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FIFA-SKANDAL: «Beteiligte werden sich nicht schonen»

Nationalrat und Fifa-Kenner Roland Büchel hat mit einem Strafverfahren gegen Sepp Blatter gerechnet. Er erklärt, was Blatter vom Deal hatte, der ihm nun zum Verhängnis werden könnte – und was jetzt noch möglich ist.
Jetzt wirds ungemütlich für Sepp Blatter: Die Bundesanwaltschaft ermittelt nun auch gegen den Fifa-Präsidenten. (Bild: Fifa/Getty)

Jetzt wirds ungemütlich für Sepp Blatter: Die Bundesanwaltschaft ermittelt nun auch gegen den Fifa-Präsidenten. (Bild: Fifa/Getty)

Interview Dominic Wirth

Roland Büchel, die Bundesanwaltschaft hat ein Strafverfahren gegen Fifa-Präsident Sepp Blatter eröffnet – sind Sie überrascht?

Roland Büchel*: Nein, überhaupt nicht. Spätestens der Rauswurf von Generalsekretär Jérôme Valcke hat gezeigt, wie gross die Nervosität in der Fifa ist. Versuchte Befreiungsschläge wie dieser Rauswurf sind bei der Fifa nichts Neues. Nun ist einer nach dem anderen gefallen. Jetzt wackelt sogar Blatter.

Unter anderem ist Blatter ins Visier der Justiz geraten, weil er die TV-Rechte für die Weltmeisterschaften 2010 und 2014 für 600 000 Dollar an den karibischen Fussballverband und Jack Warner veräussert hat (siehe auch Kasten). Wie bewerten Sie diesen Preis?

Büchel: Das ist billig, viel zu billig. Ich schätze den Wert der Rechte auf einen zweistelligen Millionenbetrag.

TV-Rechte für zu wenig Geld verkaufen – was hatte Blatter davon?

Büchel: Der Deal hat so funktioniert: Warner bekam die Rechte viel zu günstig und hat sie bald darauf mit Millionengewinnen weiterverkauft. Blatter erhielt jeweils 35 Stimmen. Die haben ihn im Amt gehalten, er war auf sie angewiesen. Warner hat ihm dieses Stimmenpaket immer garantiert, er hat zu Blatter gesagt: Du musst dich nicht kümmern, die Stimmen gehören dir.

Bisher gab es keine konkreten Beweise gegen Blatter, sein Name tauchte nie auf. Jetzt steht seine Unterschrift auf dem besagten Vertrag mit Jack Warner, der im Jahr 2005 unterschrieben wurde. Ein stümperhafter Fehler?

Büchel: Blatter war damals offenbar sehr nervös. In früheren Jahren wurde über die Vermarktungsfirma ISL bestochen. Nach deren Konkurs dachte Blatter, selber tätig werden zu müssen. Er war weiterhin auf Warners Stimmenpaket angewiesen. Damit konnte er sich an der Macht halten. Diese Unterschrift ist konkret, die bisherigen Verdächtigungen waren es nicht.

Haben Sie erwartet, dass derart belastendes Material auftaucht?

Büchel: Nein, offen gesagt nicht. Ich habe immer gesagt: So blöd ist Blatter nicht. Das Ganze ist für mich nicht logisch, und ich kann es mir nur mit dem Druck erklären, den Stimmenbeschaffer Warner damals ausgeübt haben muss.

Gegen Blatter wird nun ermittelt, sein Büro wurde gestern durchsucht, er selbst befragt. Kann Blatter so noch Fifa-Präsident bleiben bis Ende Februar 2016, wie es eigentlich geplant war?

Büchel: Nein, so lange wird er sich kaum mehr halten können, obwohl die Unschuldsvermutung selbstverständlich auch für ihn gilt. Aber er wird nicht so lange bleiben. Aus seinem früheren Verbündeten Valcke ist ein Feind geworden. Noch einer.

Was könnte da noch kommen?

Büchel: Valcke weiss alles, er kennt jede Unterschrift und jede Zahlung.

Heisst das konkret, dass Sie mit weiteren Enthüllungen im Stile des Rechte­deals mit Warner rechnen?

Büchel: Nein, einen zweiten Warner gibt es nicht in der Fifa-Welt. Aber es gibt jetzt viele Rechnungen zu begleichen. Die Sache kommt ins Rollen, und die Beteiligten werden sich nicht schonen.

Uefa-Präsident Michel Platini hat von Blatter 2 Millionen Franken bekommen. Gerät nun auch Platini in den Strudel?

Büchel: Blatter ist derzeit nicht etwa noch im Amt, weil er die Fifa reformieren will. Er will jetzt alte Feinde beschädigen. Da gehört Platini dazu.

zur Person

* Nationalrat Roland Büchel (SVP, St. Gallen) ist Sportmanager und war unter anderem bis 2002 für das Fifa-Marketing tätig.

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