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FREIZEIT: Alpen-Club bricht Rekord um Rekord

Der Schweizer Alpen-Club (SAC) hat immer mehr Mitglieder. Vor allem ältere Menschen treten dem Club bei. Der Zuwachs hat aber auch Schattenseiten.
Yasmin Kunz
Immer mehr Menschen zieht es zum Wandern in die Natur. So wie hier am Pilatus im Gebiet Alpgschwänd oberhalb von Hergiswil. (Bild Roger Grütter)

Immer mehr Menschen zieht es zum Wandern in die Natur. So wie hier am Pilatus im Gebiet Alpgschwänd oberhalb von Hergiswil. (Bild Roger Grütter)

Yasmin Kunz

Während gewisse Vereine um Mitglieder kämpfen, zählt der Schweizer Alpen-Club (SAC) von Jahr zu Jahr mehr, wie aus der neusten Statistik hervorgeht. Die Sektion Pilatus erzielte mit 8114 Mitgliedern im Jahr 2015 sogar einen Rekord. Innerhalb der letzten fünf Jahre sind die Mitgliederzahlen bei der Sektion Pilatus um 17 Prozent gestiegen. Um rund 9,3 Prozent von 3230 auf 3532 Mitglieder wuchs die Sektion Rossberg in Zug. Ebenfalls einen Anstieg verzeichnet die Sektion Entlebuch. Dort nahmen die Mitgliederzahlen innerhalb von fünf Jahren um rund 19,7 Prozent von 508 auf 608 zu.

Gesamtschweizerisch zeigt sich ein ähnliches Bild. Während der SAC vor fünf Jahren 131 265 Mitglieder zählte, waren es letztes Jahr bereits 147 009. Das entspricht einem Zuwachs von rund 12 Prozent (siehe Tabelle).

Hallenklettern liegt im Trend

Die Sektion SAC Pilatus hat über die vergangenen Jahre besonders viele Mitglieder gewonnen. Andreas Müller, Präsident der Sektion Pilatus, kennt die Gründe für den Zuwachs: «Bergsport und Outdoor-Aktivitäten liegen seit ein paar Jahren im Trend.» Ausserdem sei das Angebot des SAC in den vergangenen Jahren breiter geworden. So bietet die Sektion Pilatus nebst dem Kerngeschäft Alpintouren und Bergwandern auch Kurse in Hallenklettern oder Mountainbike-Touren an.

Müller sagt, dass vor allem das Klettern in der Halle zu einer grösseren Mitgliederzahl führt. «Das Angebot kommt sehr gut an, und zwar nicht nur bei jüngeren Personen, sondern auch bei den über 50-Jährigen.» Dem pflichtet auch Jerun Vils, Geschäftsleiter des SAC Schweiz, bei: «Die Kletter- und Boulderkurse boomen.» Weiter hält Vils fest, dass das Bedürfnis, sich in der Natur zu bewegen, grösser wird. Zudem sei auch der gute Ruf des SAC – den Club gibt es seit 150 Jahren – ein Argument, um beizutreten.

Geschäftsstelle wird ausgeweitet

Müller und Vils sind erfreut über den Mitgliederzuwachs. Müller, der die Sektion Pilatus seit einem Jahr präsidiert, räumt allerdings auch ein, dass man mit der steigenden Zahl an SAC-Mitgliedern vor neuen Herausforderungen stehe. Müller: «Um den Anforderungen einer so grossen Sektion in der Organisation, Kommunikation und Administration gewachsen zu sein, beantragt der Vorstand der Clubversammlung, die professionelle Geschäftsstelle von 20 auf 40 Stellenprozent auszuweiten.» Damit sollen auch die vielen freiwilligen Tätigkeiten und Funktionen unterstützt werden, die mit ihrem ehrenamtlichen Einsatz das umfangreiche Touren- und Kursangebot sowie den Betrieb der Berghütten überhaupt möglich machen. Auch Vils bestätigt, dass man mit der wachsenden Zahl der Mitglieder vor Herausforderungen stehe. Schweizweit sind 8500 Mitglieder ehrenamtlich für den Club tätig. Um die grosse Nachfrage bei Kursen abzudecken, müsste man noch mehr Ehrenamtliche rekrutieren – was schwierig sei. «Wir hoffen, dass wir Junge, die jetzt im Spitzensport aktiv sind, künftig beispielsweise als Tourenleiter engagieren können.»

Auch immer mehr Austritte

Nicht nur die Zahl der Neueintritte ist gross, sondern auch die Zahl der Austritte. 2015 zählte der SAC 8081 Austritte. Ein Jahr zuvor waren es 7878. Vils nennt dafür zwei Gründe: Personen, die aufgrund des Alters aus der Familienkategorie fallen, melden sich nur selten als Einzelmitglieder an. Des Weiteren sei bei den Jungen der Zeitgeist ein anderer. Will hiessen: Kontinuität ist nicht mehr so wichtig. Die SAC gewinnt vor allem Menschen, die im mittleren oder im Pensionsalter sind. «Personen in dieser Altersklasse treten insbesondere deshalb ein, weil sie sich ein Netzwerk aufbauen wollen. Mit dem Beitritt lernen sie Menschen kennen, welche ähnliche Interessen haben.»

Was in den Statistiken des SAC besonders auffällt: Die Mehrheit der Mitglieder sind Männer. 2015 waren es 63 Prozent. Während die Zahl der Männer allerdings abnimmt – 2005 waren es noch 70 Prozent –, stieg die Zahl der weiblichen Mitglieder innerhalb des gleichen Zeitraums von 30 auf 36 Prozent. Vils erklärt, dass der geringe Frauenanteil historisch bedingt sei. «Bis 1980 waren Frauen im SAC nicht zugelassen.» Der Geschäftsführer ist zuversichtlich, dass die Zahl der weiblichen Mitglieder in den nächsten Jahren auf 50 Prozent ansteigen wird.

«Ab 40 nehmen unsere Fähigkeiten ab»

Wandern kuy. Vorwiegend ältere Menschen werden beim SAC Neumitglieder. Wandern sei für diese Altersklasse ein sinnvoller Sport, sagt Urs Müller, Sportmediziner am Luzerner Kantonsspital. Er warnt aber auch vor Gefahren.

«Man darf Wandern nicht unterschätzen. Auch dabei braucht man koordinative Fähigkeiten.» Urs Müller, Leiter Sportmedizin am LUKS. (Bild: Natalie Boo / AURA)

«Man darf Wandern nicht unterschätzen. Auch dabei braucht man koordinative Fähigkeiten.» Urs Müller, Leiter Sportmedizin am LUKS. (Bild: Natalie Boo / AURA)



Urs Müller, kann man im Alter noch alle Sportarten ausüben?
Urs Müller: Wie in jedem Alter hängt dies vom allgemeinen Gesundheitszustand sowie der Kondition, der Kraft und der Koordination ab. Grundsätzlich sind also auch im Alter noch viele Sportarten möglich. Aber nicht alle sind gleich geeignet, denn es gibt biologische Grenzen.

Was heisst das konkret?
Müller: Wer beispielsweise schon immer alpine Skitouren gemacht hat, kann das eventuell auch noch mit 70 Jahren tun – aber wahrscheinlich nicht mehr auf demselben Niveau wie noch mit 30. Skitouren setzen eine sehr gute Kondition, Kraft und Koordination voraus. Wer noch nie auf einer Skitour war und mit 70 damit anfangen will, dem würde ich eher davon abraten oder vorschlagen, sehr einfache Touren zu unternehmen.

Warum?
Müller: Es ist grundsätzlich so, dass ab dem 40. Lebensjahr unsere körperlichen Fähigkeiten abnehmen. So verändern sich beispielsweise die Muskulatur und ihre Sehnen – ihre Kraft und Dehnbarkeit nimmt ab. Zudem nimmt ab 40 auch die Hirnleistung langsam ab. Konkret heisst das, dass auch die koordinativen Fähigkeiten nachlassen, was bedeutet, dass nicht nur die Muskulatur schwächer wird, sondern auch deren Steuerung durch das Hirn. Skitouren in alpinem Gelände setzen bei der späteren Abfahrt gute Kraft, Kondition und Koordination voraus, weil das Gleichgewicht gehalten werden muss.

Dann sind einfache Wanderungen also der ideale Sport für Senioren?
Müller: Wandern ist für die ältere Generation sicher sinnvoll. Beim Wandern ist vorwiegend die Kondition und nicht die Schnellkraft gefragt. Doch man darf Wandern nicht unterschätzen. Auch dabei braucht man koordinative Fähigkeiten, um im unebenen Gelände das Gleichgewicht nicht zu verlieren.

Kann man Koordination trainieren?
Müller: Ja, Gleichgewichtsübungen auf speziellen, weichen Matten sind geeignet, um diese Fähigkeiten zu trainieren. Den Abbau der koordinativen Fähigkeiten kann man dadurch aber nicht verhindern, sondern nur verlangsamen.

Ist das Gleichgewicht also das grösste Problem bei älteren Menschen?
Müller: Das ist eine wichtige Fähigkeit, die im Alter nachlässt, aber es ist nicht das grösste Problem. Oft werden auch die altersbedingten Veränderungen unseres Herzkreislaufsystems unterschätzt. Beim Wandern tritt erschreckend oft der plötzliche Herztod ein. Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter. Die Höhe kann dies begünstigen. Dabei sprechen wir nicht von 4000 Metern hohen Bergen, sondern von Höhen bereits ab 1600 bis 2000 Metern. Die Luft wird dünner, und dem Herzkreislaufsystem steht weniger Sauerstoff zur Verfügung. Deshalb gilt für Herzpatienten, die im Flachland nicht beschwerdefrei sind, eine Höhenbegrenzung von 2000 bis 2500 Meter über Meer, um so lebensgefährliche Situationen zu verhindern. Ab einer Höhe von 3000 Metern kann es zudem auch bei «Gesunden» zu einem Höhenlungenödem – Wassereinlagerung in der Lunge – kommen. Bei einem Ausflug auf das Jungfraujoch oder das Kleine Matterhorn überschreitet man diese Höhen bereits deutlich. Treten in der Höhe Beschwerden auf, muss man sofort den Abstieg antreten und einen Arzt konsultieren.

Welche Tipps geben Sie älteren Wander-Anfängern?
Müller: Wer schon bei leichten körperlichen Anstrengungen im Flachland Mühe hat, der sollte vorher einen ärztlichen Check-up machen. Zudem sollen Anfänger bildlich gesprochen nicht gleich mit dem Pilatus beginnen, sondern mit der Krienseregg starten. Grundsätzlich sollte man sich gesund fühlen, eine adäquate Ausrüstung haben, vor allem gutes Schuhwerk für einen sicheren Tritt. Auch Karten und Handy gehören ins Gepäck. Man sollte den markierten Wegen folgen und regelmässig Pausen einlegen. Wenn möglich soll man in Gruppen wandern und dabei auf den schwächsten Begleiter Rücksicht nehmen. Das gilt insbesondere auch für Kinder. Es sollte auch immer jemand «im Tal» über die beabsichtigte Tour informiert sein, falls bei unverhältnismässiger Verspätung Hilfe organisiert werden muss.

Bei Ihnen im Spital werden immer wieder Patienten behandelt, die sich beim Wandern verletzt haben.
Müller: In den meisten Fällen sind die Patienten gestürzt, weil sie ausgerutscht oder gestolpert sind. Wanderer, die zu schnell unterwegs sind und/oder wenn bei Müdigkeit die koordinativen Fähigkeiten nachlassen, sind dabei besonders gefährdet. Oft bleibt es bei Blutergüssen, Stauchungen und Schürfungen, aber auch gebrochene Sprung-, Hand- und Hüftgelenke kommen vor.

HINWEIS
Urs Müller (52) ist seit 15 Jahren Co-Chefarzt der Orthopädie und Leiter des sportmedizinischen Zentrums am Luzerner Kantonsspital.

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