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FDP-FRAKTIONSCHEF: Zürcher folgt wohl auf Tessiner

Nationalrat Beat Walti steht als Nachfolger von Ignazio Cassis im Vordergrund. Vor zwei Jahren sagte der 48-Jährige seiner Partei noch ab.
Tobias Gafafer
Auf Ignazio Cassis (zweiter von rechts) soll Beat Walti (zweiter von links) folgen. (Bild: KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Auf Ignazio Cassis (zweiter von rechts) soll Beat Walti (zweiter von links) folgen. (Bild: KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Nach der Wahl ist vor der Wahl. Mit dem Wechsel von Ignazio Cassis in den Bundesrat muss die FDP einen neuen Fraktionschef suchen. Interesse zeigt der Zürcher Nationalrat Beat Walti (48): «Das Amt wäre spannend.» Er, der die Fraktion seit dem August bereits interimistisch führt, nachdem die Tessiner Kantonalpartei Cassis zum Bundesratskandi­daten kürte. Und schon vor zwei Jahren zur Diskussion stand, als es um die Nachfolge von Gabi Huber ging. Nach reiflicher Überlegung gab er der Partei damals einen Korb und begründete dies mit seinem Berufs- und Familienleben. Heute sagt Walti, er könnte die Übernahme des Fraktionspräsidiums einrichten. Zudem habe er zwei Jahre mehr Erfahrung im Parlament und sei in der Fraktion breiter abgestützt.

Walti sitzt in der einflussreichen Wirtschaftskommission. Eine seiner zwei Zutrittskarten zum Bundeshaus vergibt er an Valentin Vogt, den Arbeitgeberpräsidenten, der diese bereits von seinem Vorgänger erhielt. Von Beruf ist Walti – wie viele Politiker – Rechtsanwalt und Partner in einer Kanzlei. Er rückte 2014 in den Nationalrat nach und war bis im Frühjahr 2016 Präsident der Zürcher FDP. Unter seiner Führung legte diese bei den letzten kantonalen Wahlen stark zu. ­Walti profilierte die Partei eigenständig, spannte bei den Regierungsratswahlen aber auch erfolgreich mit der SVP zusammen.

Die Mechanismen im Bundesparlament unterscheiden sich von der Kantonalpolitik. Die Führung der FDP-Fraktion ist anspruchsvoll. Im Nationalrat spielt diese seit den Sitzgewinnen von 2015 häufiger das Zünglein an der Waage. Und stimmt nicht ­immer so geschlossen wie bei der Rentenreform. Bei der Bundesratswahl setzte sich zwar der ­Favorit Ignazio Cassis durch. Dies war aber nicht selbstverständlich, zumal sich die Parteispitze um Präsidentin Petra Gössi und Interimsfraktionschef Walti für den Weg des geringsten Widerstands entschied. Sie verzichtete auf eine Vorselektion der drei Anwärter. Ob Beat Walti durchsetzungsfähig genug ist, müsste er erst unter Beweis stellen. Die FDP sei gehalten, wirkungsvoll eine liberale Politik zu vertreten, sagt er. Dafür müsse die Fraktion so geschlossen wie möglich auftreten.

Vorschusslorbeeren aus der Fraktion

Konkurrenz ist bisher keine in Sicht. Der Berner Nationalrat Christian Wasserfallen, der 2015 gegen Cassis unterlag, sagt, ­Walti habe als Interimschef eine sehr gute Arbeit gemacht. Sein eigenes Interesse sei aus heutiger Sicht sehr gering. Zudem trage er in der Privatwirtschaft mittlerweile mehr Verantwortung. ­Walti wäre ein hervorragender Fraktionschef, sagt auch Andrea Caroni, Vizepräsident der FDP und Ausserrhoder Ständerat. Er verfolge eine «glasklar liberale Linie», habe den Überblick und führe bestimmt, aber ebenso mit dem nötigen Schalk.

Der Zürcher Freisinn dominierte früher mit Exponenten wie Ulrich Bremi die Schweizer Politik und Wirtschaft. Seit längerem spielt er in Bundesbern nicht mehr eine besondere Rolle. Der heutige Ständerat Ruedi Noser bewarb sich 2010 zwar für die Nachfolge von Hans-Rudolf Merz, schaffte es aber nicht auf das Bundesratsticket seiner Partei. Hans-Peter Portmann, einer der fünf amtierenden Nationalräte der Zürcher FDP, fällt im Parlament vor allem mit Sololäufen auf. Mit dem Fraktionspräsidium würde diese in Bern wieder ein wichtiges Amt übernehmen. Der umgängliche Walti entspricht indes nicht dem Klischee des abgehobenen Zürcher Freisinnigen. Neben Mandaten in der Wirtschaft engagiert er sich auch in Stiftungen, etwa für Behinderte.

Tobias Gafafer

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