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GEBURTSTAG: Franz Weber wird 90 und kämpft um Anerkennung

Ein halbes Jahrhundert lang hat sich Franz Weber für Tiere und die Umwelt eingesetzt. Heute ist er 90 Jahre alt und aus gesundheitlichen Gründen müde geworden.
Richard Clavadetscher
Umwelt- und Tierschützer Franz Weber (90). (Bild: Keystone Archiv)

Umwelt- und Tierschützer Franz Weber (90). (Bild: Keystone Archiv)

Richard Clavadetscher

Er kämpfte mit über 150 Kam­pagnen für die Rettung von Tieren, Landschaften und Kulturdenkmälern, doch heute kann sich Franz Weber nicht mehr recht daran erinnern. Das hat weniger mit der schieren Kampagnenzahl zu tun als mit seiner Krankheit: Weber leidet an Demenz. Der Krankheit ist es geschuldet, dass Weber, der seit einem Jahr in einer Altersresidenz lebt, nicht mehr immer weiss, wo er gerade ist, und viel schläft. Er habe jedoch noch wache Momente und könne Entscheidungen selber treffen, sagt seine Tochter Vera. Aber die Krankheit mache sich doch stets bemerkbar. Den eleganten Auftritt in tadelloser Kleidung indes, zeitlebens ein Marken­zeichen von Franz Weber, beherrscht der nun 90-Jährige auch heute noch.

Dieser elegante und eloquente Umwelt- und Tierschützer hat im Laufe seines langen Lebens viel erreicht, seit er 1965 als Journalist begann, in Reportagen über den Schutz von Natur und Landschaft zu schreiben. Den Menschen die Schönheit der Natur zu erhalten und das Leiden der Tiere zu beenden, dies wurde in der Folge zu seinem Lebensinhalt. Die Liste seiner Erfolge ist lang. In den Köpfen der Menschen dürften aber vor allem der Schutz der Weinberge des Lavaux, heute Unesco-Weltkulturerbe, sowie die im Jahr 2012 gewonnene Volksinitiative gegen den «uferlosen Zweitwohnungsbau» präsent sein.

Weber focht für seine Anliegen stets in der für ihn typischen Art: lautstark und entschieden. Und er wusste für seine Kampagnen die Medien einzuspannen. Dies nun ist weiter nicht verwunderlich, denn der gebürtige Basler arbeitete nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges nach Studien an der Sorbonne und einer Zeit als Dichter und Schrift­steller in Paris lange als Journalist, bereiste für seine Reportagen die weite Welt. So wusste er, wie die Medien zu kitzeln waren, damit sie über seine Arbeit berichteten. Als typisches Beispiel dafür mag die Kampagne gegen die Robbenjagd in Kanada in den 70er-Jahren gelten: Weber gewann Brigitte Bardot als Aushängeschild. Er kannte sie noch aus seiner Pariser Zeit. Mit Bardot fand sein Anliegen darauf spielend internationale Beachtung.

In den letzten Jahren fand der Gründer der Fondation Franz Weber und des Vereins Hel­vetia Nostra tatkräftige Unter­stützung durch seine Tochter Vera, heute Präsidentin der Stiftung. Sie ist es auch, die sein Werk fortführt. Weber selber hat das Kämpfen aufgegeben – aufgeben müssen. So findet denn der heutige 90. Geburtstag des früher Rastlosen in eher beschaulichem Rahmen statt: Mittagessen im engen Familienkreis in einem gediegenen Restaurant – mehr nicht.

Bis heute ausstehend ist die breite Anerkennung von Franz Webers Lebenswerk. Das hängt zweifellos damit zusammen, dass er sich mit seinen Kampagnen auch immer Feinde schuf. Gerade die Menschen in jenen Gebieten, für deren Schutz und Unversehrtheit er sich vehement einsetzte, waren vielfach nicht gut auf ihn zu sprechen. Endlich Anerkennung für sein Lebenswerk, das ist es denn auch, was Tochter Vera für ihren Vater heute einfordert, und zwar noch vor seinem Tod: «Ich wünsche ihm den Dank der Regionen, die er gerettet hat.»

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