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Franz Beckenbauer sei zu schwach, um in der Schweiz auszusagen – wirklich?

Die Bundesanwaltschaft ermittelt gegen ihn, aber der ehemalige Fussball-Weltmeister Franz Beckenbauer ist nicht einvernahmefähig – nicht zuletzt wegen Herzproblemen. Doch ein Kanonenschuss wirft Fragen auf.
Henry Habegger
Franz Beckenbauer im April 2019 bei seiner Ankunft in der ‹Hall Of Fame› des deutschen Fussballs in Dortmund. (Bild: EPA/FRIEDEMANN VOGEL)

Franz Beckenbauer im April 2019 bei seiner Ankunft in der ‹Hall Of Fame› des deutschen Fussballs in Dortmund. (Bild: EPA/FRIEDEMANN VOGEL)

Der Startschuss zum 32. Kaiser-Cup in Niederbayern erfolgte aus einer echten Kanone. Und den Kanonenschuss löste Franz Beckenbauer (73) am 13. Juli persönlich aus, wie einem auf Youtube eingestellten Video zu entnehmen ist.

Während Umstehende sich die Ohren zuhalten, scheint der ehemalige Fussball-Weltmeister ohne Gehörschutz am Werk, als er etwas abseits vom Publikum an der Kanone hantiert. Es knallt, und Kaiser Franz, der das Weite sucht, verschwindet im Pulverdampf.

Franz Beckenbauer (links) im Pulverdampf. (Bild: Youtube/Screenshot)

Franz Beckenbauer (links) im Pulverdampf. (Bild: Youtube/Screenshot)

Der Mann sieht recht robust aus. Aber geht es nach der Schweizer Bundesanwaltschaft und den Rechtsvertretern des Kaisers, dann ist es um die Gesundheit dieses Kanoniers sehr schlecht bestellt.

«Jegliche Aufregung untersagt»

Aus einem Schreiben der Bundesanwaltschaft vom 2. Juli, von dem diese Zeitung Kenntnis hat, geht hervor: Kaiser Franz sei laut Ärzten nicht mehr einvernahme- und verhandlungsfähig. Ihm sei «von ärztlicher Seite jegliche Aufregung untersagt.»

Ein Problem ist das Herz. Der Gesundheitszustand des Kaisers sowie neurologische und kardiologische Prognose hätten sich zuletzt massiv verschlechtert, wurde laut dem Schreiben noch am 12. Juni vermeldet. «Stress und Aufregung jeglicher Art» könnten den ehemaligen Weltklasse-Fussballer «vital gefährden».

Hier das Video mit Kaiser und Kanone:

Seit 2015 ermittelt die Bundesanwaltschaft gegen Beckenbauer und vier weitere Beschuldigte. Es geht um Verdacht auf Betrug, ungetreuen Geschäftsbesorgung, Geldwäscherei und Veruntreuung im Zusammenhang mit der Fussball-WM von 2006 in Deutschland. Der Fall dreht sich um 10 Millionen Franken, die unter ungeklärten Umständen die Besitzer wechselten. Möglicher Stimmenkauf steht im Raum. Beckenbauer ist zentrale Figur, weil die Zahlung, die nach Katar zu einem korrupten Fifa-Funktionär ging, zunächst über ihn lief. Es gilt die Unschuldsvermutung.

«Unnötige Verzögerung» verhindern

Doch wegen der gesundheitlichen Probleme des Kaisers will die Bundesanwaltschaft das Verfahren gegen ihn abtrennen, wie die «Neue Zürcher Zeitung» als erste berichtete. Damit soll eine «unnötige Verzögerung» der ganzen Sache verhindert werden.

«Im Lichte neuer Entwicklungen betreffend des Gesundheitszustand des Beschuldigten Franz Beckenbauer beabsichtigt die Bundesanwaltschaft, das Verfahren gegen Franz Beckenbauer abzutrennen», teilte die Bundesanwaltschaft am 2. Juli den Parteien mit. Sie hatten eine Woche Zeit, zur geplanten Verfahrensabtrennung Stellung zu nehmen.

Aber jetzt droht Verjährung

Pikant: Der Abtrennungs-Plan der Bundesanwaltschaft, sofern der denn Tatsache wird, könnte dazu führen, dass das Verfahren gegen Beckenbauer verjährt, wie die NZZ berichtete.

Gegen die vier anderen Beschuldigten, drei hohe Funktionäre des Deutschen Fussball-Bundes (DFB) sowie den ehemaligen Fifa-Generalsekretär Urs Linsi, will die Behörde dagegen demnächst Anklage erheben. Bis im nächsten April muss ein erstinstanzliches Urteil fallen, sonst verjähren auch diese Vorwürfe.

Jetzt fragen sich Beteiligte, ob Beckenbauer eine Vorzugsbehandlung zuteil wird. Man fragt sich auch, ob die jetzige Entwicklung einen Zusammenhang hat mit den ominösen Geheimtreffen zwischen Bundesanwalt Michael Lauber und Fifa-Boss Gianni Infantino.

Beckenbauers Anwalt schweigt

Diese Zeitung schickte Beckenbauers Schweizer Anwalt einen Link zum Kanonenschuss-Video. Eine Antwort auf die Frage, ob der Kaiser wirklich nicht vernehmungsfähig sei oder ob sich sein Gesundheitszustand mittlerweile verbessert habe, ging allerdings bis dato nicht ein.

Auch die Bundesanwaltschaft äussert sich nicht zum Video. «Grundsätzlich kommentiert die Bundesanwaltschaft keine Medienberichte», so ein Sprecher. Der Stand sei der, dass die Bundesanwaltschaft den Parteien ihre Absicht mitgeteilt habe, das Verfahren gegen Beckenbauer abzutrennen und separat weiterzuführen.

Nächstes Jahr will der Kaiser wieder golfen

Beckenbauer, der sich in den letzten Jahren Herzoperationen unterzog, gab in Bad Griesbach an, er habe einen Augeninfarkt erlitten. Dieses Jahr spiele er deshalb nicht aktiv mit am Golf-Turnier. Aber beim 33. Kaiser- Cup sei er dann ganz sicher wieder mit dabei, sagte Beckenbauer laut einem Bericht von «Niederbayern TV».

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