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FUSSBALL: Gianni Infantinos Besuch beim eritreischen Diktator ruft Kritik hervor

Fifa-Präsident Gianni Infantino hat Isaias Afewerki in Eritreas Hauptstadt Asmara getroffen. Zahlreiche Schweizer Aussenpolitiker begrüssen den Besuch des Schweizers beim Diktator. Ein Genfer SP-Nationalrat übt aber scharfe Kritik.
Kari Kälin
Fifa-Präsident Gianni Infantino (links) im Gespräch mit Präsident Isaias Afewerki in der Denden Hall, einem eritreischen Regierungsgebäude. (Bild: PD (Asmara, 23. Februar 2018))

Fifa-Präsident Gianni Infantino (links) im Gespräch mit Präsident Isaias Afewerki in der Denden Hall, einem eritreischen Regierungsgebäude. (Bild: PD (Asmara, 23. Februar 2018))

Kari Kälin

Da sitzt er, freundlich lächelnd, die Hände gefaltet, um den Hals einen Schal des eritreischen Fussballverbandes, im angeregten Dialog mit Isaias Afewerki: Am vorletzten Freitag hat Fifa-Präsident Gianni Infantino dem eritreischen Diktator einen rund halbstündigen Besuch abgestattet. Der 72-jährige Langzeitherrscher empfing den Schweizer ­Infantino in einem Regierungsgebäude. Laut einem Fifa-Sprecher unterhielten sich die beiden primär über die Frage, wie der eritreische Fussball gefördert werden kann, vor allem für Kinder. Infantino reiste im Rahmen einer kleinen Afrika-Tour nach Eritrea. Dabei besichtigte der Fifa-Präsident auch das Stadion von Asmara.

Wegen der Menschenrechtssituation die Leviten gelesen hat Infantino Afewerki nicht. «Fifa-Verantwortliche, die in solche Treffen involviert sind, sind an strikte politische Neutralität gebunden», sagt der Fifa-Sprecher. Der Weltfussballverband hat sich zwar die Förderung der Menschenrechte auf seine Fahnen geschrieben, dies allerdings im Rahmen seiner fussballerischen Aktivitäten. So hat Infantino am vergangenen Donnerstag bei seinem Besuch im Iran gegenüber dem Präsidenten Hassan Rohani unterstrichen, wie wichtig es sei, dass auch Frauen ihr Lieblingsteam im Stadion anfeuern dürfen. In der Islamischen Republik ist dies Frauen untersagt.

Zurück zu Eritrea. Die UNO prangert das ostafrikanische Land mit seinen rund 6,5 Millionen Einwohnern regelmässig wegen Menschenrechtsverletzungen an. Seit Jahren verschlug es keinen westlichen Staatschef mehr dorthin. Eritrea gilt als Unrechtsregime, das seine Bürger ohne Anklage inhaftiert, foltert und auf unbestimmte Zeit fürs Militär oder faktische Zwangsarbeit einzieht. Tausende Eritreer verlassen jeden Monat das Land. Der Exodus manifestiert sich auch in der Schweiz: Die meisten Asylgesuche hierzulande stammen seit Jahren aus Eritrea, mittlerweile leben hier rund 47'000 Eritreer. Seit letztem Oktober engagiert sich die Schweiz nach mehrjähriger Absenz wieder mit einem Entwicklungsprogramm für die Berufsbildung in Eritrea. Ein Migrationsabkommen scheint derzeit aber in weiter Ferne.

Cassis zeigt sich offen für Eritrea-Besuch

Nach Infantinos Besuch schöpfen Schweizer Aussenpolitiker aber neue Hoffnung. Der Luzerner FDP-Ständerat Damian Müller, Mitglied der aussenpolitischen Kommission, sagt: «Es wäre vielleicht sinnvoll, wenn das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten den Fifa-Präsidenten fragen würde, wie er Afewerki wahrgenommen hat und ob es vielleicht neue Wege gibt, zum Beispiel über den Sport, um mit ihm in einen Dialog zu treten.» Neo-Aussenminister Ignazio Cassis zeigte sich neulich im Parlament offen für die Idee, das Land zu besuchen. Das Ziel der diplomatischen Annäherung liegt auf der Hand: Die Schweiz hat ein Interesse daran, die Zahl eritreischer Asylgesuche zu senken.

Elisabeth Schneider ist Präsidentin der aussenpolitischen Kommission des Nationalrats. Die ­Baselbieter Nationalrätin wertet Infantinos Gang nach Asmara positiv. «Wenn es die Fifa schafft, in Eritrea Jugendlichen eine Perspektive zu geben, oder dass durch den Fussball Themen wie Menschenrechte angegangen werden können, dann ist der Besuch zu begrüssen», sagt sie. Eine solche Initiative könne der Schweiz durchaus etwas bringen. Der St. Galler SVP-Nationalrat und Aussenpolitiker Roland Büchel ergänzt: «Gegen die Förderung des eritreischen Fussballs gibt es nichts einzuwenden. Zudem bringt der Fussball die Menschen zusammen.» Dass Infantino und Afewerki vor allem über Sport und nicht über Politik gesprochen hätten, sei der richtige Ansatz. «Es würde nichts bringen, wenn die Fifa versuchen würde, Eritreas Migrationsprobleme und Demokratiedefizite beheben zu wollen.» Dafür sei die Fifa nicht kompetent. Für Büchel hebt sich Infantino wohltuend von seinem Vorgänger Sepp Blatter ab, der mit dem Slogan «Macht die Welt mit Fussball zu einem besseren Ort» hausiert habe.

SP-Nationalrat Tornare findet es «völlig daneben»

Der Genfer SP-Nationalrat Manuel Tornare setzt sich für bessere Menschenrechte in Eritrea ein. Das Parlament hat seinen Vorstoss, die Schweiz solle entsprechende Bemühungen der UNO unterstützen, angenommen. Tornare kritisiert Infantinos Eritrea-Visite als «unangebracht, ungeschickt und völlig daneben». Infantino bestätige, dass die Fifa nicht begriffen habe, dass Diktatoren notorisch den Sport missbrauchten, um sich in ein gutes Licht zu rücken. «Infantino lässt jegliches politisches und ethisches Sensorium vermissen. Der Besuch bringt der Fifa nichts, Afewerki kann ihn aber propagandistisch ausschlachten.»

Toni Locher, Honorarkonsul von Eritrea in der Schweiz, hält solche Befürchtungen für unbegründet. «Der Besuch hat eine symbolische Bedeutung für die Sportbegeisterten», sagt er. Die Fifa fördere mit ihrer Präsenz den Fussball, die Eritreer seien sportverrückt. Locher fliegt seit Jahren regelmässig ins ostafrikanische Land, er steht ihm wohlwollend gegenüber. Der Frauenarzt aus Wettingen gründete 1977 das Schweizerische Unterstützungskomitee für Eritrea. Das Hilfswerk unterstützt Entwicklungsprojekte. Fussball, sagt Locher, entwickle sich langsam zu einem Breitensport, nach Velofahren und Laufsport sei es die drittpopulärste Sportart. Im Opernhaus von Asmara, einem Gebäude aus der italienischen Kolonialzeit, sei Public Viewing populär, besonders der Verein Arsenal habe es den Eritreern angetan.

Vom Niveau in der englischen Premier League ist der eritreische Fussball jedoch weit entfernt. In der Fifa-Rangliste liegt Eritrea auf dem letzten Platz. Immerhin: Insgesamt zählt das Land 33'100 lizenzierte Fussballer und Fussballerinnen. Und ein bisschen geprahlt hat das Regime dann doch mit Infantinos Visite. Der Fifa-Präsident habe das ­grosse Potenzial des eritreischen Fussballs unterstrichen, teilte das Informationsministerium mit.

Infantino in Eritrea. (Bild: PD)

Infantino in Eritrea. (Bild: PD)

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