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FERNSEHEN: Gripen-Beitrag wird Fall für Ombudsmann

Das sei reine «Anti-Gripen-Propaganda»: Nach einem «Rundschau»-Beitrag reichen mehrere Zuschauer eine Beschwerde bei der SRG-Ombudsstelle ein.
Ueli Maurer referiert während einer Informationsveranstaltung über den Gripen in der Mehrzweckhalle in Ennetbürgen. (Bild: Romano Cuonz / Neue NZ)

Ueli Maurer referiert während einer Informationsveranstaltung über den Gripen in der Mehrzweckhalle in Ennetbürgen. (Bild: Romano Cuonz / Neue NZ)

Bundesrat Ueli Maurer stellte Moderator Sandro Brotz heftig in den Senkel. «Das zeigt ihre Haltung zu dem Geschäft. Ich finde das relativ tendenziös für ein Fernsehen, das von öffentlichen Geldern lebt», sagte der Verteidigungsminister in der Sendung «Rundschau» vom Mittwochabend. Der Grund für Maurers Ärger: In einem Beitrag über den Gripen – am 18. Mai entscheidet das Volk über den Kauf des schwedischen Kampffliegers – hatte das Politmagazin des Schweizer Radio und Fernsehens (SRF) die Kampfjetflotte der Schweiz mit jener Österreichs (15 Eurofighter) sowie Tschechien und Ungarn (je 14 geleaste Gripen) verglichen. Dass Länder wie Belgien und Holland über mehr Kampfjets als die Schweizer Armee verfügen, blendete die «Rundschau» aus. Maurer kanzelte den Bericht als «schwache journalistische Leistung» ab. Die «Rundschau» solle die Kritik nicht nur zur Kenntnis nehmen, sondern es beim nächsten Mal besser machen. «Wir machen keine Hofberichterstattung», verteidigte sich Sandro Brotz am Donnerstg via Twitter.

Kritik am Ländervergleich

Mit der TV-Kontroverse um den Gripen muss sich nun auch die Ombudsstelle der SRG Deutschschweiz befassen. Bis am Donnerstagabend sind bereits zehn Beschwerden gegen den «Rundschau»-Beitrag eingegangen. Dies bestätigte Ombudsmann Achille Casanova auf Anfrage. Es handle sich um ungewöhnlich viele Beanstandungen an Tag eins nach einer Sendung. Bis am Freitagabend sind bereits 27 Beschwerden eingegangen. Der Tenor sei überall ähnlich: Die Fernsehzuschauer würden den «Rundschau»-Beitrag als «reine Anti-Gripen-Propaganda» geisseln. Schlecht weg kommt vor allem der Ländervergleich. Ein weiterer Zuschauer sei aber anderer Meinung, orientiert Casanova. Denn jener Zuschauer frage: «Wer hat wohl diese Beschwerden arrangiert?» Drei der Beschwerden kiritisieren das Interview mit Ueli Maurer. Diese Minderheit beanstandete, dass nur Bundesrat Ueli Maurer und nicht auch ein Gripen-Gegner in die Sendung eingeladen wurde.

Tristan Brenn, Chefredaktor TV von SRF, weist den Vorwurf der einseitigen Berichterstattung klar zurück. «Beitrag und Interview sind immer als Einheit zu betrachten, das gehört zum journalistischen Konzept der Rundschau», teilte er auf Anfrage der sda mit. «Bundesrat Ueli Maurer konnte in einem neunminütigen Interview die Kritik am Gripen, welche im Beitrag geäussert wird, widerlegen.»

Die Ombudsstelle der SRG hat keine Entscheidungs- oder Weisungsbefugnis. Spätestens 40 Tage, nachdem eine Beanstandung eingereicht worden ist, orientiert sie die Beteiligten über ihre Abklärungen.


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