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Frieren für das Klima: Schüler sollen dank kühlerer Klassenzimmer Energie sparen

Im Zusammenhang mit dem Klimastreik von Schülern ist im Tessin die Forderung aufgekommen, die Temperaturen in Klassenzimmern zu senken. Die Schüler sollen selbst entscheiden.
Gerhard Lob, Bellinzona
Blick in ein Klassenzimmer. (Archivbild: Luzerner Zeitung)

Blick in ein Klassenzimmer. (Archivbild: Luzerner Zeitung)

Im Vergleich zur deutschen und französischen Schweiz hat die Klimastreik-Bewegung von Schülerinnen und Schülern in der italienischen Schweiz mit Verspätung eingesetzt. In Bellinzona gingen vor wenigen Tagen erstmals Hunderte von Schülerinnen und Schüler auf die Strasse, um Massnahmen gegen den Klimawandel und CO2-Emissionen zu fordern. Die Demonstration fand am Samstagnachmittag statt. Für kommenden 15.März, einen Freitag, ist ein Klimastreik mit Abwesenheit während des Unterrichts geplant.

In der Politik wird derweil die Frage diskutiert, ob die jungen Leute bereit sind, selbst für den Klimaschutz Opfer zu bringen. Drei Grossräte der Rechten haben diese Diskussion aufgenommen und eine parlamentarische Initiative lanciert, in der sie fordern, dass die Klassen der Sekundarstufe II, das heisst der Klassen 10 bis 13 von Gymnasium, Handels- oder Berufsschule, darüber abstimmen, ob in ihren Klassenzimmern während der kalten Jahreszeit die Temperaturen gesenkt werden. Sie sollen aus einer Bandbreite von 15 bis 18 Grad Raumtemperatur entscheiden können. Das Erziehungsdepartement soll dann die Entscheide der Klassen öffentlich bekannt geben. Für das Gesetzesdekret - in Form einer parlamentarischen Initiative – wurde Dringlichkeitsstatus beantragt, um es bereits am 18. Februar in der Legislative zu diskutieren.

Im Erziehungsdepartement äussert man sich nicht zu diesem Vorschlag, da er auf dem Amtsweg bisher nicht eingetroffen ist. Offiziös ist zu vernehmen, dass diese Initiative als Provokation empfunden wird, als ein Mittel, um den Schüler-Klimastreik zu delegitimieren. Paolo Pamini (AreaLiberale), Erstunterzeichner der Initiative, weist diesen Vorwurf zurück: „Ganz im Gegenteil: Dank unserer Initiative wird der Klimawandel in der Schule zum Thema und die Schüler können selbst entscheiden, welchen Beitrag sie leisten wollen.“ Er verweist zudem darauf, dass der Kanton im Falle zu hoher Feinstaubbelastung die Temperatur in den Räumen der Kantonsverwaltung drosseln kann.

Tatsächlich ist unbestritten, dass durch tiefere Raumtemperaturen Energie gespart und Emissionen vermieden werden können. Die SBB haben soeben in einigen Zügen der Zürcher S-Bahn einen entsprechenden Pilotversuch durchgeführt und die Temperatur vom 9. Januar bis 4. Februar von 22 auf 20 Grad Celsius gesenkt. Die Ergebnisse sind noch nicht bekannt.

Im Vorfeld des Versuchs erklärten die SBB, dass ein grosses Potential zum Energiesparen bestehe. „Wenn beispielsweise alle über hundert Fahrzeuge des Typs DPZ+ – das ist die erste Generation der Zürcher S-Bahn – auf 20 Grad als Richtwert eingestellt werden, ergäbe das jährlich Einsparungen von 1,6 Gigawattstunden“, hiess es. Das entspreche dem Stromverbrauch von zirka 400 Haushalten. Würde die Temperatur in sämtlichen Fahrzeugen der Zürcher S-Bahn angepasst, könnten gar 3,7 Gigawattstunden Energie gespart werden – das wäre in etwa der Verbrauch der 2200-Einwohner-Gemeinde Bussnang.

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