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FONDS: AKW-Stilllegung wird teurer

23,5 statt 21,8 Milliarden Franken: Unabhängige Experten rechnen für die Stilllegung der Schweizer AKW mit höheren Kosten als die Betreiber der Kraftwerke.
Am Reaktordruckbehälter des stillstehenden Blocks 1 des AKW Beznau sind "Vertiefungen" festgestellt werden. Sie sind laut der Betreiberin Axpo nicht sicherheitsrelevant. (Archivbild) (Bild: KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER)

Am Reaktordruckbehälter des stillstehenden Blocks 1 des AKW Beznau sind "Vertiefungen" festgestellt werden. Sie sind laut der Betreiberin Axpo nicht sicherheitsrelevant. (Archivbild) (Bild: KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER)

Die voraussichtlichen Kosten für die Stilllegung der Schweizer AKW werden alle fünf Jahre neu berechnet. Auf Basis der Kostenstudien werden die Beträge festgelegt, welche die Betreiber in den Stilllegungsfonds einzahlen müssen. Die Basis liefert der Branchenverband der Kernkraftwerksbetreiber Swissnuclear. Er bezifferte die Gesamtkosten 2016 auf 21,8 Milliarden Franken. Die Kostenstudie 2016 ist nun von unabhängigen Experten überprüft worden. Diese kamen zum Schluss, dass die Berechnung korrekt sei, in einzelnen Punkten aber angepasst werden müsse. Der Gesamtbetrag steigt dadurch auf 23,5 Milliarden, wie die Kommission für den Still­legungsfonds und den Entsorgungsfonds (Stenfo) mitteilte.

Stenfo-Präsident Raymond Cron erläuterte die Gründe für die Anpassungen. Die Experten empfehlen demnach weiterhin einen generellen Sicherheitszuschlag. Dieser berücksichtigt die Wahrscheinlichkeit von Kostenüberschreitungen und soll sicherstellen, dass bei der Ausserbetriebnahme der AKW die erforderlichen Mittel vorhanden sind. Der Zuschlag entspreche der internationalen «best practice» bei komplexen Infrastrukturprojekten und berücksichtige die Erfahrung bei der Stilllegung von AKW in anderen Ländern, sagte Cron. Die AKW-Betreiber wehren sich gegen den Zuschlag.

Der Branchenverband hatte in seiner Berechnung weder bei den Stilllegungs- noch bei den Entsorgungskosten einen solchen eingerechnet.

Grüne und braune Wiese

Anders beurteilten Swissnuclear und die unabhängigen Experten auch die Frage, ob bei der Still­legung sämtliche Bauten verschwinden müssen. Aus Sicht der Stenfo muss das Ziel von Gesetzes wegen die «grüne Wiese» sein. Beim Stilllegungsziel «braune Wiese» würden strahlenfreie Strukturen zurückbleiben. Swissnuclear war von diesem Szenario ausgegangen, als es seine Kostenstudie präsentierte. Die Berechnung der Stenfo berücksichtigt mögliche Einsparungen durch Bauten, die bestehen bleiben – beispielsweise Verwaltungsgebäude. Sie geht aber von einer ­geringeren Wahrscheinlichkeit solcher Einsparungen aus als Swissnuclear. Bei den Entsorgungskosten rechnet Stenfo mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit als Swissnuclear, dass ein Kombilager für schwach- und mittelradioaktive sowie hochradioaktive Abfälle gebaut wird. Dadurch könnten Kosten gespart werden. Die Anpassungen führen zu Stilllegungskosten von insgesamt 23,484 Milliarden Franken, 1,717 Milliarden mehr als gemäss der ungeprüften Kostenstudie. Pro Reaktor rechnet die Stenfo mit Rückbaukosten von 747 Millionen Franken. Im internationalen Vergleich läge die Schweiz damit im oberen Drittel.

Die geprüfte Kostenrechnung 2016 geht nun ans Umweltde­partement (Uvek), das in den kommenden Monaten über die Kostenhöhe entscheiden und die angepassten provisorischen Beiträge der Kraftwerksbetreiber für die kommenden Jahre festlegen wird. (sda)

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