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FAMILIENPOLITIK: Kommt jetzt der Urlaub für Väter?

In den letzten Jahren hat das Parlament zahlreiche Ideen zur Schaffung eines Vaterschaftsurlaubs verworfen. Jetzt bringt eine Initiative neue Bewegung in die Sache.
Dominic Wirth
Väter haben bei der Geburt eines Kindes nur einen freien Tag zugute. (Bild: Jamie Grill/Getty)

Väter haben bei der Geburt eines Kindes nur einen freien Tag zugute. (Bild: Jamie Grill/Getty)

Dominic Wirth

Vor der Bundeskanzlei fahren am Dienstag die Kinderwagen auf, doch in ihnen werden keine Babys liegen. Sondern Kisten voller Unterschriftenbögen. Ein Jahr nach ihrer Lancierung wird die Vaterschaftsurlaub-Initiative eingereicht; sie verlangt einen vierwöchigen, gesetzlich garantierten Urlaub für frischgebackene Väter. Hinter ihr steht eine Allianz, zu der Gewerkschaften wie Travail.Suisse, der Familienverband Pro Familia, der Bund der Frauenorganisationen, Alliance F und der Dachverband der Vater- und Männerorganisationen gehören.

Der Vaterschaftsurlaub kommt also nach Bern, wieder einmal, denn neu ist das Thema dort nicht, im Gegenteil: Über 30 Vorstösse zum Thema wurden im Bundeshaus schon behandelt. Getan hat sich indes wenig, weil bisher jeder Versuch, einen Vaterschaftsurlaub im Gesetz zu verankern, gescheitert ist. So hat ein Vater bei der Geburt seines Kindes bis heute einen freien Tag zugute, gleich wie bei einem Umzug. Auch wenn staatliche Verwaltungen und auch grössere Unternehmen teils einen Vaterschaftsurlaub gewähren, hinkt die Schweiz im OECD-Vergleich damit weit hinterher. Die Volksinitiative könnte nun Bewegung in die Sache bringen. Denn mit ihr wächst der Druck auf Bundesrat und Parlament. Und es ist durchaus möglich, dass man sich in Bern mit Stimmen von Mitte-links und Teilen der FDP auf einen Gegenvorschlag einigt, der das Anliegen der Initianten zumindest teilweise aufnimmt.

An Ideen fehlt es dabei nicht, das zeigt ein Blick auf die Liste der Vorstösse, die in letzter Zeit abgelehnt wurden oder noch hängig sind. Einige von ihnen dürften bei der Beratung der Initiative ab Mitte 2018 im Parlament erneut ins Spiel gebracht werden. Ausser der SVP hat es sich in den letzten Jahren keine Partei nehmen lassen, bei diesem wählernahen Thema mit einem eigenen Vorschlag in den Ring zu steigen.

14 Wochen wie in vielen EU-Staaten

Da ist etwa die parlamentarische Initiative der GLP-Nationalrätin Kathrin Bertschy, die zuletzt in der zuständigen Nationalratskommission besprochen und mit 13 zu 9 Stimmen abgelehnt wurde. Die Bernerin schlägt eine Elternzeit vor, wie es sie in verschiedenen EU-Staaten in allerlei Varianten bereits gibt. Dem Vater stünden demnach maximal 14 Wochen Vaterschaftsurlaub zu, allerdings nur, wenn beide Elternteile erwerbstätig sind. «Mit dem heutigen Mutterschaftsurlaub fördert der Staat aktiv die traditionelle Rollenverteilung. Das muss aufhören», sagt die GLP-Nationalrätin.

Bertschy will mit der Bedingung, dass die Frau arbeiten muss, damit der Mann Vaterschaftsurlaub beziehen kann, die Wirtschaft ins Boot holen. Dort stösst der Vaterschaftsurlaub auf wenig Gegenliebe, weil er mit Zusatzkosten verbunden ist. Vier Wochen Ferien für junge Väter kosten jährlich 380 Millionen Franken. Die müssten Arbeitnehmer und Arbeitgeber über die Lohnbeiträge aufbringen. Der Ausserrhoder FDP-Ständerat Andrea Caroni, selbst ein junger Vater, will keinen solchen Ausbau des Sozialstaats. Er plädiert stattdessen dafür, dass die Frau freiwillig einen Teil ihrer 14 Wochen Mutterschaftsurlaub dem Partner übertragen kann. «Das ist eine liberale, flexible Lösung, und sie fördert die Gleichbehandlung der Geschlechter», sagt Caroni, der seinen Vorschlag neu lancieren will, wenn das Parlament die Volksinitiative berät.

Die besten Gegenvorschlag-Chancen aber dürfte ein Konzept aus der CVP haben, das zwar im Parlament schon einmal gescheitert ist, am Schluss aber für den kleinsten gemeinsamen Nenner stehen könnte. Er schlägt statt vier nur zwei Wochen Vaterschaftsurlaub vor, dies würde entsprechend weniger kosten – 190 statt 380 Millionen Franken. Barbara Schmid-Federer, Präsidentin der Arbeitsgruppe Familienpolitik in ihrer Partei, will den Vorschlag neu einbringen. «Das ist zwar eine Minimallösung, aber sie ist politisch mehrheitsfähig», sagt die Zürcher Nationalrätin.

Bei den Linken, die eine solche Lösung im Parlament mittragen müssen, wenn sie eine Chance haben soll, winkt man ab. Dort wurden in der Vergangenheit Elternzeit-Ideen gewälzt, die viel weitergegangen wären als die Pläne des Initiativkomitees. Jetzt trägt die Partei das Anliegen aber mit, wie Cédric Wermuth sagt. Der Aargauer Nationalrat betont aber gleichzeitig, dass er sie nur als ersten Schritt zu einer modernen Familienpolitik sieht – und dass sie für die SP die Untergrenze darstellt. «Über eine Lösung mit weniger als vier Wochen muss man mit uns gar nicht diskutieren», sagt Wermuth.

«Rückzug der Initiative kommt nicht in Frage»

Die Initianten verfolgen die Gegenvorschlag-Diskussion gelassen. Adrian Wüthrich, Präsident von Travail.Suisse und Kopf des Komitees, verweist auf die 81 Prozent der Bevölkerung, die sich in einer Studie für einen Vaterschaftsurlaub aussprachen. «Ein Rückzug kommt für uns nicht in Frage. Wir legen schon einen Kompromiss auf den Tisch», sagt Wüthrich, «und wir sind sicher, dass wir eine Chance haben.» Allerdings zeigt die Studie, die Travail.Suisse selbst in Auftrag gab, auch noch etwas anderes: Die meisten Schweizer sind für zwei Wochen Vaterschaftsurlaub. Und so müssen sich die Initianten am Ende vielleicht entscheiden, ob sie den Spatz aus dem Parlament nehmen – oder auf die Taube aus dem Volk hoffen.

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