Frankreich hat ausgeküsst – und überlegt sich wegen des Corona-Virus gar, die Gemeindewahlen abzusagen

Die Kandidatinnen und Kandidaten im ganzen Land beweisen viel Kreativität, wenn es um neue Grussformen im Wahlkampf geht.

Stefan Brändle aus Paris
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Geht nicht mehr: Wahlkampf muss in Frankreich ab sofort ohne  Körperkontakt auskommen. (Bild: Keystone)

Geht nicht mehr: Wahlkampf muss in Frankreich ab sofort ohne  Körperkontakt auskommen. (Bild: Keystone)

Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo scheut den Körperkontakt eigentlich nicht; doch zehn Tage vor den französischen Gemeindewahlen hält sie Distanz. «Ich sage den Parisern, dass ich sie gerne küssen würde», erklärte Hidalgo. «Aber ich verzichte darauf, um mit gutem Beispiel voranzugehen.» Wegen des Corona-Virus hält die Regierung die Bevölkerung an, auf das Wangenküssen («faire la bise») zu verzichten.

"Ebola-Shake" statt Wangenkuss

Hidalgos Rivalin Agnès Buzyn empfiehlt den Gruss per Ellbogen («Ebola-Shake») oder per Fuss («footshake»). Kreativ wird man aber nicht nur in der Hauptstadt, sondern auch in der Provinz: In Nordfrankreich ersetzt der konservative Kandidat Xavier Bertrand die Wangenküsschen durch den buddhistischen Gruss mit zusammengelegten Handflächen. In der Hafenstadt Marseille, wo «la bise» auch unter Männern verbreitet ist, praktiziert der Kandidat Bruno Gilles den Gruss per Faust gegen Faust.

Doch trotz der Mühe: Es gibt Überlegungen, die Kommunalwahlen wegen des Virus ganz abzusagen. Bisher aber schreckt die Staatsführung vor dem Entscheid zurück. (brä)