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Gehört Spitzenfussball zum Service public?

Richard Clavadetscher

Übertragungsrechte Keine Spiele der Champions League mehr auf den Sendern der SRG? Was gegenwärtig im Raum steht, ruft unterschiedliche Reaktionen hervor. Sie bewegen sich entlang jener Linie, die wir aus den Diskussionen darüber kennen, was die SRG sein soll, was sie dürfen soll und was nicht.

So erstaunt es nicht, dass Nationalrat Matthias Aebischer (SP/BE) auf die Frage nach der Bewertung dieses allfälligen Verlusts erst einmal mit einer Gegenfrage antwortet: «Wissen Sie, was ein Fussballfan in Italien zahlt – nur um einzig und allein Fussball am Fernsehen schauen zu können?» Und Aebischer gibt auch gleich die Antwort: «Es sind über 500 Franken pro Jahr – also weit mehr als bei uns in der Schweiz die gesamten Fernsehgebühren für denselben Zeitraum kosten!» Als SP-Parlamentarier und «als Präsident der kopfstarken Parlamentariergruppe Sport» könne er so etwas selbstverständlich nicht gut finden, so Aebischer. Er sei für den offenen Zugang bei solchen Übertragungen.

Aebischer kritisiert die ganze Entwicklung in diesem Bereich: «Wenn es da um den sogenannt freien Markt geht, zahlen immer die Zuschauerinnen und Zuschauer die Zeche.» Und für ihn ist auch klar: «Unternehmen wie die Swisscom, bei der der Bund ja die Aktienmehrheit besitzt, sind Serviceunternehmen für die Bevölkerung. Sie sind nicht primär dazu da, Kohle zu machen.»

Für ihn sei die Sache deshalb eindeutig, sagt Aebischer: «Ich werde auch weiterhin für eine starke SRG kämpfen – für eine SRG, die viele Sportarten allen Zuschauerinnen und Zuschauern zugänglich macht – und darüber hinaus auch bei kulturellen Anlässen – wie gerade eben beim eidgenössischen Jodlerfest in Brig oder beim Unspunnenfest in Interlaken – Präsenz zeigt.»

Sollen nun die Gebühren sinken?

Ganz anders Aebischers Parlamentskollege Gregor Rutz (SVP/ZH), der auch noch im Vorstand der Aktion Medienfreiheit sitzt: «Wenn das funktioniert mit der Champions League im Bezahlfernsehen, wenn dafür also ein Markt besteht, dann finde ich den Wechsel gut.»

Hier zeige sich nun beispielhaft, wie das gehe mit dem Service public: «Wenn es ein Privater machen kann, braucht die SRG das nicht zu tun», so Rutz. Alles, was der Markt anbieten könne, sei auch dort zu belassen und nicht der SRG zu übertragen.

SRG-Kritiker Rutz geht aber noch weiter: Wenn nun die Übertragungsrechte der Champions League so teuer seien, dass die SRG deshalb darauf verzichten wolle, spare sie ja einen erklecklichen Betrag. «Also kann man sich nun überlegen, ob nicht die Fernsehgebühren gesenkt werden können.»

Nationalrat Martin Candinas (CVP/GR) hingegen findet den Service public wichtig, und er sieht auch den Spitzenfussball ausdrücklich als Teil davon. Der SRG hält er zugute, dass sie sich beim Einkauf von Übertragungsrechten finanzielle Grenzen setze. Aber Candinas hat heute auch eine Message an die SRG-Gegner: «Wie sich nun zeigt, muss die SRG ganz offensichtlich schon heute mit ihren Mitteln haushälterisch umgehen. Damit ist offensichtlich, dass weitere Kürzungen unvertretbar wären.»

«Keine Katastrophe» fände schliesslich Vinzenz Wyss den Verzicht der SRG auf die Champions League. Wyss ist Professor für Journalistik am Institut für Angewandte Medienwissenschaft an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen medienpolitischen Diskussion setze die SRG seiner Ansicht nach vielmehr «ein gutes Zeichen», sagt Wyss. Sie zeige damit nämlich, dass sie nicht bereit sei, «sinnlos Geld auszugeben und an der Kommerzialisierungs- spirale im Fussball mitzudrehen».

Nachteil sei indes, dass die Abwanderung dieser Fussballspiele in Bezahlfernsehen einige ausschliesse, so Wyss. Auch sei ihm indes bewusst, dass man anders argumentieren und gewichten könne, dass diese Sportübertragungen wie auch Unterhaltungssendungen schon deshalb im «offenen Fernsehen» zu halten seien, weil sie am Ende gesellschaftlich integrierend wirkten.

Richard Clavadetscher

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