FDP: Auf leisen Sohlen auf der Überholspur

Petra Gössi gehört zu den Anwärtern auf das Parteipräsidium. Die Schwyzer Nationalrätin gilt als ruhig. Wenn es sein muss, kann sie aber auch auf den Tisch hauen.

Lukas Leuzinger
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Petra Gössi vor dem Rathaus in Schwyz. (Bild Pius Amrein)

Petra Gössi vor dem Rathaus in Schwyz. (Bild Pius Amrein)

Als Philipp Müller am 15. Dezember seinen Rücktritt als FDP-Parteipräsident bekannt gab, begannen sofort die Spekulationen darüber, wer seine Nachfolge antreten würde. Doch die Papabili winkten einer nach dem anderen ab. Der einzige, der angab, sich eine Kandidatur zu überlegen, war der Berner Nationalrat Christian Wasserfallen. Schnell avancierte er zum Kronfavoriten.

Einige Tage später erhielt Wasserfallen dann doch noch Konkurrenz: Petra Gössi, Nationalrätin aus dem Kanton Schwyz, erklärte, dass sie eine Kandidatur in Erwägung ziehe – nachdem auch sie zunächst abgesagt hatte. Der Rücktritt Müllers sei überraschend gekommen, sagt Gössi heute. «Ich bin zur Einsicht gelangt: Wenn ich von etwas wirklich überzeugt bin, dann bin ich auch bereit, die zusätzliche Verantwortung zu übernehmen.»

Steiler Aufstieg

Die Art und Weise, wie sie ihr Interesse anmeldete, erscheint typisch für Gössi: Die 40-Jährige ist keine, die sich vordrängt – und hat doch schon einiges erreicht in ihrer politischen Laufbahn. Mit 28 Jahren wurde sie 2004 in den Schwyzer Kantonsrat gewählt. 2011 schaffte sie den Einzug in den Nationalrat und holte damit das Mandat zurück, das die FDP 2003 verloren hatte.

Folgt nun der nächste Höhepunkt – das FDP-Präsidium? «Ich habe mich noch nicht entschieden», betont Gössi. Wichtig ist ihr, dass sich das Amt mit ihrem Beruf vereinbaren liesse. Auch als FDP-Präsidentin möchte sie weiterhin ihrer Tätigkeit als Unternehmensberaterin nachgehen. «Ich bin Milizpolitikerin und will es bleiben», sagt die Küssnachterin. Entscheiden will sie sich bis Ende Monat. Die Wahl des neuen FDP-Präsidenten findet an der Delegiertenversammlung am 16. April statt.

Bei Baryon berät Gössi Unternehmen im Bereich Wirtschaftsrecht. «Im Berufsleben sehe ich 1:1 die Auswirkungen von wirtschafts- und finanzpolitischen Entscheiden», sagt sie. So klagten viele Firmen über die zunehmende Regulierung und die damit verbundenen Kosten. Dagegen will sie als Nationalrätin auch in Zukunft ankämpfen. «Es wäre schön, wenn sich die Politik etwas mehr zurückhalten würde – das gilt für alle Themenbereiche.»

Ruhig, aber dossiersicher

Gegen weitere Regulierung, gegen höhere Steuern, gegen höhere Staatsausgaben – Gössi, die sich bislang vor allem als Finanzpolitikerin einen Namen gemacht hat, vertritt konsequent wirtschaftsliberale Positionen. Ratskollegen beschreiben sie als dossiersicher, fleissig und engagiert. Gleichzeitig gilt sie als eher ruhig und zurückhaltend. Das zeigt sich auch im persönlichen Gespräch: Gössi spricht überlegt, wird nie laut und nimmt sich Zeit, Gedanken zu formulieren. «Ich bin nicht jemand, der sich zu allem sofort äussern muss», sagt sie. «Aber es ist, denke ich, auch nicht ungeschickt, wenn man zuerst schaut, wie etwas funktioniert, und dann überlegter an die Sache herangehen kann.» Daran würde sie auch als Parteipräsidentin festhalten: «Ich würde mich nie verbiegen.»

Das bedeutet nicht, dass Gössi nicht auch Zähne zeigen kann. Etwa, wenn es um den Neuen Finanzausgleich (NFA) geht. Dass Schwyz Jahr für Jahr mehr in den Ausgleichstopf einzahlen muss, während die Nehmerkantone kaum Verständnis für die Geber zeigen, ärgert sie. So sehr, dass sie vor zwei Jahren vorschlug, dass der Kanton Schwyz seinen Beitrag an den NFA auf ein Sperrkonto überweisen soll, bis die Nehmerkantone einlenken. Aus Sicht von Gössi war dieser Vorschlag nötig. Immerhin beschäftigen sich die Nehmerkantone inzwischen ernsthafter mit den Forderungen der Geber. Gleichwohl dürfte sie sich mit der Idee nicht nur Freunde gemacht haben – auch in der eigenen Partei.

Wachstumskurs fortsetzen

Und doch sind nicht alle Parteikollegen davon überzeugt, dass Gössi das nötige Format fürs FDP-Präsidium hat. Sie selbst fühlt sich dem Amt gewachsen. Sie verweist auf ihre politische und berufliche Erfahrung und darauf, dass sie als Präsidentin der FDP Schwyz weiss, was es bedeutet, eine Partei zu führen. Ständig unterwegs zu sein und der Basis den Puls zu fühlen, ist sie sich gewohnt, auch wenn der Zeitaufwand und die Medienpräsenz bei der Mutterpartei sicherlich noch um einiges höher wären.

Die FDP Schwyz präsidiert Gössi seit 2012. Im Frühling gibt sie das Amt ab. Mit dem Erreichten ist sie zufrieden: Bei den Kantonsratswahlen 2012 legte die Partei zu, und bei den Nationalratswahlen konnte sie ihr Mandat aus eigener Kraft halten, nachdem sie vier Jahre zuvor noch von einer Listenverbindung mit der BDP profitiert hatte.

Auch in der nationalen FDP läuft es nach Jahren des Kriechgangs wieder besser. Aus Sicht von Gössi gilt es daher, den bisherigen Kurs weiterzuführen: «Die FDP muss eine eigenständige Politik betreiben und ihre Positionen den Wählern verständlich machen.» Die Herausforderung werde sein, das Wachstum, das die Partei bei den letzten Wahlen erreicht hat, weiterzuführen.

In ihrer Freizeit treibt Gössi gerne Sport. Früher ging sie regelmässig Tauchen. «Dafür finde ich momentan keine Zeit.» Immerhin kommt sie noch dazu, ab und zu in die Berge zu gehen. Das passt ohnehin besser zum bisherigen Verlauf ihrer politischen Karriere als der Tauchsport.

Lukas Leuzinger