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FLEXIBILITÄT: Arbeitsgesetz soll moderner werden

Das Arbeitsrecht sei veraltet und starr, finden bürgerliche Politiker. Die grossen Gewerkschaften widersprechen. Doch manche Angestelltenverbände verlangen ebenfalls Änderungen.
Im April lag die Arbeitslosigkeit in der Schweiz bei 3,3 Prozent. Damit reduzierte sich die Zahl der der Menschen ohne Arbeit im Vergleich zum März und im Vergleich zum April vor einem Jahr. (Archiv) (Bild: KEYSTONE/ALESSANDRO DELLA BELLA)

Im April lag die Arbeitslosigkeit in der Schweiz bei 3,3 Prozent. Damit reduzierte sich die Zahl der der Menschen ohne Arbeit im Vergleich zum März und im Vergleich zum April vor einem Jahr. (Archiv) (Bild: KEYSTONE/ALESSANDRO DELLA BELLA)

Gratisarbeit und mehr Stress: Das droht den Angestellten, wenn das Arbeitsrecht gelockert wird – sagen die Gewerkschaften. Sie bekämpfen zwei parlamentarische Initiativen von Ständerat Konrad Graber (CVP/LU) und Stände- rätin Karin Keller-Sutter (FDP/SG) mit scharfen Worten: «Diesen Grossangriff auf geregelte und bezahlte Arbeitszeiten werden die Gewerkschaften vereint abwehren», teilten der Schweizerische Gewerkschaftsbund und Travail.Suisse im Frühling mit.

Doch ganz einig sind sich die Gewerkschaften nicht. Manche Arbeitnehmerverbände lehnen zwar die beiden Vorstösse ab, zeigen sich aber offen für Änderungen: Der Kaufmännische Verband, Angestellte Schweiz und zwei weitere Organisationen sprechen sich in einem gemeinsamen Positionspapier für eine punktuelle Modernisierung des Arbeitsrechts aus.

Angestellte wollen flexibler arbeiten

Aus ihrer Sicht ist es notwendig, die Möglichkeit eines Jahresarbeitszeitmodells gesetzlich zu verankern. Es gehe darum, dass flexibler über das Jahr hinweg verteilt gearbeitet werden könne, heisst es im Papier. Dadurch könne man den heutigen Bedürfnissen der Arbeitswelt und den Lebens- und Familienbedürfnissen besser gerecht werden. Die vier Verbände treten am Montag vor die Medien, um ihre Forderungen im Detail zu präsentieren.

Der Kaufmännische Verband untermauerte seinen Ruf nach einer Flexibilisierung bereits mit einer gestern veröffentlichten Mitgliederbefragung: Gemäss dieser sind kaufmännisch-betriebswirtschaftliche Angestellte umso zufriedener, je flexibler sie ihre Arbeit gestalten können. Und: Jeder zweite der knapp 1300 Befragten, der etwas an seinem Arbeitszeitmodell ändern würde, wünscht sich demnach mehr zeitliche Flexibilität.

Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) wehrt sich jedoch gegen eine Änderung des Arbeitsrechts. Zentralsekretär Luca Cirigliano verweist darauf, dass erst auf Anfang 2016 die Pflicht zur Arbeitszeiterfassung gelockert wurde. «Diese Reform sollte man zuerst evaluieren, bevor neue Änderungen diskutiert werden», sagt er. Zudem habe die Schweiz ein sehr flexibles Arbeitsgesetz. «Der Arbeitnehmerschutz ist schon heute sehr dünn», sagt Cirigliano. «Wenn dieser noch weiter aufgeweicht wird, geht das auf Kosten der Gesundheit der Arbeitnehmenden: Es drohen Überarbeitung, Stress und Burn-out.» Pikantes Detail dabei: Sowohl der SGB wie auch der Kaufmännische Verband werden von SP-Ständeräten präsidiert – Paul Rechsteiner (SG) und Daniel Jositsch (ZH).

Mehrheit für Arbeitszeiterfassung

Der SGB hat diese Woche zusammen mit Unia, Travail.Suisse und weiteren Gewerkschaften die Mitglieder der ständerätlichen Wirtschaftskommission in einem Brief gebeten, die Arbeiten an den Parlamentarischen Initiativen von Keller-Sutter und Graber einzustellen. Dass diese Aufforderung erhört wird, ist jedoch unwahrscheinlich. Die Kommission hat bereits grünes Licht erhalten, um die Gesetzesvorlagen auszuarbeiten. Über diese wird anschliessend das Parlament befinden – und später allenfalls noch das Volk. Dort dürfte es die Vorlage indes nicht leicht haben: Die Umfrage des Kaufmännischen Verbands zeigt unter anderem, dass bei den Angestellten eine weitere Lockerung der Arbeitszeiterfassung wenig populär ist. Die grosse Mehrheit der Befragten – fast 80 Prozent – erfasst ihre Arbeitszeit und will dies auch weiterhin tun.

Maja Briner

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