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FRAUENQUOTE: Professor gegen Pianistin

Gemischte Teams seien erfolgreicher, sagt Bundesrätin Simonetta Sommaruga. Wirtschaftsrechtsprofessor und SVP-Nationalrat Hans-Ueli Vogt widerspricht.
Der Zürcher SVP-Nationalrat Hans-Ueli Vogt. (Bild: Keystone / Dominic Steinmann)

Der Zürcher SVP-Nationalrat Hans-Ueli Vogt. (Bild: Keystone / Dominic Steinmann)

Kari Kälin

Die Sachkompetenz der meisten Bundesräte habe ihn beeindruckt, sagt Hans-Ueli Vogt nach seiner ersten Session. Im «Tages-Anzeiger» lobte der neu gewählte Zürcher SVP-Nationalrat explizit auch Justizministerin und Noch-Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga.

«Sie spielen mit dem Feuer»

Inhaltlich liegen zwischen dem Professor für Wirtschafts- und Privatrecht an der Universität Zürich und der ausgebildeten Konzertpianistin jedoch Welten. Fast bei jeder Gelegenheit warnt Sommaruga vor der Initiative «Schweizer Recht statt fremde Richter», die Hans-Ueli Vogt konzipiert hat und die bei einer Annahme eventuell zur Kündigung der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) führen würde. «Wenn Sie bei den Menschenrechten mit unklaren Botschaften spielen, spielen Sie mit dem Feuer», sagte Sommaruga etwa im letzten Januar bei ihrem Gastauftritt bei der Albisgüetli-Tagung der Zürcher SVP. Vogt versteht die Aufregung nicht, die Menschenrechte würden mit der Initiative nicht tangiert. «Die Schweiz kennt eine lange Tradition der Menschenrechte, die durch die Bundesverfassung garantiert sind.»

Gleichstellung umsetzen

Nun duellieren sich die beiden auch auf einem Feld, mit dem sich Vogt als Professor schwerpunktmässig befasst: der Aktienrechtsreform. Stein des Anstosses ist die Frauenquote. Mindestens 30 Prozent Frauen in den Verwaltungsräten, 20 Prozent in der Geschäftsleitung: Das schlägt der Bundesrat vor. Von dieser Regelung betroffen wären laut Justizministerin Simonetta Sommaruga rund 250 börsenkotierte Unternehmen in der Schweiz. Firmen, welche die Vorgaben missachten, werden zwar nicht bestraft. Doch sie müssen erklären, was sie unternehmen, um die Quote künftig einzuhalten. «Comply or exlpain – erfüllen oder erklären», nennt man diese Vorgaben im Fachjargon.

Von einer Frauenquote verspricht sich Sommaruga nicht nur die Umsetzung des Gleichstellungsartikels in der Verfassung, sondern auch blühende Unternehmen. «Verschiedene Studien zeigen immer wieder, dass gemischte Teams wirtschaftlich erfolgreich oder sogar erfolgreicher sind», sagte die Justizministerin, als sie ihre Pläne Anfang Dezember den Medien präsentierte.

Norwegen als Negativbeispiel

An diesem Punkt setzt Vogt an. Die wirtschaftswissenschaftliche Forschung habe keine eindeutigen Vorteile von Frauenquoten festgestellt, schreibt er in einem Vorstoss, den er in der Wintersession eingereicht hat. Vogt will deshalb von Sommaruga wissen, wie sie diese Erkenntnisse im Hinblick auf die geplante Geschlechterquote wertet.

Als negatives Beispiel erwähnt Vogt Norwegen, wo der Frauenanteil in börsenkotierte Unternehmen bei 40 Prozent liegen muss. «Studien zeigen, dass der Wert der Unternehmen nach Einführung der Frauenquote gesunken ist», sagt Vogt. Die Quoten hätten auch nicht zu einer besseren Vertretung der Frauen im Arbeitsmarkt oder einer Angleichung der Löhne von Frauen und Männern geführt. «Eine mögliche Erklärung für diese Entwicklung ist, dass angesichts der beschränkten Auswahl durchschnittlich jüngere und weniger erfahrene Verwaltungsratsmitglieder gewählt werden mussten», sagt Vogt.

Vielfalt als Trumpf

Ein zum Teil anderer Befund zeigt sich bei Unternehmen, die freiwillig mehr Frauen engagieren. «Hier wird ein positiver Zusammenhang festgestellt, allerdings nicht wegen der Fraueneigenschaft als solcher, sondern weil Frauen, die es bis an die Spitze geschafft haben, einen härteren Weg gehen mussten», sagt Vogt. Oder anders formuliert: Diesen Firmen geht es gut, weil – unabhängig vom Geschlecht – fähige Menschen im Aufsichtsgremium sitzen. Die Frage, ob die Unternehmen bei freiwilligen höheren Frauenanteilen an Wert zulegen oder nicht, lasse sich aufgrund der Literatur aber nicht klar beantworten, sagt Vogt. «Ein eindeutig negatives Bild hingegen ergibt sich bei zwingenden Frauenquoten.»

Für Vogt ist klar: Matchentscheidend für den Erfolg einer Firma ist nicht die Geschlechterverteilung, sondern die Vielfalt im Verwaltungsrat, die sich etwa im Alter, im beruflichen Hintergrund oder in der Nationalität widerspiegelt. «Wenn börsenkotierte Firmen mit mehr Frauen in den Führungsgremien eine bessere Performance haben, dann wären die Aktionäre dumm, wenn sie nicht mehr Frauen in den Verwaltungsrat wählten», sagt Vogt.

Positive Präsenz von Frauen

Auch Simonetta Sommaruga stützt sich auf Studien. Zum Beispiel auf jene, die der Bundesrat bei der Verwaltungsfachhochschule Neuenburg in Auftrag gegeben hat. Da ohne Regulierung die Frauen in den Führungsgremien untervertreten seien, erscheine ein staatlicher Eingriff sinnvoll, heisst es darin. Die Autoren kommen auch zum Schluss, «dass sich die Präsenz von Frauen in Führungsgremien positiv auf die Unternehmen auswirkt». Sie verweisen unter anderem auf eine Untersuchung der Credit Suisse, die auf der Analyse von 3000 Firmen aus der ganzen Welt fusst. Das Resultat: Firmen mit Frauen im Verwaltungsrat haben ein höheres Eigenkapital und einen besseren Buchwert. Und wenn mehr als 10 Prozent Frauen in der Geschäftsleitung sitzen, erhalten die Aktionäre eine höhere Dividende. Die Verfasser der CS-Studie halten Quoten trotzdem für den falschen Weg.

Derweil halten die Autoren der Bundesstudie fest, es sei fraglich, ob zwischen dem Frauenanteil und einer besseren Unternehmensleistung ein direkter Zusammenhang bestehe. Pianistin Sommaruga favorisiert dennoch einen Quotenzwang. Professor Hans-Ueli Vogt hat dafür überhaupt kein Musikgehör.

SP-Bundesrätin Simonetta Sommaruga. (Bild: Keystone / Marcel Bieri)

SP-Bundesrätin Simonetta Sommaruga. (Bild: Keystone / Marcel Bieri)

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