mein Mandant kümmert sich engagiert um seinen Sohn, geht mit ihm spazieren, macht Ausflüge, der Sohn nennt ihn ‹Papi›, er kennt keinen anderen», sagt Nägeli. Die Behörden hätten den Buben nie über seine Beziehung zum Vater befragt und die beiden auch nie besucht, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Einen geschiedenen Mann spreche man die Vaterschaft auch nicht ab, nur weil er sein Kind bloss alle zwei Wochen sehe. Und wegen seiner Krebskrankheit sei es dem Vater nicht möglich, höhere Unterhaltsbeiträge zu entrichten.

Für Nägeli ist klar: «Es widerspricht dem Wohl des Kindes, ihm den Vater wegzunehmen, es auszubürgern und allenfalls zusammen mit der Mutter des Landes zu verweisen.» Der Bub sei in der Schweiz sozialisiert und eingeschult worden, er habe hier seine Freunde.

Bis das Migrationsamt vielleicht über eine Ausschaffung entscheiden muss, dürfte jedoch noch viel Zeit verstreichen. Aberkennen die Behörden die Vaterschaft tatsächlich, wird der Mann weitere Rechtsmittel prüfen.

Kari Kälin

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