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FÖRDERUNG: Eine Milliarde mehr für Sport

Der Bundesrat hat sein Sportförderungs konzept präsentiert. Für ein nationales Schneesportzentrum fällt die Wahl auf Lenzerheide – Andermatt und Engelberg haben das Nachsehen.
Denise Lachat
So soll das nationale Schneesportzentrum in Andermatt aussehen (Bild: PD)

So soll das nationale Schneesportzentrum in Andermatt aussehen (Bild: PD)

Denise Lachat

Der Bund soll in den nächsten 15 Jahren fast 1 Milliarde Franken mehr in die Sportförderung stecken: Das sieht das gestern in die Vernehmlassung geschickte Konzept für den Breiten- und den Leistungssport sowie für die nationalen Sportanlagen vor.

Der Ausbau der Sportförderung ist vom Parlament gewünscht. Er stand gestern allerdings etwas im Schatten der Schlagzeilen über korrupte Fifa-Funktionäre und Bestechungsgelder in Millionenhöhe. Sportminister Ueli Maurer wollte den Fifa-Skandal nicht kommentieren; er war gekommen, um über die «angenehmen Seiten des Sports» zu sprechen und über den «Meilenstein» in der Förderung des Sports. Denn Sport, so Maurer, leiste einen wichtigen Beitrag an die Volksgesundheit und an die Integration von Jugendlichen. Angesichts der riesigen Freiwilligenarbeit erreicht die Sportförderung laut Maurer zudem «mit kleinstem Aufwand die grösste Hebelwirkung».

400 Protestbriefe

Wie sehr die Bevölkerung diese Ansicht teilt, zeigte der Aufruhr über die partielle Senkung der Beiträge an Jugend+Sport. 400 Briefe habe er erhalten, berichtete Maurer. Und auch das Parlament wird in diesem Bereich kaum den Sparhebel ansetzen. So hat es die Subventionen für Jugend+Sport mit einem Nachtragskredit um gut 12 Millionen Franken für das laufende Jahr aufgestockt. Und auch für 2016 soll die Aufstockung gesichert sein; so verlangen es zwei gleich lautende Motionen von CVP-Nationalrat Christian Lohr (Thurgau) und SVP-Ständerat Peter Föhn (Schwyz).

Geht es nach dem Bundesrat, so fliessen künftig jährlich zusätzlich 32 Millionen Franken in den Ausbau der Sportangebote vor allem für Kinder und Jugendliche. Es sollen auch mehr Sportkoordinatoren ausgebildet werden. Ein spezielles Augenmerk richtet der Bundesrat auf die Sportförderung von jugendlichen Migranten.

Im Bereich des Leistungssports soll die Konkurrenzfähigkeit der Schweiz ab 2018 mit zusätzlich 4 Millionen und ab 2028 mit zusätzlich 22 Millionen Franken gesteigert werden. Der Schweiz fehlten attraktive Angebote für ihre 1500 Spitzensportler, sagte Maurer; unser Land verliere an Terrain. Darum sollen mehr Mittel in die Förderung von Sportschulen und professionellen Trainerstrukturen fliessen.

Wallis will Obwalden als Partner

Weiter will der Bundesrat die beiden veralteten nationalen Sportzentren Magglingen und Tenero renovieren und ausbauen. Bis ins Jahr 2027 sind Investitionen im Umfang von 325 Millionen Franken geplant. Und für die Realisierung eines nationalen Schneesportzentrums kommt für den Bund einzig noch die Bündner Gemeinde Lenzerheide in Frage. Das bringt die Walliser auf die Palme, die mit Fiesch «das günstigste Projekt hatten», wie Regierungsrat Oskar Freysinger (SVP) sagt. Einmal mehr werde der Kanton vom Bund übergangen, zudem schliesse diese Wahl die gesamte Westschweiz aus. Freysinger fordert eine dezentrale Lösung mit drei Standorten, die neben Lenzerheide auch Fiesch und Engelberg umfasst.

«Noch ist nichts verloren»

Der Bundesrat schlägt als Standort für ein nationales Schneesportzentrum das bündnerische Lenzerheide vor. Er entschied damit gegen die Kandidaten Andermatt und Engelberg. In den betroffenen Regionen lässt man sich allerdings nicht entmutigen. «Mit dem Vorentscheid wird Andermatt nicht in Frage gestellt», sagte gestern der Urner Bildungs­direktor Beat Jörg. «Die Chancen von Andermatt sind bekannt. Lediglich im Evaluationsbericht hat Lenzerheide mit nur wenigen Punkten besser abgeschnitten.» Es sei ein Trugschluss, dass der zweitplatzierte Standort Andermatt mit der Empfehlung des Bundes nun aus dem Rennen sei.

Jörg hofft nun auf die Vernehmlassung. «Jetzt sind die Stellungnahmen der Kantone massgebend. Für uns heisst das, dass wir gesamtschweizerisch Allianzen schmieden müssen.» Gerade in der Zentralschweiz müsse man sich finden. «Die Kantone werden auf andere Kriterien Wert legen als der Bund», so Jörg. Nach wie vor sei Andermatt in puncto Erreichbarkeit besser gestellt. Ausserdem könne das Projekt innerhalb von kurzer Zeit hochgefahren werden, wobei in Lenzerheide noch keine Infrastruktur vorhanden ist. Seitens der Bildungs- und Kulturdirektion Uri wolle man jetzt das Lobbying hochfahren.

Andermatts Gemeindepräsident Roger Nager zeigt sich keineswegs enttäuscht über die Empfehlung des Bundesrates. «Wir nehmen das zur Kenntnis. Noch ist aber nichts verloren. Wir glauben weiterhin an unsere Chance», sagt er.

Lobbying im Parlament

Auch für den Obwaldner CSP-Nationalrat Karl Vogler ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. «Ich werde mich im Rahmen der parlamentarischen Beratung dafür einsetzen, dass Engelberg im Rennen bleibt», sagt Vogler. In der Evaluation des Baspo hat Engelberg von fünf verbliebenen Standorten am drittbesten abgeschnitten.

Autoren der Box: Sven Aregger, Florian Arnold und Kari Kälin

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