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GEBÜHREN: Wer die Papierrechnung will, zahlt

Lange waren sie gratis, jetzt sollen sie Geld kosten. Immer häufiger verlangen Unternehmen Gebühren für Papierrechnungen. Trotzdem ist die gute alte Rechnung per Post nach wie vor beliebter als die moderne E-Rechnung.
Mit der elektronischen Rechnung soll bei Zahlungen das Papier überflüssig gemacht werden. Im Bild: Ein Mann begleicht seine Rechnungen per Internet-Banking. (Bild: Keystone/Alessandro Della Bella)

Mit der elektronischen Rechnung soll bei Zahlungen das Papier überflüssig gemacht werden. Im Bild: Ein Mann begleicht seine Rechnungen per Internet-Banking. (Bild: Keystone/Alessandro Della Bella)

Livio Brandenberg

Seit Anfang dieses Jahres ist es gang und gäbe: Wer seine Rechnungen nach wie vor auf Papier und mit der Post erhalten möchte, zahlt dafür. Viele grössere Unternehmen, etwa die Telekomanbieter UPC Cablecom, Salt oder Sunrise, aber auch die Kreditkarten­herausgeberin Swisscard, erheben eine Gebühr für die Papierrechnung. Und tendenziell ist sogar eine Erhöhung dieser Kosten ersichtlich. So verlangt UPC Cablecom pro Papierrechnung seit Jahresanfang 3 Franken. Vorher waren es 1.50 Franken. UPC Cablecom war eine der ersten Firmen, die eine solche Gebühr eingeführt hatten. Nachgezogen sind inzwischen zahlreiche weitere Dienstleister. Unter anderem zahlen nun auch Inhaber einer Cumulus-Kreditkarte der Migros 1.50 Franken für eine Papierabrechnung. Und nicht zuletzt müssen auch Besitzer einer SBB-Kreditkarte seit kurzem 2 Franken für eine Abrechnung auf Papier berappen.

Umweltschutz als Argument

Mit den Zusatzkosten auf die Spitze getrieben hat es der Internetdienstleister Green.ch. Er verlangte ursprünglich 10 Franken für eine Papierrechnung. Heute bezahlen Kunden von Green.ch noch 2 Franken pro zugestellter Rechnung, wie Cornelia Lehne, Marketingleiterin bei Green.ch, auf Anfrage mitteilt. Zu dieser Gebührenreduktion könnte ein medialer Aufschrei diesen Frühling geführt haben. «Der Kunde hat aber auch die Möglichkeit, sich die Rechnung nach Bedarf selber auszudrucken», sagt Cornelia Lehne. «Und selbstverständlich senden wir unseren Kunden die Rechnung auch elektronisch per E-Mail oder stellen unseren Kunden die Rechnungen ins persönliche Online-Kundencenter.» Diese Varianten seien gratis, so Lehne.

Als Grund für Gebühren bei Papierrechnungen führt das Unternehmen die Kosten an, die durch das Erstellen von papierenen Rechnungen entstehen. Alle Firmen, die diese Praktik eingeführt haben, beziehen sich zudem auf den Umweltschutz: Je mehr Leute auf eine Rechnung per Mail oder eine E-Rechnung umsteigen würden, desto mehr Papier könne gespart werden. E-Rechnung steht für «elektronische Rechnung». E-Rechnungen sind nicht per E-Mail versendete, sondern direkt und automatisch im persönlichen E-Banking-Konto aufgeschaltete Rechnungen, die mit wenigen Klicks bezahlt werden können. Zum Empfang nötig ist ein ­E-Banking-Zugang der Bank oder der Postfinance. Dort kann anhand weniger Schritte beim Rechnungssteller, etwa der Telekom- oder der Kreditkartenfirma, eine E-Rechnung angefordert werden (siehe Grafik). Über 700 Unternehmen und öffentliche Verwaltungen bieten diese Möglichkeit bereits an.

«Rechnung gehört zum Paket»

Dass immer mehr Unternehmen Gebühren auf Papierrechnungen erheben, ist Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS), ein Dorn im Auge. «Das ist eine verkappte Gebührenerhöhung. Es gibt keinen ersichtlichen Grund, der solche Gebühren rechtfertigt», sagt Stalder. «Die Rechnungsstellung gehört klar zum Paket der Dienstleistung, die der Kunde kauft», so Stalder. Dass die Unternehmen dabei jeweils den Umweltschutz in den Vordergrund stellen, kommt bei der SKS nicht gut an. Diese Begründung sei lediglich ein «ökologisches Deckmäntelchen».

Die SKS hat denn auch bereits im Dezember letzten Jahres angekündigt, dass sie prüft, gegen dieses Vorgehen gerichtlich vorzugehen. «Dieses Thema ist für uns definitiv nicht vom Tisch», sagt die Konsumentenschützerin. «Wir prüfen, welche rechtlichen Schritten hier allenfalls ergriffen werden können.»

Bundesrat hat Verständnis

Im Schweizer Recht existiert kein Verbot, für Papierrechnungen Geld zu verlangen. Doch wenn die erhobenen Gebühren eklatant zu hoch sein sollten, könnten sie gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb verstossen. Bisher gibt es in der Schweiz noch keine Rechtsprechung zu dieser Problematik. Wann eine erhobene Gebühr «eklatant» zu hoch ist, lässt sich also vorerst nicht definieren. Sara Stalder vom SKS sagt dazu: «Wir verfolgen das weiter.»

In Deutschland und Österreich ist die Gebührenpraxis bei Papierrechnungen längst verboten. Der oberste Gerichtshof Österreichs wie auch der deutsche Bundesgerichtshof in Karlsruhe haben festgehalten, dass solche Gebühren rechtswidrig seien. Die Papierrechnung stelle eine selbstverständliche Vertragspflicht der Anbieter dar, die nicht zusätzlich berechnet werden dürfe. Für den Bundesrat steht ein Verbot in der Schweiz aber nicht zur Debatte. Mehr noch: 2013 hielt er in einer Antwort auf eine Interpellation fest, dass er Verständnis habe, wenn Firmen zusätzliche Kosten nach dem Verursacherprinzip den Empfängern von Papierrechnungen belasten.

Behörden und Ämter ohne Gebühr

Eine kurze Recherche und Umfrage zeigt: Besonders in der Telekom- und Internetdienstleistungsbranche ist die Papierrechnungsgebühr verbreitet. Doch nicht alle grossen Anbieter verlangen die Gebühr. So will beispielsweise die Swisscom nichts für Papier-, E-Mail- oder E-Rechnungen, wie Sprecher Olaf Schulze sagt. Ganz ohne Spesen geht es aber auch bei der Swisscom nicht: Wer einen detaillierten Verbindungsnachweis mit all seinen Telefonaten und dem Datenverbrauch auf Papier möchte, bezahlt 2 Franken. «Die Kunden können den Verbindungsnachweis aber auch kostenlos online einsehen», so Schulze.

Zahlreiche grosse Firmen, darunter die Post oder auch die Swisscom, ermutigen ihre Kunden, auf Papierrechnungen zu verzichten und zur E-Rechnung zu wechseln. Argumente sind neben dem Umweltschutz die Zeitersparnis (kein Abtippen des Einzahlungsscheins) sowie die Sicherheit (Vermeidung von Tippfehlern). Und trotzdem will die Mehrheit der Kunden weiterhin eine Rechnung per Post. Laut Olaf Schulze möchte nur rund ein Viertel aller Kunden eine elektronische Rechnung.

Noch deutlicher schätzt Samuel Schnyder, Marketingleiter bei Energie Wasser Luzern (EWL), die Quote ein: «Nur rund 9 Prozent unserer Kunden verlangen eine E-Rechnung.» Bei EWL ist die Papierrechnung gratis. «Die Rechnungsstellung gehört zu unserem Gesamtauftrag und ist im Dienstleistungspreis inbegriffen», sagt Schnyder. Gleiches gilt für die Centralschweizerische Kraftwerke AG (CKW): «Bei uns sind Rechnungen generell gratis», sagt CKW-Sprecher Marcel Schmid.

Wenn die Stadt Luzern Rechnungen verschickt, dann kostet das die Empfänger ebenfalls nichts, wie Stadtbuchhalter Beat Tanner sagt. Wer seine Rechnungen der Stadt per E-Rechnung bezahlen will, muss sich aber noch bis 2019 gedulden. Erst dann ist die Infrastruktur der Stadt Luzern auf dem dazu nötigen Stand.

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