Fussball-EM
Public Viewing wieder möglich, aber beschränkt: Erstes Lokal verlangt Eintritt fürs Fussballschauen

Wegen Planungsunsicherheit verzichten grosse Veranstalter auf kollektives Fussballschauen. Zu den Gewinnern gehören Sportbars und Pubs.

Pascal Ritter
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Impressionen vom Public Viewing beim Achtelfinal Schweiz - Schweden an der Fussball-Weltmeisterschaft in Russland. Die Schweiz verliert 0:1 und scheitert somit im Achtelfinal.

Impressionen vom Public Viewing beim Achtelfinal Schweiz - Schweden an der Fussball-Weltmeisterschaft in Russland. Die Schweiz verliert 0:1 und scheitert somit im Achtelfinal.

Sandra Ardizzone / BAD

Der Bundesrat erlaubt Public Viewing ab nächsten Montag wieder. Veranstalter haben zwei Möglichkeiten, während der Fussballeuropameisterschaft, die am 16. Juni beginnt, kollektives Fussballgucken zu organisieren:

Entweder lassen sie es als Veranstaltungen vor Publikum laufen. Dann dürfen in Innenräumen höchstens 100 Personen zusammen die Spiele schauen. Draussen sind es 300 Personen. Die Zuschauer müssen sitzen, Maske tragen und Abstand halten. Es darf maximal die Hälfte der Kapazität besetzt werden. Essen und Trinken auf den Sitzplätzen ist erlaubt, wenn die Kontaktdaten aller Gäste einschliesslich Sitzplatznummer erhoben werden.

Oder das Public Viewing findet in einem Restaurant statt. Dann gelten die neuen Regeln für die Gastronomie. Drinnen dürfen vier Personen, draussen sechs Personen an einem Tisch sitzen. Die Zuschauer müssen sich auch hier für die Rückverfolgung von Infektionen registrieren.

Erste Bar verlangt Eintritt für die beschränkten Plätze

Die kurzfristige Lockerung und die davor herrschende Unsicherheit führten dazu, dass Veranstalter, die bisher speziell für die Grossanlässe einen temporären Betrieb aufmachten, eher verzichten. Davon profitieren dürften Gastronomen, die auch sonst Sport zeigen oder für die Europameisterschaft einen Fernseher ins Restaurant stellen. Das zeigt eine Umfrage bei beliebten Public-Viewing-Veranstaltern und Gastronomen.

So findet in der Maaghalle in der Stadt Zürich dieses Jahr kein Public Viewing statt und auch die grosse «EM Arena Uster 2021» wurde abgesagt. Ins Wasser fällt auch das beliebte Public Viewing auf der Klosterhalbinsel in Wettingen. Auf der Webseite heisst es:

«Liebe Fussballfreunde, aus bekannten Gründen ist die Planungssicherheit und Durchführung des geplanten Konzepts nicht möglich. Mit Bedauern teilen wir euch mit, dass die Insel-Arena abgesagt werden muss. Wir hoffen auf bessere Zeiten und bis bald.»

Noch offen ist hingegen, ob die grosse «Beach Style Arena» unweit des Bahnhofs Solothurn für die EM aufgebaut wird.

Dort feierten auch schon mehr als 2000 Fans die Schweizer Nationalmannschaft. Kurz nach dem Bundesratsentscheid ist Mitorganisator Jumbo Monopoli noch nicht sicher, ob der Event zustande kommt. Er sagt:

«Wir sind fieberhaft am diskutieren und durchrechnen, ob und wie wir das hinbekommen.»

Bald werde informiert.

Luzerner Kino und Aargauer Bars sind parat

In Luzern richtet der Kino- und Barbetrieb Bourbaki wie in früheren Jahren ein EM-Studio ein. Die Spiele werden auf einer grossen Leinwand und mehreren Fernsehern gezeigt, wie Betriebsleiter Victor Redonda auf Anfrage sagt.

In Aarau will die Scalo-Bar in der Altstadt wie in früheren Jahren Bildschirme aufbauen. Es soll so aussehen wie bei der WM 2018, sagt Georges Jabbour vom Scalo.

Fatja Bossert, Chefin in der Bar Scalo, beim Public Viewing bei der Fussball WM 2018. So soll es wieder aussehen.

Fatja Bossert, Chefin in der Bar Scalo, beim Public Viewing bei der Fussball WM 2018. So soll es wieder aussehen.

Urs Helbling / AAR

Ähnlich klingt es beim Pub Penny Farthing am Bahnhof. Geschäftsführer Yannick Marti will draussen zwei Fernseher aufstellen, wo sich das Publikum von 6er-Tischen aus die Spiele anschauen kann. Drinnen geschieht das gleiche am Vierertisch. Das Bier kann man sich wie gewohnt an der Bar holen. Allerdings muss man auf dem Weg dorthin eine Maske tragen.

Ian Nicol ist Wirt des Pubs Penny Farthing in Aarau. Hier wird die Fussball-EM gezeigt.

Ian Nicol ist Wirt des Pubs Penny Farthing in Aarau. Hier wird die Fussball-EM gezeigt.

Colin Frei

In Basel wird die Fussballkulturbar Didi Offensiv alle Spiele zeigen und im Aussenbereich zwei Bildschirme aufbauen. Die Bar du Nord setzt auf ein Ticket-System. Fans können für 10 Franken online die beschränkten Plätze reservieren. 5 Franken Rabatt gibts dann auf das erste Getränk. Gezeigt werden die Qualifikationsspiele von Schweiz und Deutschland, sowie alle Spiele ab dem Achtelfinal. Im Volta Bräu wälzt man noch Pläne und ist nicht in der Lage, etwas zu sagen.

Sommergarten statt Festzelt in Schaffhausen

In der Militärkantine in St. Gallen, verzichtet man auf ein EM-Programm. Dafür plant das Restaurant Drei Linden ein EM-Zelt, wo ausgesuchte Spiele übertragen werden, wie es auf deren Webseite heisst.

Die Stadt Schaffhausen bewilligte im vergangenen Oktober eine Public Viewing in einem Festzelt im Mosergarten - vorausgesetzt die Coronasituation erlaube einen solchen Anlass. Am Dienstag kam dann die Entscheidung. Die Veranstalter der 5starevent GmbH setzen statt auf ein Festzelt auf ein temporäres Restaurant mit «Sommergarten». Der Eintritt in die Gartenwirtschaft ist gratis, die Platzzahl limitiert. In Lounges und auf Sitzplätzen kann man sich gemäss den BAG-Richtlinien hinsetzen und die Spiele auf einem grossen Bildschirm verfolgen.