Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

«Famoses kirchliches Eigengoal»: Scharfe Kritik an Bischof Vitus Huonder

Der Churer Bischof Vitus Huonder polarisiert mit seiner jüngsten Schrift gegen die Verhütung abermals. Die Reaktionen reichen von «peinlich» über «antiquiert» bis «wenig hilfreich».
Balz Bruder
In der Kritik: Vitus Huonder.Bild: Michel Canonica (Chur, 3. Mai 2017)

In der Kritik: Vitus Huonder.Bild: Michel Canonica (Chur, 3. Mai 2017)

Das Wort des Bischofs von Chur hat es in aller Regel in sich. Und – tatsächlich: Vitus Huonder enttäuscht die Erwartungen auch bei der jüngsten Auflage seines Hirtenbriefs nicht (Artikel vom 29. Juni). 50 Jahre nach der Enzyklika von Papst Paul VI. ruft Bischof Vitus die prophetische Bedeutung von «Humanae vitae» in Erinnerung und geisselt Pille und Kondom als Teufelszeug. Das tönt dann so: «Verhütung gehört zur Kultur des Todes.»

«Peinlich und jenseits», so qualifiziert Andreas Heggli, ­Sprecher der bischofskritischen Allianz «Es reicht!», die neueste Schrift von Vitus Huonder. «Wenn er mir das, was er den Mitarbeitenden und Gläubigen predigt, persönlich sagen würde, wäre das üble Nachrede», meint Heggli. Der Bischof spreche seinen «Schäfchen» nicht weniger als die Fähigkeit ab, mit ihrer ­sexuellen Freiheit verantwortungsvoll umgehen zu können. «Was schon 1968 falsch war, ist es immer noch», führt Heggli aus. Über die Motive von Huonder, «Humanae vitae» gleichsam neues Leben einzuhauchen, kann er nur orakeln.

Was der Churer Bischof mit seiner Rückbesinnung auf das als «Pillen-Enzyklika» bezeichnete Lehrschreiben bezweckt, ist auch Kapuziner Willi Anderau von der kirchenreformerischen Pfarrei-Initiative ein Rätsel. «Komisch antiquiert» wirke sie, sagt Ander­au. Die Fragen um Pille und Kondom seien zwar «nach wie vor ­aktuell» und müssten «immer wieder erforscht und diskutiert werden». Dazu seien die Anweisungen von «Humanae vitae» ­jedoch «wenig hilfreich, weil längstens ausdiskutiert und überholt», führt Anderau aus.

«Unglücksfall und reaktionäres Zeichen

Mit den gleichen Worten bezeichnet Markus Arnold, Dozent für Theologische Ethik und Studienleiter am Religionspädagogischen Institut der Universität ­Luzern, die Verlautbarung vom Churer Hof. «Humanae vitae» sei ein «Unglücksfall» für die ­katholische Kirche gewesen und das Referieren darauf ein «reaktionäres Zeichen», sagt Arnold. «Rom» habe vor 50 Jahren den katholischen Eheleuten nicht zugestanden, dass sie in Fragen der Empfängnisverhütung vor ihrem eigenen Gewissen entscheiden könnten, führt Arnold aus, seither nähmen viele Katholikinnen und Katholiken die Kirche als Moralinstanz nicht mehr ernst.

Dabei setze Papst Franziskus – im Gegensatz zu Bischof Vitus, der Wahrheit als obersten Wert erkenne – auf Barmherzigkeit. Arnold spricht von einer «pastoralen Linie, die den Gläubigen die Wahrheiten nicht um den Kopf schleudert». Durchaus neckisch ist in diesem Kontext, dass Huonder in seinem Hirtenbrief just Franziskus als Gewährsmann zitiert: Der Pontifex selbst habe im Apostolischen Schreiben Nr. 68 «lobende und ermutigende Worte» in Bezug auf die Enzyklika von Paul VI. gefunden, schreibt Huonder in seinem Bischofswort.

Der Churer Bischof ist sich übrigens durchaus bewusst, dass die von ihm vertretene Lehre auf Widerspruch stösst. Doch das ficht ihn nicht an: Die Kirche müsse damit rechnen, «dass sie wie schon ihr Stifter zum Zeichen gesetzt wird, dem widersprochen wird», schreibt er. Abgesehen davon: Für den Gottesdienstgebrauch sei das Bischofswort nicht gedacht, heisst es im Begleitmail an die Mitarbeitenden des Bistums. Es dürfe und solle aber «sonst in geeigneter Weise in die Verkündigung einfliessen».

Mehr dem Fragen als dem Verkündigen zugewandt schliesslich ist der Verfasser des Newsletters der Katholischen Kirche Zürich, Simon Spengler: «Können alte, zölibatäre Männer wirklich glaubwürdige Lehrmeister über das Liebesleben von Paaren sein? Muss das nicht schräg herauskommen? Nämlich als famoses kirchliches Eigengoal?»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.