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FILM: Bund plant eigene Altersgrenzen

Bei den Altersempfehlungen für Filme herrscht in der Schweiz ein Chaos. Der Bundesrat bereitet einen breit gefassten Eingriff vor. Die Branche wehrt sich.
Fabian Fellmann
Der treuherzig dreinblickende Terrier Max (Bild Mitte) ist der Star des Zeichentrickfilms «Pets», welcher derzeit die Schweizer Kinocharts anführt. (Bild: Keystone)

Der treuherzig dreinblickende Terrier Max (Bild Mitte) ist der Star des Zeichentrickfilms «Pets», welcher derzeit die Schweizer Kinocharts anführt. (Bild: Keystone)

Fabian Fellmann

Der treuherzige Terrier Max ist der Liebling seiner Herrin Katie, doch dann bringt sie die Strassenmischung Duke nach Hause. So einfach ist die Bühne bereitet für den Zeichentrickfilm «Pets», welcher derzeit die Schweizer Kinocharts anführt. Auf grösste Schwierigkeiten stösst jedoch, wer mit Kindern Max’ Abenteuer auf der Leinwand verfolgen möchte. In Luzern und St. Gallen ist der Film für 4-Jährige zugelassen, in Zürich hingegen haben Kinder erst ab 6 Jahren Zutritt, und in Bern gilt je nach Kino gar keine Alterslimite, jedoch die Empfehlung «ab 6 Jahren».

Das Problem kennt Marc Flückiger bestens. «Die gesetzlichen Regeln zu den Altersfreigaben in der Schweiz sind heute kantonal sehr unterschiedlich, was dazu führt, dass niemand so recht weiss, was nun wo gilt», sagt der Präsident der Schweizerischen Kommission Jugendschutz im Film. Seine Gruppe ist zuständig für die Altersfreigabe von Kinofilmen und Videos, wobei es sich auf die Empfehlungen des deutschen Branchengremiums FSK stützt. Allerdings haben sich nicht alle Kantone der Vereinbarung dazu angeschlossen, es kennen nicht einmal alle gesetzliche Vorschriften, und die Anwendung ist nicht einheitlich. «Es braucht eine Gesetzgebung aus einer Hand, welche die Altersfreigaben für Filme auf allen Medienträgern regelt», sagt Flückiger.

Auch Netflix einbinden

Nun bereitet der Bundesrat nationale Vorschriften für die Altersfreigabe vor. Schon 2015 hatte er im Bericht «Jugend und Medien» Handlungsbedarf festgestellt. Bis in diesem Sommer sollte das zuständige Bundesamt für Sozialversicherungen Vorschläge vorlegen. Nun verzögert sich das Geschäft um einige Monate, wie in Bern zu vernehmen ist: Bis Ende Jahr soll der Bundesrat erst mal eine Aussprache zum Thema führen, im nächsten Jahr könnte er eine Gesetzesvorlage in die Vernehmlassung schicken.

Dafür prüft der Bund derzeit nicht nur Vorschriften zu den Altersfreigaben für Kinofilme und DVD, sondern auch für das zunehmend beliebte Video-on-Demand, wie es die Branchenführer Swisscom und Cablecom sowie Konkurrenten wie Netflix anbieten. Vorbild könnten die Regelungen der EU und ihrer Mitgliedsländer sein. In Deutschland etwa muss ein Pin-Code eingerichtet werden, um Filme abzuspielen, die nur für Erwachsene zugelassen sind.

Die Schweizer Branche wehrt sich gegen weitere Vorschriften. «Grundsätzlich erachten wir eine Regulierung im Film- und Videobereich nicht als zielführend», sagt Swisscom-Sprecherin Seraina Hubacher. «Die Kanäle Detailhandel, Kino und Telekommunikation haben sich bereits mit wirksamen Massnahmen selbst reguliert.» Im Mai hat der Branchenverband Asut eine neue Jugendschutzvereinbarung vorgestellt. Die Unterzeichner, alle Grossen der Branche, verpflichten sich dazu, eine Jugendschutzfunktion einzuführen, viele bieten diese bereits an. «Damit können Filme mit Altersbeschränkungen gesperrt werden», sagt Asut-Geschäftsführer Christian Grasser. «Gegenwärtig läuft die Umsetzung der Brancheninitiative, und die Einführung dieser Funktion soll Ende Jahr abgeschlossen sein.» Weitere gesetzliche Vorschriften hätten keinen Nutzen, argumentieren Branchenvertreter. «Ein Gesetz würde zu kurz greifen, da ausländische Anbieter nicht davon betroffen sind», sagt Grasser. Anbieter aus den USA etwa würden nicht deutsche FSK-Empfehlungen anzeigen, sondern jene der amerikanischen MPAA.

Probleme mit Internetplattformen

Schwierigkeiten würde zudem die zunehmende Verschmelzung von Video-on-Demand-Diensten und Videoplattformen wie Youtube bieten. Die EU-Kommission hat im Mai angekündigt, sie werde ihre Richtlinie zu audiovisuellen Inhalten bis Ende Jahr überarbeiten. Dabei wälzt sie Pläne, auch Videoportale im Internet zu mehr Jugendschutz zu zwingen. Das dürfte sich als schwieriges Unterfangen erweisen. Während etablierte Plattformen wie Youtube, die zum Google-Konzern Alphabet Inc. gehört, den Jugendschutz aus Reputationsgründen einhalten könnten, dürften sich viele andere Anbieter um solche Vorgaben foutieren. Der Bund will dieses Problem entschärfen, indem er die Internetanbieter per Fernmeldegesetz dazu zwingt, ihren Kunden wirksame Filterfunktionen anzubieten.

Marc Flückiger plädiert dafür, dass die Massnahmen verhältnismässig bleiben. Gewisse Hürden seien aber sinnvoll. «Alle Studien zeigen deutlich, dass ein präventiver Effekt eintritt, wenn man die Zugangsschwellen erhöht», sagt er. «Wir können nie ganz verhindern, dass Kinder und Jugendliche für sie ungeeignete Filme sehen, aber immerhin bei der Mehrheit.»

Hinweis

www.filmrating.ch

Schutz bei Handys

Auch beim Mobilfunk will der Bund der Branche zusätzliche Verpflichtungen zum Jugendschutz auferlegen. Die grossen Mobilfunkanbieter haben sich freiwillig dazu bekannt, den Zugriff vom Mobiltelefon auf problematische Inhalte für unter 16-Jährige zu sperren. Darum müssen die Gesellschaften beim Abschluss eines Mobilfunkabonnements oder bei der Aktivierung einer Prepaid-Karte das Alter des Hauptnutzers erfassen. Der Bundesrat möchte sich nun mit einer Revision des Fernmeldegesetzes die grundsätzliche Kompetenz geben lassen, weitere Vorschriften zu erlassen. Der Branchenverband Asut lehnt die Vorlage ab. Ob der Bundesrat daran festhält, dürfte er im Herbst entscheiden.

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