Förderung rechtswidriger Einreise: Gericht verurteilt Flüchtlingshelferin Anni Lanz

Das Bezirksgericht Brig hat Anni Lanz zu einer Busse verurteilt. Die Menschenrechtsaktivistin hatte einen weggewiesenen afghanischen Asylbewerber von Italien in die Schweiz zurückgeholt.

Kari Kälin
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Anni Lanz, Menschenrechtsaktivistin beim Bezirksgericht in Brig. (Bild: Keystone/Dominic Steinmann, 6. Dezember 2018)

Anni Lanz, Menschenrechtsaktivistin beim Bezirksgericht in Brig. (Bild: Keystone/Dominic Steinmann, 6. Dezember 2018)

Anni Lanz wollte im letzten Februar einen abgewiesenen afghanischen Asylbewerber von Italien zurück in die Schweiz bringen. Die Grenzwacht in Gondo erwischte die 72-jährige Menschenrechtsaktivistin. Wegen Erleichterung der illegalen Einreise in die Schweiz wurde die Baslerin darauf zu einer Geldstrafe von 1500 Franken bei einer Probezeit von zwei Jahren sowie einer Busse von 300 Franken verurteilt. Lanz legte Rekurs gegen das Verdikt ein. Am Donnerstag nun hat der Prozess vor dem Bezirksgericht Brig stattgefunden.

Das Gericht hat am Montag zwar die bedingte Geldstrafe aufgehoben. Es stufte Lanz' Vergehen als leicht ein. Dafür erhöhte das Gericht die Busse auf 800 Franken . Dazu muss Lanz Verfahrenskosten von 1400 Franken übernehmen. Cyrielle Huegenot hatte den Prozess vor Ort mitverfolgt. «Das Urteil des Walliser Gerichts ist ein Schlag ins Gesicht aller Aktivistinnen und Aktivisten, die sich für die Rechte von Menschen in Not einsetzen. Anni Lanz hat aus reinem Mitgefühl gehandelt», sagt die Kampagnenverantwortliche Flucht und Migration bei Amnesty Schweiz. Die Schweiz müsse Menschenhändler und Menschenschmuggler verfolgen, die Profit aus der Not der Menschen schlagen würden, nicht aber Bürger, die aus Menschlichkeit handelten. «Solidarität ist kein Verbrechen», so Huegenot.

Wie kam es zum Prozess gegen Anni Lanz? Die Schweiz hatte im letzten Februar einen jungen afghanischen Asylbewerber nach Italien abgeschoben. Das Zentrum für registrierte Asylsuchende in Mailand nahm den Mann, der bereits mehrere Suizidversuche hinter sich hat, nicht auf. Der Afghane schlief bei eisiger Temperatur im Freien in Domodossola.

Als die langjährige Menschenrechtsaktivistin Anni Lanz von diesem Schicksal erfuhr, stieg sie am 24. Februar kurzerhand in ihr Auto und fand den unterkühlten und mit Frostbeulen übersäten Mann. Lanz wollte ihn zurück in die Schweiz bringen, wurde aber von der Grenzwacht gestoppt. Wo sich der junge Afghane heute aufhält, ist nicht bekannt.