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FUSSBALL: Politiker zeigen Weltfussballverband gelbe Karte

Die Fifa will den Bericht über die WM-Vergaben an Russland und Katar nicht veröffentlichen. Schweizer Politiker drohen nun mit dem Entzug des Vereinsrechts.
Er fühlte sich nach der Bekanntgabe des Austragungsortes 2022 wie ein Weltmeister: Scheich Hamad bin Khalifa, rechts Joseph Blatter. (Bild: Keystone / Walter Bieri)

Er fühlte sich nach der Bekanntgabe des Austragungsortes 2022 wie ein Weltmeister: Scheich Hamad bin Khalifa, rechts Joseph Blatter. (Bild: Keystone / Walter Bieri)

Joseph Blatter kam am Freitagnachmittag doch noch in Fahrt. Als ihn am prunkvollen Hauptsitz der Fifa ein ARD-Journalist fragte, warum er mit 79 Jahren nochmals antrete, leuchteten seine Augen. «Wissen Sie: Eine Mission ist nie beendet. Viele Verbände haben mich gebeten, es nochmals zu tun. Ich bin bereit, dem Weltfussball weiter zu dienen.»

Dass Blatter – seit 1998 im Amt – im Mai 2015 nochmals als Fifa-Präsident gewählt wird, daran gibt es kaum Zweifel. Zu stabil ist sein weit verzweigtes Beziehungs- und Machtnetz im Weltfussball, zu offensichtlich bereits die Unterstützung aus Afrika, Südamerika oder Asien.

Ebenso sicher aber ist, dass die Fifa unter verstärkter politischer Beobachtung bleiben wird. Denn Blatter erläuterte am Freitag nicht nur seine Wieder­kandidatur, sondern erklärte auch, dass die Fifa aus «Gründen der Vertraulichkeit» den Untersuchungsbericht zu den umstrittenen WM-Austragungen 2018 und 2022 nicht veröffentlichen wolle. Vor allem bei der Vergabe an Katar gibt es zahlreiche Hinweise auf Bestechung und Korruption.

Das ist starker Tabak. Denn zuvor hatten nicht nur der zuständige Untersuchungsrichter Michael Garcia, sondern weitere namhafte Exponenten eine Veröffentlichung des Berichts gefordert. So sagte der Basler Strafrechtsprofessor und ehemalige Fifa-Reformbeauftragte Mark Pieth: «Die Sache ist viel zu heikel und hat eine solche Dimension angenommen, dass in der Öffentlichkeit nicht das Gefühl aufkommen darf, Dinge würden unter den Teppich gekehrt.» Selbst die Fifa-Exekutivmitglieder Prinz Ali von Jordanien, Jim Boyce oder Jeff Webb sprachen sich dafür aus. In der entscheidenden Sitzung diese Woche in Zürich schwiegen sie aber offenbar. Es sei kein Antrag eingegangen, diesen Bericht zu veröffentlichen, sagte Blatter.

Privileg für Milliardenkonzerne

Für Politiker ist klar, dass dieser fehlende Wille zur Transparenz nicht ohne Folgen bleiben wird. «Er wird jenen Kräften Auftrieb geben, die denken, dass der Vereinsstatus und die Steuerprivilegien für die Milliardenkonzerne Fifa, Uefa und IOC nicht mehr zeitgemäss sind», sagt SVP-Nationalrat Roland Büchel. Die Verschärfung des Geldwäschereigesetzes, das neu auch Kader von internationalen Sportorganisationen umfasst, oder das geplante Gesetz zur Korruption als Offizialdelikt zeigen: Schaffen es die Verbände nicht, sich selbst zu reformieren, wird die Politik weitere Auflagen machen. SP-Nationalrat Cédric Wermuth geht noch einen Schritt weiter: «Mit jedem Skandal bröckelt die Unterstützung der Fifa im Parlament. Irgendwann werden die Privilegien nicht mehr haltbar sein.»

Eine Uhr für 25 000 Franken

Büchel sagt, es sei nicht nur der fehlende Wille zur Transparenz – der Fall mit den geschenkten Uhren in Millionenhöhe habe den Unmut noch verstärkt. Worum geht es? Vor zwei Wochen wurde bekannt, dass der brasilianische Verband während der WM Fifa-Funktionäre und Verbandspräsidenten reich beschenkte. In den Genuss einer Parmigiani-Uhr (Wert 25 000 Franken) kam – neben vielen anderen – auch der Schweizer Verbandspräsident Peter Gilliéron. Er habe nicht gemerkt, dass im Geschenkpaket auch eine Luxusuhr «versteckt» gewesen sei, rechtfertigte sich Gilliéron.

Blatters Logik

Fifa-Chefermittler Michael Garcia machte daraufhin Druck, die Uhren zurückzugeben. In den Fifa-Statuten ist geregelt, dass – wegen der hohen Anfälligkeit auf Korruption – nur symbolische Geschenke von geringem Wert erlaubt sind. Diesen Passus relativierte Blatter jedoch. Es stehe in den Statuten keine konkrete Summe. Der Fifa-Präsident weigerte sich zu sagen, ob er die geschenkte Uhr zurückgeben werde: «Die Brasilianer haben mit der WM-Austragung alles erhalten, was sie wollten. Warum sollten sie uns mit einer Uhr bestechen wollen?»

Mit Fussball die Welt verbessern

Wer auf dem Fussballplatz für mehr Sportlichkeit, Transparenz und Ehrlichkeit einstehe, könne nicht gleichzeitig so teure Geschenke entgegennehmen und entscheidende Berichte zur Korruption bei der WM-Vergabe unter Verschluss halten, sagt Büchel. «Das passt einfach nicht zusammen.» Das Problem sei, dass die Fifa überhöhte Ambitionen habe, dass sie mit dem Fussball die Welt verbessern wolle. «An diesen hohen moralischen Ansprüchen werden dann richtigerweise auch die Funktionäre gemessen.» Letztlich sei Korruption auch eine Gefahr für das Image der Schweiz, die Standort von über 60 internationalen Sportverbänden ist, sagt Büchel. Kein Land wolle mit Korruption und Bestechung in Verbindung gebracht werden. Als «potenziell enorm» stuft auch Wermuth das Image-Problem ein – und er fordert weitere Massnahmen: «Der internationale Druck ist jetzt schon hoch, und er wird zunehmen.»

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