Flughafen Zürich interessiert an selbstfahrenden Roboterrollstühlen

Für Menschen mit Behinderung kommen im Ausland selbstfahrende Rollstühle zum Einsatz. Auch der Flughafen Zürich zeigt an der neuen Technologie Interesse.

Benjamin Weinmann
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Selbstfahrende Rollstühle im Haneda-Airport in Tokyo bringen Passagiere zum Gate. (Bild: Panasonic)

Selbstfahrende Rollstühle im Haneda-Airport in Tokyo bringen Passagiere zum Gate. (Bild: Panasonic)

Der Weg vor der Flugreise ist lang. Vor allem für Menschen, die schlecht zu Fuss sind oder eine Gehbehinderung haben. Deshalb sind die Flughäfen dieser Welt verpflichtet, Personen mit eingeschränkter Mobilität gratis einen Rollstuhlservice bereitzustellen. Heute funktioniert der Service mithilfe von Flughafenangestellten, welche die Menschen im Rollstuhl vom Check-in bis zum Gate oder bis zum Sitz an Bord bringen.

Die arabische Airline Etihad Airways und deren Heimflughafen Abu Dhabi wollen dieses System revolutionieren. Vor einigen Tagen gaben sie bekannt, einen autonom fahrenden Rollstuhl zu testen. Damit sollen sich Passagiere mit Mobilitätseinschränkungen selbstständig am Flughafen fortbewegen können, ohne Hilfe vom Personal in Anspruch nehmen zu müssen. Auch am Flughafen in Japans Hauptstadt Tokio werden die intelligenten Rollstühle mit GPS-Technologie getestet.

Der Pilotversuch in Abu Dhabi dauert bis Ende Jahr. Für das neue Konzept wird der Flughafen genau abgebildet. Zudem erkennen Sensoren Hindernisse, sodass der Rollstuhl automatisch hält, wenn etwas im Weg sein sollte. In Zukunft sollen ausserdem auch Gate- und Boarding-Informationen darauf ersichtlich sein.

Erst noch in Abu Dhabi, bald auch in der Schweiz? Der Flughafen Zürich ist der neuen Technologie nicht abgeneigt. Zwar bestünden dazu keine konkreten Pläne. Aber: «Wir werden diese technologische Neuerung sicher mit Interesse beobachten. Solche autonomen Rollstühle könnten dereinst durchaus als sinnvolle Ergänzung dienen.» Ziel sei es, allen Passagieren ein möglichst angenehmes und effizientes Reisen zu ermöglichen. Deshalb stehe man mit anderen Flughafenbetreibern in regelmässigem Austausch, was technische Entwicklungen anbelange. Beim Basler Euroairport heisst es auf Anfrage dieser Zeitung, dass die jetzige Infrastruktur für solche Rollstühle nicht geeignet sei. Aber grundsätzlich seien sie eine gute Idee für die Zukunft.

Immer mehr Passagiere nehmen Hilfe in Anspruch

Bei Schweizer Behindertenverbänden steht man der Innovation offen gegenüber. Man begrüsse technische Entwicklungen, die der autonomen Mobilität helfen, solange diese eine Verbesserung zur heutigen Situation bedeuten und gleichzeitig die Sicherheit gewährleistet ist, sagt ein Sprecher von Inclusion Handicap. Bei Proinfirmis heisst es, man erachte solche neuen Hilfsmittel für Menschen mit einer Behinderung als positiv, wenn diese zu mehr Lebensqualität beitragen und für alle zugänglich sind.

Fakt ist, dass die Zahl der Flugpassagiere, die Hilfe bis zum Gate benötigen, stark angestiegen ist. Im Jahr 2010 zählte der Flughafen Zürich rund 120 000 Personen, die Hilfe in Anspruch nahmen. Zuletzt waren es fast doppelt so viele («CH Media» berichtete). Dies ist prozentual gesehen ein deutlich stärkerer Anstieg im Vergleich zum totalen Passagierwachstum. Die Rollstuhlflotte wurde um 50 Stück erweitert. Zum Service gehört auch die Betreuung von Menschen mit eingeschränktem Seh- und Hörvermögen oder mit einer geistigen Behinderung.

Laut dem Flughafen Zürich steigt die Zahl der Passagiere mit reduzierter Mobilität nicht nur in der Schweiz, sondern europaweit, was unter anderem damit zu erklären ist, dass Menschen vermehrt bis ins hohe Alter reisen. Finanziert werden die Mobilitätsdienstleistungen solidarisch über die Passagiergebühren, die im Ticketpreis indirekt enthalten sind. Pro abfliegendem Passagier wird in Zürich ein Franken erhoben.

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