FLUGSHOW: Russische Kampfjets am Schweizer Himmel

An der Jubiläums-Flugshow «Air 14» in Payerne fliegt die Kampfjet-Staffel «Russian Knights» mit. Mit Blick auf den Ukraine-Konflikt sei das total deplatziert, kritisieren Aussenpolitiker.

Eva Novak
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Sie setzen für ihre Demonstrationen nicht Trainingsflieger oder veraltete Jets ein: Die «russischen Himmelsreiter» bei ihrem Auftritt am Tag des Sieges im vergangenen Mai in Moskau. (Bild: AP/Denis Tyrin)

Sie setzen für ihre Demonstrationen nicht Trainingsflieger oder veraltete Jets ein: Die «russischen Himmelsreiter» bei ihrem Auftritt am Tag des Sieges im vergangenen Mai in Moskau. (Bild: AP/Denis Tyrin)

100 Jahre Luftwaffe, 50 Jahre Patrouille Suisse, 25 Jahre PC-7-Team: Das Dreifach-Jubiläum wird mit der grössten Flugschau in der Geschichte unseres Landes gefeiert. Die berühmtesten Kunstflugstaffeln Europas werden ab Ende August über Payerne donnern, von den italienischen «Frecce Tricolori» über die britischen «Red Arrows» bis zur «Patrouille de France». Bis zu 100 000 Besucher pro Tag können Flugzeuglegenden wie den US-Bomber B-17 oder die deutsche Messerschmitt Me262 aus dem zweiten Weltkrieg bestaunen. Und eine weitere Attraktion, die diese Woche hinzugekommen ist – und nicht nur für Freude sorgt.

Die «russischen Himmelsreiter»

Die «Russian Knights» hätten ihre Teilnahme bestätigt, vermelden die Veranstalter auf der Internetseite www.air14.ch. Die «russischen Ritter», wie die Kunstflugstaffel aus dem Osten wörtlich übersetzt heisst, werden als «russische Himmelsreiter» angepriesen, die am Wochenende vom 30. und 31. August für «eine echte Sensation und eine Schweizer Premiere» sorgen würden. Der von der Formation verwendete Jet, die noch in der Sowjetunion entwickelte Suchoi Su-27, wird als ultra-wendiges Jagdflugzeug der vierten Generation beschrieben, welches in der Lage sei, «alle Hauptaufgaben des Luftkriegs zu erfüllen». Die an Flugshows gezeigten Manöver seien «atemberaubend, gar unbegreiflich», heisst es auf der Webseite des Bundes schwärmerisch.

Die Darbietungen des russischen Teams seien in der Tat nicht mit jenen der Italiener, Franzosen oder Engländer zu vergleichen, bestätigt Max Ungricht, bis vor kurzem Chefredaktor der Fachzeitschrift «Cockpit». Denn anders als die meisten westlichen Kunstflugstaffeln fliegen die Russen nicht mit Trainingsflugzeugen, und auch nicht mit veralteten Tiger-F-5-Kampfjets wie die Patrouille Suisse. «Die «Russian Knights» fliegen auf einer Kampfmaschine, was viel spektakulärer ist», sagt der Aviatik-Experte. Im Zentrum ihrer Darbietungen stehe nicht die Präzision. Sondern Kraft und Leistung, was ein ganz anderes Flugbild ergebe.

Sommaruga: «Das ist deplatziert»

Das sehen und hören zu dürfen, erwärmt das Herz von Aviatik-Fans: Man haben durchwegs positive Reaktionen erhalten, berichtet Laurent Savary, der Kommunikationschef der «Air 14». Deutlich geringer ist der Enthusiasmus bei den Politikern, die von der «Zentralschweiz am Sonntag» vom geplanten Besuch aus dem Osten erfahren haben. «Das Symbol der russischen Macht in die Schweiz zu holen, ist total deplatziert», kritisiert der Genfer Sozialdemokrat Carlo Sommaruga, Präsident der Aussenpolitischen Kommission des Nationalrats. Für ihn steht fest: Solange unser Land die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) präsidiert und im Ukraine-Konflikt vermittelt, hat es sich strikt neutral zu verhalten.

Freiwilliger Verzicht gefrodert

«Es ist nicht richtig, dass man eine Konfliktpartei zu einer Flugschau einlädt und ihr damit zu einer Gratisplattform verhilft, um ihre Mittel zu demonstrieren», sekundiert Roland Fischer. Der Luzerner Grünliberale erinnert an die Besetzung von ukrainischem Territorium durch Russland: «Da hätte man mehr Sensibilitäten zeigen müssen.» Man sollte nun versuchen, die Gäste auf diplomatischem Weg zu einem freiwilligen Verzicht zu bewegen, schlägt der St. Galler Freisinnige Walter Müller vor.

Nur den Kopf schütteln kann derweil Ida Glanzmann. Die Luzerner CVP-Nationalrätin ist soeben von einer parlamentarischen OSZE-Versammlung in Aserbaidschan zurückgekehrt, in deren Zentrum die Ukraine-Krise stand. Die Schweizer Delegation habe sich nach Kräften bemüht, für keine Seite Partei zu ergreifen. Am Ende habe die Versammlung die russische Luftwaffe per Resolution aufgefordert, den Luftraum anderer Länder nicht mehr zu verletzen, so Glanzmann. «Und da kommt die Schweiz und lädt sie zu sich ein? Das ist völlig daneben!»

Ausladen ist kein Thema

Die Einladung ist allerdings – wie in solchen Fällen üblich – bereits vor Jahresfrist erfolgt, wie Savary erläutert. Da gab es noch keinen Ukraine-Konflikt. Man habe die Luftwaffen von fast allen europäischen Ländern zur Teilnahme aufgerufen, darunter auch jene der Ukraine. Nur hätten die «Ukrainischen Falken», wie die betreffende Formation heisst, nicht zugesagt. Russland jetzt wieder auszuladen, ist offenbar kein Thema. Savary formuliert es so: «Die Schweiz ist ein neutrales Land. Eine selektive Zurückweisung hätte keine gute Botschaft ausgesandt.»

Bund sieht kein Konfliktpotenzial

Jene Nato-Staaten, welche die fünf russischen Kampfjets auf ihrem Weg ins Waadtland überfliegen müssen, musste die Schweiz nicht kontaktieren. Nach Savary haben dies die Russen selbst besorgt. Schliesslich brauche ein Flugzeug für den Überflug jedes Landes eine spezielle Bewilligung, eine sogenannte «Diplomatic Clearance». Also seien die betreffenden Staaten im Bild.

Das gilt auch für das schweizerische Aussenministerium: Das EDA sei über die Teilnahme der russischen Luftwaffe an der Flugshow informiert gewesen, erklärt Sprecherin Carole Wälti. Sie spielt mögliche Interessenskonflikte herunter: «Es handelt sich um eine Flugshow – ein direkter Zusammenhang zwischen dem Schweizer OSZE-Vorsitz und dem Anlass in Payerne besteht nicht.»