Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

FLÜCHTLINGE: Viel mehr Türken wollen Asyl

In der Schweiz haben dieses Jahr deutlich mehr Türken um Asyl ersucht. Ihre Zahl stieg im Vergleich zum Vorjahr um zwei Drittel – entgegen dem allgemeinen rückläufigen Trend.
Maja Briner
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bei einer Kundgebung in Istanbul. (Bild: EPA (8. April 2017))

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bei einer Kundgebung in Istanbul. (Bild: EPA (8. April 2017))

Maja Briner

Noch dauert das Jahr einige Tage, doch klar ist bereits jetzt: 2017 haben in der Schweiz deutlich weniger Menschen Asyl beantragt als in den Vorjahren. Gegenüber dem Rekordjahr 2015 hat sich die Zahl halbiert. Doch dieser Rückgang zeigt sich nicht überall: Entgegen dem Trend ist die Zahl der Asylgesuche aus der Türkei deutlich angestiegen. Gemäss der aktuellen Statistik des Bundes beantragten von Januar bis November 793 Türken und Türkinnen Asyl – so viele wie seit 2004 nicht mehr. Im vergangenen Jahr waren es im selben Zeitraum lediglich 476 gewesen.

In der Liste der Herkunfts­länder von Asylsuchenden ist die Türkei durch diesen Anstieg weit nach vorne gerutscht. Bereits an vierter Stelle befindet sich das Land nun – wenn auch mit grossem Abstand auf Eritrea, Syrien und Afghanistan. Im Vorjahr gehörte die Türkei noch nicht einmal zu den zehn wichtigsten Herkunftsländern.

Flucht vor Erdogans harter Hand

Die Zunahme der Asylanträge ist eine Folge des harten Durch­greifens des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. «Die vom Regime Erdogan inszenierten Massenverhaftungen und Schauprozesse lassen immer mehr Menschen flüchten», erklärt Stefan Frey von der Schweizerischen Flüchtlingshilfe. Das Staatssekretariat für Migration (SEM) äussert sich nur vorsichtig, sieht aber den gleichen Grund für den Anstieg: Zwischen der politischen Lage und der Zahl der Asyl­gesuche aus der Türkei «dürfte eine Korrelation bestehen», erklärt Sprecherin Emmanuelle ­Jaquet von Sury.

Seit dem Putschversuch vor anderthalb Jahren geht die tür­kische Regierung hart gegen ­mutmassliche Putschisten und Kritiker vor. Ins Visier geraten auch die Kurden. So wurde etwa der prominente Politiker Selahattin ­Demirtas verhaftet. Wie hoch der Anteil der Kurden an den Asyl­suchenden in der Schweiz ist, weiss das SEM nicht: Die ethnische Zugehörigkeit wird nicht statistisch erfasst. Bekannt ist hingegen, dass die Türken, die in der Schweiz Schutz suchen, zumeist jung sind: Nur knapp 30 Prozent sind älter als 34; ein Viertel sind Kinder unter 13 Jahren.

Die Chancen auf Asyl sind für sie vergleichsweise gut: Im Schnitt erhielten im laufenden Jahr drei von zehn türkischen Gesuchstellern Asyl. Die Anerkennungsquote liegt damit leicht über dem Durchschnitt. Hingegen werden nur wenige Türken vorläufig aufgenommen. Besonders heikel sind Asylanträge von türkischen Diplomaten. Für Schlagzeilen sorgte Volkan Karagöz, der als Türkei-Botschafter ad interim in der Schweiz gearbeitet und ­danach ein Asylgesuch gestellt hatte, wie der «Tages-Anzeiger» publik machte. Wie viele Diplomaten um Asyl ersuchten und ob die Anträge gutgeheissen wurden, gibt der Bund nicht bekannt. «Das SEM macht aus Gründen des Datenschutzes keine Angaben zu Einzelfällen», erklärt Jaquet von Sury.

Rückgang der Asylgesuche wegen Abschottungspolitik

Insgesamt hat das SEM von Ja­nuar bis November 16 887 Asylgesuche registriert. Für das ganze 2017 rechnet die Behörde mit rund 18 500 Gesuchen – so wenige wie seit 2010 nicht mehr. Insbesondere die Zahl der Afghanen, die in der Schweiz ansuchten, hat deutlich abgenommen. Auch ­Eritreer stellten weniger Gesuche als im Vorjahr.

Dass weniger Flüchtlinge hierzulande Asyl beantragen, heisst allerdings nicht, dass sich die Lage in den Herkunftsländern verbessert hat. Gerade in Afghanistan ist das Gegenteil der Fall: Dort habe sich «die Situation für viele Menschen in fast allen Regionen des Landes stark verschlechtert», sagt Stefan Frey, Sprecher der Flüchtlingshilfe.

Der Rückgang der Asylgesuche hat laut Frey eine Reihe von Gründen. Europa habe sich weiter abgeschottet, sagt er. Durch die Deals mit der Türkei und ­Libyen gelangen weniger Migranten nach Europa. Die Fluchtwege seien aber auch anderswo schwieriger zu passieren als zuvor, sagt er. So seien beispielsweise viele Eritreer in Ägypten und Sudan gestrandet.

Flüchtlingsstatistik. (Bild: Grafik: Luzerner Zeitung)

Flüchtlingsstatistik. (Bild: Grafik: Luzerner Zeitung)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.