FORSCHUNG: Nicht alle gewinnen

Am 5. Dezember wird das Teilassoziierungsabkommen zu Horizon 2020 mit der EU unterzeichnet. Während die ETH gewinnen, verlieren die KMU.

Jonas Schmid, Brüssel
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Die Studenten der ETH Lausanne demonstrierten im März gegen den Ausschluss der Schweiz aus Horizon 2020. (Bild: Keystone/Laurent Gilliéron)

Die Studenten der ETH Lausanne demonstrierten im März gegen den Ausschluss der Schweiz aus Horizon 2020. (Bild: Keystone/Laurent Gilliéron)

Läuft alles nach Plan, wird Bundesrat Johann Schneider-Ammann seine Unterschrift am 5. Dezember in Brüssel unter das Teilassoziierungsabkommen zu Horizon 2020 setzen. Das Abkommen erlaubt es Schweizer Forschenden, bis Ende 2016 wenigstens teilweise am EU-Forschungsprogramm Horizon 2020 mitzuwirken. Konkret konnte die Teilnahme bei der universitären Spitzenforschung gesichert werden, dem ersten Pfeiler von Horizon 2020.

Viel Geld für die ETH

Für Forschende besonders interessant sind die Ausschreibungen des Europäischen Forschungsrates. Dieser gilt in Forscherkreisen als «Champions League», denn er vergibt Förderbeiträge, sogenannte ERC-Grants, an die fähigsten und kreativsten Köpfe aus der Forschungsszene. Bei den ERC-Grants ist der ETH-Bereich äusserst erfolgreich: Letztes Jahr gewann die ETH Zürich europaweit am drittmeisten, die EPFL Lausanne am viertmeisten ERC-Grants. Einzig die Universitäten von Cambridge und Oxford waren noch erfolgreicher. Bewerben können sich Forschende seit Mitte September auch für die Technologieforschung «Zukünftig entstehende Technologien», bei der etwa das Human Brain Project der ETH Lausanne angesiedelt ist. Zugelassen wird die Schweiz etwa auch zum Programmteil «Verbreitung der Exzellenz und Ausweitung der Beteiligung». Dieser fördert Massnahmen zur Überwindung der Kluft zwischen Ländern mit hoher und niedriger Innovation.

Gewinner der Übereinkunft sind die Hochschulen, allen voran die beiden ETH. Die KMU sind hingegen die Leidtragenden – sie gehen leer aus. «Die KMU-Instrumente von Horizon 2020 sind auf die Bedürfnisse von KMU zugeschnitten», sagt Christoph Meier von der Innovationsplattform Platinn aus Freiburg. «Gerade für innovative junge und kleinere Unternehmen, die den steinigen Weg in Richtung Industrialisierung und Markteinführung begehen, liegen diese Angebote goldrichtig.» Mit wenigen Ausnahmen würden solche Instrumente auf nationaler Ebene fehlen. Meier fordert deshalb vom Bund künftig einen optimalen Zugang zu den Förderinstrumenten von Horizon 2020.

Zwei Hindernisse gibt es noch

Ab 2017 soll die Schweiz bei Horizon 2020 wieder den Status eines assoziierten Mitglieds erhalten – so das erklärte Ziel des Bundes. Doch bis dahin gilt es, zwei Hindernisse aus dem Weg zu räumen: Es braucht eine Einigung mit der EU über die Personenfreizügigkeit. Diese muss auf Kroatien erweitert werden. Ob eine Einigung rechtzeitig gelingen wird, bleibt unklar. Diese Unsicherheit hängt derzeit wie ein Damoklesschwert über dem Forschungs- und Innovationsplatz Schweiz. «Für den ETH-Rat ist die volle Assoziierung eine wichtige Voraussetzung dafür, dass die Schweiz im internationalen Konkurrenzkampf weiterhin Spitzenforschende gewinnen und halten kann», sagt der Sprecher des ETH-Rats, Alex Biscaro. «Wir brauchen so rasch wie möglich wieder langfristige Planungssicherheit.»

Bei Ecopop droht Totalschaden

Es ist kein Zufall, dass die Visite von Schneider-Ammann in Brüssel kurz nach der Abstimmung zu Ecopop stattfindet. Im Falle eines Ja am 30. November, rechnet Staatssekretär Mauro Dell’Ambrogio mit beträchtlichen Konsequenzen für den Forschungsstandort Schweiz. «Die Wahrscheinlichkeit, ab 2017 einen Modus vivendi mit der EU zu finden, würde minim», sagte Dell’Ambrogio gestern gegenüber unserer Zeitung. Ob in diesem Falle nur schon die Teilassoziierung zu Stande käme, ist mehr als fraglich, denn noch müssen die 28 EU-Staaten und das EU-Parlament den Deal absegnen.

Auch beim ETH-Rat zeigt man sich besorgt, dass die erzielten Fortschritte durch die Ecopop-Initiative wieder zunichtegemacht werden könnten. «Die Initiative gefährdet die Spitzenforschung und schwächt die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz», so Biscaro, Sprecher des ETH-Rates.