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FERNSEHEN: Wer Champions League will, muss zahlen

Bei der Neuvergabe der TV-Rechte zur Champions League setzt die Uefa auf Pay-TV. Das Schweizer Fernsehen und die Billag-Zahler haben das Nachsehen. Der Bezahl-Trend für Spitzenfussball stösst auf breite Kritik – bei Fans und Fachleuten.
Ernst Meier
«Strategie einer kurzfristigen Einnahmenmaximierung»: Die Uefa Champions League verschwindet in der Schweiz aus dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen. (Bild: Adrian Dennis/AFP (Cardiff, 3. Juni 2017))

«Strategie einer kurzfristigen Einnahmenmaximierung»: Die Uefa Champions League verschwindet in der Schweiz aus dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen. (Bild: Adrian Dennis/AFP (Cardiff, 3. Juni 2017))

Ernst Meier

Am Dienstag- oder Mittwochabend SRF 2 wählen und gemütlich ein Spitzenspiel der Champions League (CL) verfolgen: Dieses Ritual pflegen hierzulande jeweils über eine halbe Million TV-Zuschauer. Doch in naher Zukunft müssen diese sich umorientieren – und für ihr Vergnügen tief ins Portemonnaie greifen. Ab der Saison 2018/19 werden die CL-Spitzenspiele im deutschsprachigen Raum nur noch von Pay-TV-Sendern und bezahlten Onlinediensten live übertragen. Gestern gab Teleclub bekannt, dass man sich die Rechte der Uefa Champions League und der Uefa Europa League für drei Saisons von 2018 bis 2021 gesichert hat. Der Vertrag sehe vor, dass sämtliche Spiele der beiden europäischen Wettbewerbe auf Teleclub zu sehen sein werden, heisst es in einer Medienmitteilung. Mitte Juni wurde bekannt, dass die beiden Bezahlsender Sky (TV) und DAZN (Online), ZDF und ORF bei den Verhandlungen der Champions-League-Rechte ausgestochen haben. Es ist das erste Mal in der Geschichte der «Königsklasse», dass TV-Übertragungen in den Ländern Schweiz, Deutschland und Österreich nur noch für das Bezahlfernsehen vorgesehen sind. In anderen Ländern hat sich der Trend schon früher durchgesetzt. In England, Spanien, Italien und Frankreich gibts die CL grösstenteils nur verschlüsselt im Pay-TV.

Leistungsabbau bei der SRG, Billag bleibt gleich hoch

Zu welchen Preisen die TV-Zuschauer künftig Ronaldo, Messi & Co. zu Hause verfolgen können, gab Teleclub gestern nicht bekannt. Derzeit summiert sich das Sportpaket des Schweizer Bezahlkanals auf 42.80 Franken pro Monat (513.60/Jahr). Und wer ein Abo beim deutschen Onlinedienst DAZN löst, zahlt monatlich 12.90 Franken. Hinzu kommen die 450 Franken Billag-Gebühren, die ohne Abstrich zu bezahlen sind. Kein Wunder, empören sich Fans, Politiker und Experten. Der Wechsel der Uefa-Spitzenspiele zu den Pay-TV-Kanälen ist für sie nichts anderes als ein Leistungsabbau bei den öffentlich-rechtlichen Fernsehkanälen. Der Unmut in den sozialen Medien war gestern entsprechend gross. «Schon wieder für etwas bezahlen, was bisher frei zugänglich war», schreibt G. G. aus Muttenz. Und H. B. aus Lachen bilanziert: «Kein Problem. Ich gehe wieder auf den Dorffussballplatz, schaue Senioren- und Juniorenspiele. Da gibt es Bratwürste vom Grill, ein Bierchen und gute Sprüche dazu! Und ich werfe etwas in die Mannschaftskasse, statt mich immer mehr von der TV-Mafia erpressen zu lassen.»

Beim Schweizer Fernsehen gab es gestern keine Auskunft zur Übertragung der Champions League ab der Saison 2018/19. Sportchef Roland Mägerle sagte lediglich, dass man noch in Verhandlung stehe betreffend den TV-Rechten. Damit spricht er jene Lücke an, die Teleclub dem SRF offen lässt. In der gestrigen Medienmitteilung schreibt Teleclub, dass einzelne Fussballspiele auch auf frei zugänglichen TV-Kanälen zu sehen sein werden. Dazu gehöre der sendereigene Gratiskanal Teleclub Zoom. Auch der SRG wolle man aber «vereinzelt die Co-Austrahlung zugestehen», heisst es.

Roland Mägerle betonte, dass europäischer Fussball zur SRG-Sportstrategie gehöre. Er machte aber auch klar, dass Pay-TV-Konkurrenten andere Summen für die Ausstrahlungsrechte zu bezahlen bereit sind. «Unser Jahresbudget für Sportrechte beläuft sich auf 51,2 Millionen Franken. Da reden wir nicht nur von Champions League, sondern von Fussball allgemein, Tennis, Ski und Schwingen», sagte Roland Mägerle. Rund 100 Sportverträge beinhalte der Service public.

Kritik an der Strategie der Uefa, welche die TV-Rechte an die Meistbietenden vergibt, äussert auch Christoph Breuer von der Sporthochschule Köln. «Die Uefa verfolgt die Strategie einer kurzfristigen Einnahmenmaximierung», sagte Breuer gegenüber Moneycab.ch. Er würde es begrüssen, wenn die Uefa die Maximierung des Fannutzens in den Vordergrund stellte. «Schliesslich ist sie ja eine Nonprofit-Organisation, die sich der Entwicklung des Fussballsports und gesellschaftlichen Zielen verpflichtet hat», so Breuer.

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