GEFAHR: Flugzeug prallt beinahe mit Drohne zusammen

Ein Airbus der Swiss hat im Mai beim Anflug auf den Flughafen Zürich eine Drohne um nur 10 Meter verfehlt. Die Unfallexperten des Bundes fordern Massnahmen.

Fabian Fellmann
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Drohne Symbolbild (Bild: Christian Beutler/Keystone)

Drohne Symbolbild (Bild: Christian Beutler/Keystone)

Die Warnung vor der Drohne traf rechtzeitig im Cockpit des Swiss-Airbus aus Dar es Salaam ein. Doch die Piloten waren mitten im Landeanflug auf den Zürcher Flughafen. Sie hielten zwar Ausschau nach dem Modellfluggerät und konnten es auch zwei Sekunden lang erkennen: ein sogenannter Multikopter mit mehreren Rotoren und einem Gesamtdurchmesser von einem Meter, der in der Flugachse des Swiss-Flugzeugs schwebte.

Zum Ausweichen war es jedoch zu spät: Der Jet mit 185 Passagieren und 12 Crewmitgliedern flog nur gerade 10 Meter unter der Drohne vorbei, wie die Unfalluntersuchungsstelle Sust in ihrem gestern veröffentlichten Bericht über den Vorfall vom 6. Mai 2017 festhält.

«Gerade Multikopter dieser Grössenordnung können beträchtlichen Schaden an einem Triebwerk anrichten oder dieses sogar in Brand setzen und stellen somit eine Gefährdung der Verkehrsfliegerei dar», heisst es in dem Bericht. Die Unfallexperten des Bundes halten es sogar für denkbar, dass die Gefahr bewusst heraufbeschworen wurde: Die Drohne schwebte über einem Wegpunkt für Linienmaschinen, die mit dem Instrumentenlandesystem anfliegen. Der Drohnenlenker könnte sein Gerät absichtlich in die Flugachse der ankommenden Jets gesteuert haben, um Nahaufnahmen der Flugzeuge zu schiessen.

Kollision eine Frage der Zeit

Die rein visuelle Erkennung von Drohnen durch die Piloten komme zu spät für Ausweichmanöver, halten die Experten fest. Darum brauche es ein System, das Drohnen für die Flugsicherung sichtbar mache. «Ansonsten ist eine Kollision mit einem Verkehrsflugzeug in geringen Flughöhen vor dem Hintergrund des starken Drohnenaufkommens nur noch eine Frage der Zeit», heisst es in dem Bericht.

Das Bundesamt für Zivilluftfahrt schätzt, dass in der Schweiz rund 100000 Drohnen im Einsatz sind. Ein Transpondersystem für die Fluggeräte hat es bereits diskutiert; allerdings hat der Bundesrat entschieden, dass die Schweiz technische Normen für solche Geräte nicht im Alleingang aufstellen soll. Die Schweiz drängt darum bei der Europäischen Flugsicherung und in entsprechenden Arbeitsgruppen auf eine europaweite Lösung. Die EU-Kommission hat ähnliche Pläne, doch dürften die Arbeiten nicht vor 2019 zu Resultaten führen. Technisch dürfte es problemlos machbar sein: Die Flugsicherung Skyguide hat mit U-Space eine Plattform vorgestellt, auf der Drohnenbetreiber elektronisch ihre Flugpläne und ihre Handynummer hinterlegen können.

Fabian Fellmann