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FAMILIE: Zu viel Aufwand für Kinderzulagen

Die Bürokratie rund um Kinder- und Ausbildungszulagen kostet die Schweizer Firmen jährlich fast 280 Millionen Franken. Laut einer Studie ginge es deutlich günstiger. Doch Bund und Politiker zögern.
Maja Briner
Pro Kind erhalten Eltern eine Kinderzulage von monatlich mindestens 200 Franken. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone)

Pro Kind erhalten Eltern eine Kinderzulage von monatlich mindestens 200 Franken. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone)

Maja Briner

Ein Kind, eine Zulage: So simpel lautet das Prinzip der Kinder- und Ausbildungszulagen. Doch in der Praxis ist es kompliziert. Wenn Mutter und Vater arbeiten, muss zuerst abgeklärt werden, wer von beiden das Geld erhält (siehe Kasten). Dazu ist viel Papierkram nötig – auch bei den Firmen. Sie müssen beispielsweise den Familienausgleichskassen Angaben über ihre Angestellten liefern. Eine neue Studie im Auftrag des Bundes zeigt: Insgesamt verursacht die Bürokratie rund um die Familienzulagen bei den Unternehmen Kosten von 278 Millionen Franken pro Jahr. Zum Vergleich: Ausbezahlt wurden 2015 rund 5,6 Milliarden Franken an Familienzulagen. Pro 100 Franken Zulage entstehen den Firmen also Kosten von 5 Franken. Der Anteil des administrativen Aufwands ist laut der Studie fast viermal so hoch wie bei AHV, Invalidenversicherung und Erwerbsersatzordnung.

Politiker aus verschiedenen Parteien stören sich an den Kosten von 278 Millionen. SP-Nationalrätin Silvia Schenker (BS) sagt: «Es ist schade, wenn so viel Geld in die Verwaltung des Systems fliesst.» CVP-Nationalrätin Barbara Schmid-Federer (ZH) zeigt sich überrascht über die Verwaltungskosten der Ausgleichskassen, die bei den Firmen mit 150AABB22Millionen Franken zu Buche schlagen: «Das ist alarmierend.» Und für Hans-Ulrich Bigler, FDP-Nationalrat und Präsident des Gewerbeverbands, passen die Kosten «ins Bild der riesigen Summen an Regulierungskosten, die wir über alle Bereiche und Ebenen bezahlen müssen».

Krankenkassen sollen einspringen

Die Studienautoren vom Institut für Wirtschaftsstudien Basel liefern verschiedene Vorschläge, wie der Aufwand gesenkt werden könnte. Zum einen werden kleinere Verbesserungen vorgeschlagen, etwa die Einführung eines national einheitlichen Anmeldeformulars. Um die Kosten deutlich zu senken, müsste das System jedoch umfassend umgebaut werden, heisst es in der Studie. Ein mögliches Modell: Nicht mehr die Firmen, sondern die Krankenkassen sollen die Zulagen auszahlen. Da alle Kinder versichert sind, würde das die Abwicklung vereinfachen. Die Kosten für die Firmen würden dadurch laut der Studie auf knapp 70 Millionen sinken.

Trotz dieser deutlich tieferen Kosten scheint der Vorschlag chancenlos. Gewerbeverbandspräsident Bigler sagt: «Wir wollen unnötige Regulierungskosten senken und nicht externalisieren.» Beim Schweizerischen Arbeitgeberverband heisst es, eine solche Reform sei derzeit «kein prioritäres Thema». Auch SP-Nationalrätin Schenker hält vom Vorschlag nichts: Dadurch würden zwei «sehr unterschiedlich Aufgaben» vermischt.

Auch ein zweites in der Studie vorgeschlagenes Modell, bei dem grundsätzlich beide Elternteile je die Hälfte der Zulage erhalten würden, stösst auf Skepsis – obwohl die Kosten mehr als halbiert würden. Politiker fordern nun weitere Abklärungen. Schmid-Federer sagt, die beiden Modelle seien interessant und sollten geprüft werden. Sie zweifelt aber daran, dass diese derzeit politisch umsetzbar seien. Schenker, die beide Modelle ablehnt, sagt: «Wir sollten andere Ideen prüfen, um zu sehen, wo wir das System vereinfachen können.»

Bund lehnt grosse Reform ab

Das Bundesamt für Sozialversicherungen zeigt sich derweil offen gegenüber punktuellen Verbesserungen. «Wir werden ein einheitliches Anmeldeformular zur Verfügung stellen», sagt Marc Stampfli, Leiter des Bereichs ­Familienfragen. Geprüft werde auch der Vorschlag, dass jene Firmen, welche selbst über Anträge auf Zulagen entscheiden, Einblick ins Familienzulagenregister erhalten.

Einen grundsätzlichen Umbau des Systems strebt der Bund aber nicht an. Die beiden Modelle seien zwar «durchaus bedenkenswert», sagt Stampfli. «Aber das Gesetz über die Familienzulagen ist noch vergleichsweise jung.» Es trat erst 2009 in Kraft, nachdem jahrelang darum gestritten worden war. Es scheint, als hätte niemand Lust, das heisse Eisen nun erneut anzupacken.

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