Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Freiwilliges Zölibat: 5277 Unterschriften für den Papst

Auch wegen des Zölibats verlieren Gemeinden ihre Pfarrer. Eine Schweizerin will das mit einer Petition ändern.
Kari Kälin
Florentina Camartin will das Zölibat abschaffen. (Bild: PD)

Florentina Camartin will das Zölibat abschaffen. (Bild: PD)

«Ich bin überzeugt, dass das Zölibat manche junge Männer davon abhält, Priester zu werden», sagt Floren­tina Camartin. Ein Beispiel hat die bald 76-jährige Katholikin, die seit 2009 Mitglied des dritten Ordens des heiligen Franziskus ist, in ihrem Wohnort Bri- gels GR selber miterlebt. Im vergangenen Juli reichte Pfarrer Marcel Köhle seinen Rücktritt ein, weil er seine Beziehung zu einer Frau öffentlich leben will. Doch damit verstösst er gegen das Versprechen der Ehelosigkeit, das katholische Priester abgeben.

Der Pastoralrat von Brigels forderte Papst Franziskus in einem offenen Brief dazu auf, das Pflichtzölibat abzuschaffen. Florentina Camartin doppelte mit einer Onlinepetition nach. Von Mitte September vergangenen Jahres bis Mitte März haben 5277 Personen die Bittschrift unterschrieben. Camartin klärt derzeit ab, wie sie vorgehen muss, damit ihr Anliegen direkt auf dem Pult des Papstes landet und nicht in einem Vorzimmer stecken bleibt. Die Laienschwester hat auch Felix Gmür, den Vorsteher des Bistums Basel und Präsidenten der Schweizer Bischofskonferenz, über ihre Initiative ins Bild gesetzt. «Ich hoffe sehr, dass sich die Bischöfe gemeinsam Gedanken machen, wie sie sich für mehr Kompetenzen in diesem Bereich starkmachen können, damit sie in Zukunft nicht mehr gute Seelsorger vom ihrem Dienst suspendieren müssen», sagt Camartin.

Bischof versprüht Optimismus

Camartin weiss natürlich, dass die Schweizer Bischöfe keine Revolution ohne den Segen Roms durchführen können. Immerhin versprühte Gmür schon Optimismus, Papst Franziskus könnte die Heirat von Priestern künftig erlauben. Bei einem Besuch der Schweizer Bischöfe in Rom habe er dies jedenfalls nicht mehr kategorisch ausgeschlossen, sagte er im Dezember 2016 gegenüber Radio SRF. Gmür verriet im Gespräch mit dem Radio, dass er vor und während seines Theologiestudiums mehrfach verliebt war. Gmür zeigte auch schon Sympathien für das Frauenpriestertum. «Für mich persönlich spricht biblisch betrachtet nichts dagegen», sagte er gegenüber dem katholischen Internetportal Kath.ch.

Heimliche Liebe

Gmürs Offenheit für Frauenanliegen stösst auch bei Beatrice Bucher auf Zustimmung. Die Krienserin ist Vorstandsmitglied des Vereins für vom Zölibat betroffene Frauen (Zöfra), einer Selbsthilfegruppe, die seit 1995 existiert. Sie findet aber, die Schweizer Bischöfe würden solche Postulate noch zu wenig mutig vertreten. In der Lebensrealität der Betroffenen heisst das: Priester, die eine Frau lieben, müssen das nach wie vor heimlich tun, wenn sie ihr Amt als Priester nicht aufs Spiel setzen wollen. Für die Frauen bedeutet das meistens eine grosse Belastung. Oft verzichten sie auf eine Anerkennung der Vaterschaft, weil sie die Priester schützen wollen. Beim Verein Zöfra haben sich in den letzten zwei Jahrzehnten unzählige betroffene Frauen gemeldet, die eine versteckte Be­ziehung zu einem Priester haben oder hatten. Bucher vermutet eine hohe Dunkelziffer. «Es gibt bestimmt noch Betroffene, von denen wir gar keine Kenntnis haben. Wohl auch deshalb, weil die meisten Frauen heute einem eigenen Beruf nachgehen und sich in ihrer Selbstständigkeit nichts mehr von der Institution Kirche vorschreiben lassen. Das Problem bleiben dann trotzdem die gemeinsamen Kinder», sagt sie. Bucher hofft, dass der Papst den Ortskirchen in solchen Fragen mehr Spielraum gewährt. Camartins Petition an Papst Franziskus werte sie als positives Signal. Als engagierte Christin unterstütze sie auch den Streik der Kirchenfrauen. Bucher kann sich vorstellen, in der Kirche die Widerstandserklärung von Jacqueline Keune zu verlesen (siehe Haupttext).

Wirtschaftliche Gründe sprachen einst für das Zölibat

Im Kirchenrecht verankert wurde das Zölibat im Jahr 1139 unter der Ägide von Papst Innozenz II. Diverse Vorgänger hatten schon versucht, die Ehelosigkeit für Priester durchzuboxen, scheiterten aber am Widerstand des Klerus. Ein bedeutendes Motiv für die Einführung des Zölibats war wirtschaftlicher Natur. Die Kirche wollte dafür sorgen, dass der Besitz eines Priesters nicht an seine Kinder überging, sondern ihr erhalten blieb. Eine grosse Rolle spielt auch das Argument, Priester könnten sich, frei von Familienpflichten, besser um die Seelsorge kümmern.

Ein Leben ohne Liebe überfordert viele Priester. Das Zölibat wurde seit seiner Existenz laufend gebrochen. Als der heilige Karl Borromäus (1538–1584), Erzbischof von Mailand, 1570 zum ersten Mal die Schweiz besuchte, stellte ihm der Pfarrer von Altdorf, achtfacher Vater, seine Kinderschar vor. Aufgrund der zahlreichen Übertretungen vermutete der italienische Jesuit Carlo Maria Curci Ende des 19. Jahrhunderts, die katholische Kirche würde das Pflichtzölibat bald abschaffen. Alle derartigen Versuche sind bis jetzt allerdings am römischen Papstfelsen zerschellt. Erst im vergangenen Januar sagte Papst Franziskus nach dem Weltjugendtag in Panama, er lehne ein «optionales Zölibat» ab. Immerhin sehe er aber Spielraum für Sonderlösungen an Orten mit Priestermangel. Er finde es einen interessanten Vorschlag, verheirateten Männern begrenzt priesterliche Aufgaben zu übertragen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.