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Zecken: Ganze Schweiz wird zum Risikogebiet

Das Spinnentier ist unaufhaltsam auf dem Vormarsch. Wärme und Feuchte begünstigen seine Ausbreitung. Mehr Bisse und Erkrankungen sind die Folge. Das beschäftigt Patienten und Ärzte, aber auch Kranken- und Unfallversicherungen.
Balz Bruder
Die Zecke fühlt sich in diesem Jahr in ihrem Element wie nie. (Bild: Stephan Jansen/Keystone).

Die Zecke fühlt sich in diesem Jahr in ihrem Element wie nie. (Bild: Stephan Jansen/Keystone).

Eigentlich ist die Zecke ein durchaus feingliedriges Tierchen. Aber eines, das es in sich hat. Das Spinnentier ist eher berüchtigt als berühmt, weil es sich als übler Blutsauger hervortut. Und in diesem Jahr besonderen Appetit verspürt. Schon seit März und bis weit in den Herbst. Je wärmer es ist, desto lieber hat es die Zecke – umso wichtiger ist der Schutz mit langer Kleidung und geschlossenen Schuhen.

Die Prognose ist nicht gewagt: 2018 dürfte ein Zecken­rekordjahr werden. Das Bun­desamt für Gesundheit (BAG) jedenfalls registrierte im ersten Halbjahr bereits 150 Personen mit der gefährlichen Enzephalitis-Virus-Infektion – das sind 41 Fälle mehr als im Vorjahr. Allein im Juni erkrankten ge­-mäss BAG 73 Personen an der sogenannten Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Zur Illustration: 21300 Arztbesuche waren im ersten Halbjahr auf Zeckenbisse zurückzuführen, die Zahl der FSME-Neuerkrankungen ist von 1,42 auf 4,96 pro 100 000 Einwohner gestiegen. Dabei handelt sich um die Entzündung von Hirnhaut und Hirn, die einen schweren Verlauf (bis zum Tod) nehmen kann und auch nicht durch eine antibiotische Behandlung beeinflusst werden kann. Allerdings steht eine wirksame Schutzimpfung zur Verfügung.

Beschwerden treten meist erst nach Wochen ein

FSME ist die eine Krankheit, die durch Zecken ausgelöst werden kann, Borreliose die andere. Sie ist keine Viruskrankheit, sondern eine, die durch Bakterien verursacht wird. Häufig verläuft die Infektion unbemerkt – im Gegensatz zur Meningoenzephalitis findet jedoch keine Immunisierung statt. Das heisst: Mehrmaliges Erkranken ist möglich, eine Impfung gibt es nicht. Jährlich erkranken 6000 bis 12 000 Personen an Borreliose. Das ist nicht nur für die Patienten und behandelnden Ärzte von Interesse, sondern auch für die Versicherungen. Wobei bei Zeckenbissen nicht die Krankenversicherung (KVG) in der Pflicht steht, sondern die Unfallversicherung (UVG). Gemäss Definition im Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsgesetzes ist ein Unfall «die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat». Was auf den Zeckenbiss zweifelsfrei zutrifft. Aufschlussreich ist vor diesem Hintergrund das vorläufige Zecken-Fazit von AXA: Bis Ende Juni verzeichnete der Unfallversicherer 440 Meldungen im Zusammenhang mit Zeckenbissen – ein Plus von 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Letztes Jahr waren es zu diesem Zeitpunkt 293 Fälle, 2016 deren 382 Fälle. «Wir gehen deshalb aktuell von einem wahren Rekordjahr in Bezug auf Zeckenunfallmeldungen aus», erklärt AXA-UVG-Spezialist Thomas Frei.

Behandlung kann sehr teuer werden

Erfahrungsgemäss wird der Grossteil aller Fälle erst ein bis zwei Monate nach dem eigentlichen Zeckenbiss gemeldet, da gesundheitliche Beschwerden meist erst später eintreten. Je nach Krankheitsverlauf kostet die Behandlung aufgrund eines Zeckenbisses zwischen einigen hundert Franken bis zu sechsstelligen Beträgen. Für Arbeitnehmer ist dabei meist die obligatorische Unfallversicherung gefragt – ebenso wie bei Spinnen-, Bienen-, Wespen- oder Hornissenstichen. Nicht aber bei Mückenstichen. «Gemäss Rechtsprechung fehlt bei Mückenstichen infolge Alltäglichkeit der ungewöhnliche äussere Faktor, der für die Unfalldefinition entscheidend ist», erklärt Thomas Frei den kleinen, aber entscheidenden Unterschied.

Übrigens: Zwar gelten Zeckenbisse als Unfälle, die Impfung dagegen ist Sache der Krankenversicherung. Das ist von umso grösserer Bedeutung für die Krankenversicherer, als die Eidgenössische Kommission für Impffragen derzeit überlegt, dem BAG eine gesamtschweizerische Impfempfehlung zu unterbreiten. Bisher gab es regionale Risikogebiete – doch allmählich wird die Schweiz zu einem einzigen.

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